US-Bahnaktien
Auf brüchigem Gleis

Investment-Legende Warren Buffett hat US-Bahnaktien einst populär gemacht. Besonders der Güterverkehr gilt als florierender Wirtschaftszweig. Jetzt droht allerdings eine Kurskorrektur. Neben der allgemeinen Börsenschwäche haben die Kursabschläge bei den amerikanischen Bahnaktien vor allem zwei Gründe.

FRANKFURT. Der Lokführer sieht die Katastrophe kommen. Er drosselt das Tempo. Aber es ist schon zu spät. Das Hochwasser hat die Gleise am Ufer des Yellowstone River unterspült. Die Holzschwellen brechen. Aufgereiht wie an einer Perlenkette springen die ersten mit Kohle beladenen Waggons aus den Gleisen und stürzen 15 Meter tief in den reißenden Fluss. Der Unfall geschah vor wenigen Tagen. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Doch das war die einzige gute Nachricht.

Für die Bahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) kommt das Zugunglück im US-Bundesstaat Montana zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die schweren Flutschäden im mittleren Westen sind nicht das einzige Problem: Erst vor kurzem musste die Bahngesellschaft ihre Gewinnschätzung für das zweite Quartal nach unten korrigieren; der Aktienkurs sackte daraufhin ab. Im vergangenen Monat verloren die Papiere über zehn Prozent.

Etwas besser erging es der Konkurrenz. Norfolk-Southern-Aktien bröckelten im vergangenen Monat rund drei, die Papiere von Canadian Pacific mehr als vier Prozent. Die britische National Express dagegen legte gut zehn Prozent zu – allerdings von geringem Ausgangsniveau; auf Sechsmonatssicht liegt die Aktie über 15 Prozent im Minus.

Die Kursabschläge bei den amerikanischen Bahnaktien haben neben der allgemeinen Börsenschwäche zwei Gründe: Zum einen gelten Bahngesellschaften, die ihr Geld wie die großen US-Linien mit dem Gütertransport verdienen, als äußerst konjunktursensibel. Wenn weniger Waren hergestellt und transportiert werden, merken die Gesellschaften das schnell. Umsatzrückgänge zehren wegen der hohen Fixkosten sofort am Gewinn.

Die Finanzkrise schlägt langsam, aber sicher auf die Konjunktur durch. Das Verbrauchervertrauen in den USA ist zuletzt auf das tiefste Niveau seit 16 Jahren gefallen. Laut US-Branchenverband Association of American Railroads (AAR) ging die Anzahl der Wagenladungen im Güterverkehr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Juni um knapp vier Prozent zurück.

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