US-Bilanzregeln
Kommentar: Kompromiss mit deutschen Unternehmen

Es klingt nach einer neuen Konfrontation mit den USA: An der New Yorker Börse gelistete deutsche Unternehmen erfüllen nicht die verschärften Bestimmungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, im schlimmsten Fall müssen Daimler, Telekom oder Bayer wieder vom Kurszettel in New York gestrichen werden. Doch so schlimm wird es mit ziemlicher Sicherheit gar nicht kommen.

Ein Kompromiss ist eher wahrscheinlich, keine der beiden betroffenen Seiten würde von einem längeren Konflikt profitieren.

In den USA war in den vergangenen Wochen schnelles Handeln gefragt. Nach den Bilanzskandalen um Worldcom und Enron musste die Börsenaufsicht eingreifen - sonst wäre das Vertrauen in die Aktie in den USA noch weiter abgesackt. Als die verschärften SEC-Bestimmungen in den USA aufgelegt wurden, hat niemand über den Tellerrand geschaut und mögliche Implikationen mit ausländischen Unternehmen im Blick gehabt. Es galt einzig und allein, mit aller Macht und möglichst schnell vor der eigenen Haustür - also bei amerikanischen Unternehmen - aufzuräumen. Für spezielle deutsche Bestimmungen war in dieser Situation kein Platz.

Inzwischen gibt es auch in den USA Signale, die in Richtung einer Kompromisslösung deuten. In New York gibt es ein großes Interesse, die deutschen und andere betroffene europäische Unternehmen zu halten. Konzerne aus dem Ausland unterstreichen dort die Internationalität. Und außerdem bringen europäische Unternehmen der New Yorker Börse zusätzliche Gebühreneinnahmen. Wegen der Börsenflaute gilt dieses Argument jetzt erst recht.

Deutsche Unternehmen sind aber auch weiter auf die Notierung in den USA angewiesen. Die Geschäfte der großen Konzerne sind so international geworden, dass sie auf die Anbindung an die amerikanischen Kapitalmärkte keinesfalls verzichten können.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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