US-Berichtssaison auf Hochtouren
Dax-Ausblick: Auf Schwankungen einstellen

Nahostkrise, Ölpreis-Spekulationen, schlechte US-Quartalszahlen - die Stimmung bei den Anlegern ist gedrückt. Dabei sind sich die Experten sicher: In solchen Phasen wird der Grundstein für den künftigen Aufschwung gelegt.

rtr/vwd/fgh FRANKFURT/M. Zwar schockierte IBM in dieser Woche die internationalen Aktienmärkte mit der ersten Gewinn- und Umsatzwarnung seit 1991. Die amerikanische Computerbörse Nasdaq nahm diese Hiobsbotschaft nach kurzem Einbruch jedoch gelassen auf. Dies gibt nach Ansicht der Frankfurter Commerzbank Anlass für Zuversicht. Denn obwohl sich noch immer keine echte Investitionsbereitschaft in Tech-Titel abzeichnet, blieben die Anleger ausgesprochen ruhig - allerdings bei eher gedrückter Stimmung.

Außerdem standen die Aktienmärkte in Europa in der vergangenen Woche erneut im Zeichen der zugespitzten Nahostkrise, verbunden mit großen Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Ölpreise. Die Ankündigung eines Exportstopps für Öl durch den Irak ließ den Ölpreis vorübergehend stärker steigen. Es besteht die Sorge, Öl könnte durch weitere Staaten als Waffe eingesetzt werden mit der Gefahr, dass die hohen Ölpreise zu dauerhaften Schäden der Konjunktur führen. Die aktuelle Venezuela-Krise - auch wenn sie in ersten Reaktionen zu sinkenden Ölnotierungen führte - verstärkt diese Unsicherheit.

Die Erfahrung zeige allerdings, so die Experten der Commerzbank, dass in solchen Phasen der Grundstein für einen künftigen Aufschwung gelegt wird. Mit einer Rallye an der Nasdaq bis über die Marke von 2000 Punkten hinaus könne deshalb in den kommenden Wochen gerechnet werden. Ein klarer Kauf bleibe Microsoft . Die Aktie sollte auf aktuellem Niveau ihren Boden gefunden haben und mittelfristig über 70 Dollar steigen.

Schwankungsfreudige Börse

Der deutsche Aktienmarkt könnte hingegen noch seitwärts tendieren. Aus der Sicht der Commerzbank ist dies für den mittelfristig orientierten Privatanleger der richtige Zeitpunkt für Aktienkäufe. Je länger die Konsolidierung dauert, desto größer die Chancen für einen kräftigen Kursanstieg, heißt es.

An eine überdurchschnittlich "schwankungsintensive Börsenentwicklung" in der nächsten Woche glaubt auch die DZ Bank. In ihrer Wochenstrategie schreiben die Frankfurter Experten, enttäuschende Quartalszahlen von US-Unternehmen und der Nahostkonflikt würden wohl kurzfristig noch erhalten bleiben. Allerdings scheine in den aktuellen Kursen bereits ein hohes Maß an Skepsis eingepreist zu sein. Da auch politische Krisenängste meist nicht dauerhaft wirkten, stünden zumindest die Chancen für eine Zwischenerholung gut.

DZ-Bank-Stratege Heinz Weyershäuser sieht beispielsweise Chancen die Aktien von SAP und Nokia . Bereits im Vorfeld der in der kommenden Woche erwarteten Quartalszahlen gingen die Kurse beider Aktien auf Talfahrt, was die Möglichkeit einer positiven Kursreaktion nach den Zahklen erhöhen sollte.

Experten: Reinigende Wirkung für Neuen Markt durch Comroad

Der Skandal um den Münchener Telematikanbieter Comroad in dieser Woche hat Analysten zufolge das ohnehin angeschlagene Anlegervertrauen in den Neuen Markt weiter erschüttert. Langfristig sehen Aktienstrategen und Analysten in dem offensichtlichen Betrugsfall aber auch positive Impulse für eine Bereinigung des krisengeschüttelten Marktsegmentes. Die im Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes gelistete Comroad hat nach neuesten Erkenntnissen offenbar nicht existierende Geschäfte verbucht und dadurch fast den kompletten Umsatz für 2001 nur vorgetäuscht.

Aktienstratege Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt sagte, er sehe durch den Fall Comroad keinen weiteren Vertrauensverlust in den Neuen Markt, denn: "das Vertrauen war ohnehin schon nicht sehr hoch". Comroad sei nur die Spitze des Eisberges. "Man ist jetzt sehr mitrauisch und das mit gutem Grund", sagt er. Wenn die veröffentlichten Geschäftszahlen der Firmen nicht stimmten, könne der Markt nicht mehr vernünftig analysiert werden. Der Aktienstratege hat daher auch kein Kursziel mehr für den Neuen Markt. Borghoff schließt weitere Betrugsfälle am Neuen Markt nicht aus - wenngleich nicht in dem Ausmaß wie bei Comroad.

Analyst Marius Hoerner von Lang & Schwarz gewinnt dem Skandel um Comroad langfristig sogar positive Aspekte ab. "Die Schwarzen Schafe werden ausgesiebt und die Investoren schauen sich genau an, was sie kaufen wollen. Auch die Wirtschaftprüfer werden sich wohl künftig jede Zahl fünfmal anschauen." Langfristig sei diese Entwicklung daher ausgesprochen positiv.

Wichtige Termine des nächsten Börsenwoche

Auf Unternehmensseite steht SAP am kommenden Donnerstag im Blickpunkt, wenn die Walldorfer Zahlen zum ersten Quartal veröffentlichen. Daneben geben noch einige MDax-Werte Zahlen zum Geschäftsjahr 2001 bekannt. Spannender sind da die Konjunkturdaten. Bereits am Montag gibt es die Lagerbestände USA und die deutschen Großhandelspreise, am Dienstag kommen Daten zur US-Kapazitätsauslastung, den Konsumentenpreisen, den persönlichen Einkommen und den Neubauten.

Am Mittwoch beherrscht US-Notenbankpräsident Alan Greenspan die finanzpolitische Bühne mit seinem Auftritt vor dem US-Kongreß. Daneben werden Zahlen zur deutschen Industrieproduktion im Februar und der US-Handelbilanz, ebenfalls für Februar, herausgegeben. Am Donnerstag folgt der Philadelphia-Fed-Index, und die Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA sowie die europäische Industrieprodution im Februar.

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