US-Automobilkonzern setzt die Auffrischung seines Modellprogramms fort
Neuer Fiesta schiebt Ford-Erträge an

Ford Europa verspricht sich vom neuen Kleinwagen Fiesta eine deutliche Steigerung der Ertragskraft. Der europäische Teil des US-Automobilkonzerns will die Verlustzone in diesem Jahr dauerhaft verlassen.

KÖLN. David Thursfield verbreitet ungeteilten Optimismus. "Mit dem neuen Fiesta wird die Rendite deutlich besser ausfallen", sagte der Chef von Ford Europa im Gespräch mit dem Handelsblatt. Trotz des immer noch relativ starken Euro und des schwachen deutschen Automarktes werde der europäische Arm des US-Automobilkonzerns in diesem Jahr in die Gewinnzone zurückkehren. Im Jahr 2000 stand noch ein gewaltiges operatives Defizit von 1 Mrd. $ in den Büchern.

Nach dem geglückten Produktionsstart der anderen Ford-Modelle Focus und Mondeo ist Thursfield davon überzeugt, dass auch der Wechsel zum neuen Fiesta gelingt. "Das Auto wird besser als die Modelle der Wettbewerber", betonte Thursfield. Der neue Fiesta werde sich schnell bei den Käufern durchsetzen.

Ford befindet sich in der Tat auf dem Weg nach oben. Nach Angaben des europäischen Automobilherstellerverbandes Acea ist der Abatz der Ford-Pkw in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 3,8 % auf 732 000 Fahrzeuge gestiegen. Beim Marktanteil legte der von Köln aus gesteuerte europäische Arm von Ford von 8,6 % auf 9,0 % zu. Der neue Fiesta - Verkaufsbeginn ist Anfang kommenden Jahres - stößt auf ein verhältnismäßig schwaches Wettbewerbsumfeld. Fast alle Kleinwagen der europäischen Konkurrenten (etwa Renault Clio, VW Polo) mussten in diesem Jahr Absatzeinbußen hinnehmen. Lediglich der Peugeot 206 konnte deutlich zulegen.

Ford baut Fixkosten ab

Unter Kostengesichtspunkten macht sich Thursfield erst recht keine Sorgen um den neuen Fiesta. Im Vergleich zum Vorgängermodell müssten Ford-Mitarbeiter statt 22 künftig nur noch 16 Stunden an einem Auto arbeiten. Außerdem konzentriert Ford die Produktion des Kleinwagens von drei auf zwei Standorte, die englische Fiesta-Fabrik Dagenham wird in diesem Jahr geschlossen. Thursfield sagte dazu, dass die fixen Kosten bei Ford Europa bis zum Jahr 2004 um ein knappes Fünftel zurückgehen würden.

Thursfield kündigte gleichzeitig eine Verbesserung der Kapazitätsauslastung in allen europäischen Ford-Fabriken an. Nach bescheidenen 71 % in 1999 werde die Quote Anfang kommenden Jahres einen Wert von nahezu 100 % erreichen, was ungefähr einer Zahl von zwei Millionen produzierten Fahrzeugen entspreche.

Ford unterstellt dabei ein massiv wachsendes Kundeninteresse am neuen Fiesta. Vom alten Modell werden in diesem Jahr etwa 300 000 Autos gefertigt, mit dem neuen Fiesta soll diese Zahl in 2002 auf 400 000 in die Höhe schnellen. Ford startet zunächst mit der Produktion des vor allem an Familien gerichteten fünftürigen Modells. Später sollen ein Dreitürer und ein Minivan dazukommen. Für alle geplanten Modellvarianten wird das Kölner Ford-Werk Hauptproduktionsstätte sein (maximale Kapazität: 400 000). Dazu kommt das spanische Werk Valencia mit etwa 200 000 Fiesta-Einheiten.

Für Thursfield ist das europäische Ford-Programm zur Restrukturierung trotz der positiven Absatzentwicklung noch lange nicht beendet. Nachholbedarf sieht er insbesondere beim Marken-Image.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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