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US-Biotech-Lobby will Lockerung des Klonverbots

Amerikanische Wissenschaftler wollen zwischen reproduktivem und therapeutischem Klonen unterscheiden.

kk NEW YORK. Der Scheinwerfer verfolgt den Supermann-Darsteller Christopher Reeve, der im Rollstuhl in die Saalmitte geschoben wird. Eine Assistentin rückt ihm den Schlauch zurecht, an dem der Schauspieler, der seit einem Reitunfall querschnittsgelähmt ist, zieht und sichtlich unter Anstrengungen schluckt. Reeve ist im Ballsaal des New Yorker Nobelhotels Waldorf Astoria Redner auf der CEO & Investor Conference, der wichtigsten Biotech-Investorenmesse.

Er ist Patientenvertreter und Chairman der Christopher Er ist Teil einer Lobby-Kampagne, die verhindern will, dass der amerikanische Senat das im vergangenen Sommer bereits vom Repräsentantenhaus beschlossene grundsätzliche Klonverbot absegnet. Ende dieses Monats oder Anfang April stimmt der Senat ab. Der Gesetzesvorschlag verbietet jede Form des Klonens - das therapeutische ebenso wie das reproduktive.

Stammzellen aus Erbgut

Befürworter des therapeutischen Klonens argumentieren, dass dieses erforderlich sei, um eines Tages Stammzellen aus dem eigenen Erbgut des Patienten gewinnen zu können. Stammzellen können sich in jede Form menschlicher Zellen entwickeln. Wissenschaftler hegen Hoffnungen, mit ihnen kranke Organe oder Blutzellen ersetzen zu können. Forscher hoffen, dass man Krankheiten wie Diabetis, Parkinson oder Querschnittslähmung heilen kann.

Im Gegensatz zu fremden Stammzellen wäre die Gefahr, dass der Körper die Zellen abstößt, bei eigenen, geklonten Stammzellen geringer, argumentieren die Befürworter des therapeutischen Klonens. Die Gegner jeder Form des Klonens hingegen warnen, dass es zum Klonen eines Menschen nur noch ein kleiner Schritt sei.

Beschluss des Repräsentantenhauses

Vertreter der Biotech-Industrie sind zuversichtlich, dass der Senat anders als das Repräsentantenhaus entscheiden wird. "Ich glaube, dass der Senat genug Zeit hatte, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen", sagt Carl Feldbaum, Präsident des Industrieverbandes Biotechnology Industry Organisation (Bio) gegenüber dem Handelsblatt. Er misst dem Beschluss des Repräsentantenhauses vom vergangenen Jahr wenig Bedeutung bei: "Sie hatten nicht viel Zeit und wussten, dass ein solches Gesetz kaum durch den Senat kommen würde. So konnten sie vor ihren Wählern gut dastehen", beschreibt er die Entscheidung. Sam Brownback, ein Vertreter der Republikaner, der das Verbot im Senat durchsetzen will, wirft er vor, einen religiösen Kreuzzug zu führen.

Das von US-Präsident George W. Bush einberufene Beratergremium Council on Bioethics hat mittlerweile die Hoffnung auf eine gemeinsame Position aufgegeben. Zu sehr gehen die Meinungen der Mitglieder auseinander. Sie wollen sich nun darauf beschränken, den Volksvertretern den Sachverhalt näherzubringen. "Das Wichtigste ist, dass die Leute die verschiedenen Argumente wirklich verstehen", sagt Leon Kass, Vorsitzender des Gremiums und Bioethiker an der University of Chicago. "Es geht darum, welchen moralischen Status diese Wesen haben", meint Richard Deorflinter, der katholischen U.S.Counsil of Bishops, über die wenige Tage alten Embryos.

Sollte der Senat gegen das therapeutische Klonen stimmen, sagt Feldbaum einen "Aufruhr von Wissenschaftlern und Patientenvertretern" voraus. Thomas Okarma, Vorstandsvorsitzender von Geron, jenem Biotech-Unternehmen, das über verschiedene Stammzellenreihen verfügt, gibt sich zuversichtlich, dass der Senat das Klonverbot abändern wird.

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