US-Bieter vor Zuschlag
Bankgesellschaft: Sparkassen aus dem Rennen

Im Tauziehen um die schwer angeschlagene Bankgesellschaft Berlin (BGB) sind die deutschen Sparkassen aus dem Rennen. Die rot-rote Landesregierung entschied sich am Donnerstag dafür, nur noch mit zwei Investorengruppen aus den USA über den Verkauf zu verhandeln.

dpa/HB BERLIN. Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) und die Sparkassen-Gruppe, die sich ebenfalls um den Zuschlag bemüht hatten, schafften es damit nicht ins Finale. Die Entscheidung über den künftigen Besitzer des mehrheitlich landeseigenen Finanzkonzerns soll bis zum Jahresende fallen. Anschließend muss das Parlament zustimmen.

Nach vierwöchiger Prüfung der Angebote gab Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) bekannt, dass "zunächst" nur noch mit dem Konsortium BGB Capital Partners sowie dem Pensionsfonds Lone Star verhandelt wird. Beide Gruppen haben bereits in Asien Erfahrung mit der Sanierung von Banken gesammelt. Die Bankgesellschaft war nach risikoreichen Immobiliengeschäften in den 90er Jahren schwer in die Schieflage geraten. Vor dem Zusammenbruch konnte sie nur durch staatliche Milliardenhilfen gerettet werden.

Zur Höhe der jetzigen Angebote machten weder der Berliner Senat noch die Investorengruppen konkrete Angaben. Als Mindestgebot gelten aber die 1,75 Milliarden Euro, die das Land im vergangenen Herbst der Bankgesellschaft zuschießen musste. An dem Finanzkonzern mit verschiedenen Marken wie Berliner Bank, Berliner Sparkasse, Weberbank und Berlin Hyp hält das Land 81 Prozent der Anteile. Die elfgrößte deutsche Bank zählt derzeit noch etwa 15 000 Beschäftigte. Im ersten Halbjahr schrieb der Konzern 154 Millionen Euro Verlust.

Für die Nord/LB, die an der Bankgesellschaft bislang noch elf Prozent hält, sowie die Sparkassen bedeutet die Entscheidung eine schwere Schlappe. Die beiden Gruppen hatten sich erst kurz vor Ende der Angebotsfrist Mitte August auf eine gemeinsame Linie einigen können. Sie verzichteten jedoch auf ein konkretes Angebot, sondern gaben nur eine "indikative Interessenbekundung" ab. Aus Senatskreisen hieß es, dies sei "nicht genug" gewesen. Aus dem Rennen ist auch der US-Restrukturierungsexperte Wilbur L. Ross aus New York, der aber von vornherein als Außenseiter galt.

Hinter der Investorengruppe BGB Capital Partners steht ein Zweckbündnis der einstigen Konkurrenten Texas Pacific Group und des US-Investmentbankers Christopher Flowers. Der Pensionsfonds Lone Star besitzt in Deutschland bereits mehr als 5 000 Plattenbau-Wohnungen sowie mehrere Hotels. Beiden Bietern soll nach Angaben des Senats nun die Möglichkeit gegeben werden, mit einer vertieften Prüfung der Bankgesellschaft eine endgültige Bewertung vorzunehmen. Auf Grundlage der weiteren Verhandlungen soll dann ein verbindliches Angebot gemacht werden.

Eigentlich war erwartet worden, dass der Senat nur noch einen einzigen Bieter im Wettbewerb lässt. Mit der Festlegung auf zwei Interessenten bietet sich nun jedoch die Möglichkeit, in den weiteren Verhandlungen mehr Druck zu machen.

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