US-Behörden leiten Untersuchung ein – Vorwurf des Preis-Dumpings
Kartellvorwürfe erschüttern die Chipindustrie

Zu den wirtschaftlichen Sorgen kommen für die Chipindustrie jetzt auch noch unangenehme Fragen der Kartellbehörden. Große Hersteller sollen ihre Konkurrenten mit unfairen Mitteln aus dem Markt drängen. Samsung hat von der US-Regierung eine Vorladung wegen angeblicher Absprachen bei DRAM-Preisen erhalten.

tor NEW YORK. Die Nachricht kam wie ein Schock für die ohnehin Not leidende Chipindustrie: Das US-Justizministeriums hat Ermittlungen gegen führende Halbleiterhersteller wegen des Verdachts auf wettbewerbswidriges Verhalten aufgenommen. Die Börsenkurse von Samsung, Micron, Hynix und Infineon gingen daraufhin in den Keller. "Ich wäre nicht überrascht, wenn die großen Anbieter versucht haben, die kleineren an die Wand zu drücken", sagte Makoto Suzuki, Manager beim Vermögensverwalter Chuo Mitsui Management, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dana Perino, Sprecherin des US-Justizministeriums, bestätigte die Untersuchung, wollte jedoch zu den Hintergründen nichts sagen.

Seit dem Ende des Internetbooms und dem folgenden Nachfrageeinbruch auf dem Markt für Computerchips steckt die Halbleiter-Branche in der Krise. Große Überkapazitäten haben die Preise weit unter die Herstellungskosten gedrückt. So kostet die Produktion eines 128-Megabit-DRAM-Chips rund vier Dollar. Ende letzten Jahres wurde für das Produkt auf dem Spotmarkt nur noch ein Dollar gezahlt. Inzwischen hat sich der Preis auf etwa 2,60 $ erholt, deckt jedoch noch immer nicht die Produktionskosten. Der Markt für DRAM-Chips hat weltweit ein Volumen von 12 Mrd. $.

Einen Abbau der Überkapazitäten hatte sich die Branche von der Fusion des US-Anbieters Micron mit dem südkoreanischen Hersteller Hynix erhofft. Die Gespräche platzten jedoch in letzter Minute. Hynix, nach Samsung und Micron die Nummer drei auf dem Weltmarkt, steht seit Monaten in dem Verdacht, mit einem Preis-Dumping andere Wettbewerber aus dem Markt drängen zu wollen. "Es ist klar, dass auf dem DRAM-Markt der Wettbewerb mit unfairen Preisen untergraben wird", kritisierte ein Sprecher des japanischen NEC-Konzerns bereits im Oktober vergangenen Jahres. NEC, Toshiba, Hitachi und Mitsubishi Electric drohten damals, eine offizielle Beschwerde bei der japanischen Regierung einzulegen.

Bei der deutschen Infineon gibt man sich zunächst gelassen. "Wir wissen nicht, worum es genau geht. Aber wir werden mit den Behörden zusammenarbeiten", sagte Konzern-Sprecher Ralph Heinrich. Sein Kollege Kipp Berdard vom US-Hersteller Micron bestritt, dass der Konzern gegen das Kartellgesetz verstoßen habe. "Der Markt für DRAM-Chips ist sehr wettbewerbsintensiv und die Preise schwanken extrem", sagte er.

Davon sind jedoch vor allem kleinere Anbieter wie die taiwanesische Nanya Technology Corp. betroffen, die rund 60 % ihrer Produkte auf dem volatilen Spotmarkt absetzt. Demgegenüber haben die großen Anbieter es mit Hilfe von langlaufenden Lieferverträgen geschafft, den Einfluss der starken Preisschwankungen zu begrenzen. Infineon-Sprecher Heinrich bestätigte, dass auch der deutsche Konzern einen "großen Teil" seiner Chips über längerfristige Verträge verkauft. Samsung verkauft gar nur 5 % seiner Produktion auf dem Spotmarkt.

Nach Meinung von Experten können die Chipkonzerne selbst mit dem Verkauf unter Herstellungskosten zumindest noch einen Teil ihrer hohen Fixkosten decken. "Wenn Micron mehr Angebot als Nachfrage hat, versuche der Konzern so viel Chips wie möglich zu verkaufen", sagte Alan Loewenstein, Fondsmanager des John Hancock Technology Funds, gegenüber Bloomberg.

Quelle: Handelsblatt

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