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US-Bodentruppen in Nord-Afghanistan im Einsatz

Die USA setzen bei ihrem Kampf gegen die Taliban-Regierung in Afghanistan nach eigenen Angaben jetzt auch Bodentruppen im Norden des Landes ein. Es handele sich um eine sehr kleine Zahl von Soldaten, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Dienstag.

rtr WASHINGTON. Sie sollten bei der Beschaffung von Zieldaten für die Bombenangriffe helfen. In der vierten Woche der Angriffe wurden wegen Berichten über zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung Forderungen nach einem schnellen Ende des Krieges lauter. Zugleich wuchsen die Zweifel, ob es den USA gelingen würde, den Moslem-Extremisten Osama bin Laden zu fassen und die Taliban-Regierung zu stürzen. Die US-Regierung warnte die US-Bürger vor weiteren Anschlägen in den kommenden Tagen.

Rumsfeld schloss eine größere Bodenoperation nicht aus. Auch im Süden Afghanistans seien immer wieder Bodentruppen im Einsatz. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon, der mit Rumsfeld über die Lage beraten hatte, sagte auf die Frage von Journalisten, ob sich ebenfalls britische Soldaten in Afghanistan befänden: "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht."

Hoon hatte vor dem Treffen gesagt, man wolle den moslemischen Fastenmonat Ramadan, der Mitte November beginnt, beachten, müsse aber die Taliban weiter unter Druck setzen. Moslemische Staaten hatten gefordert, den Krieg während des Ramadan nicht weiterzuführen. Die Sprecherin des US- Verteidigungsministeriums Victoria Clarke sagte, 95 Luftangriffe seien am Dienstag geflogen worden. Die Angriffe hätten sich auf Taliban-Stellungen um Kabul und Masir-i-Scharif konzentriert. Der Chef des US-Militäreinsatzes, General Tommy Franks, sagte in der usbekischen Hauptstadt Taschkent, die Aktion stecke nicht in einer Sackgasse, sondern verlaufe planmäßig. Die Taliban zeigen aber keine Schwäche, und Bin Laden ist offenbar noch auf freiem Fuß. Indiens Verteidigungsminister George Fernandes bezweifelte, dass die USA Bin Laden überhaupt jemals zu fassen bekommen. Bin Laden, seine Kämpfer und die Taliban nutzten ein weit verzweigtes und über Jahrzehnte angelegtes Tunnelsystem, das mit Luftangriffen kaum zu bekämpfen sei.

Nach einer Umfrage der "New York Times" und des Fernsehsender-Senders CBS glauben 28 % der Befragten daran, dass die USA Bin Laden fassen oder töten können. Vor drei Wochen waren es noch 38 % gewesen. Auf die Frage nach den zivilen Opfern des Krieges sagte Franks, jeder Tod von Zivilisten in einem Krieg sei schlimm. "Aber so ist nun mal Krieg", fügte er hinzu. Laut Umfrage der britischen Zeitung "The Guardian" sprachen sich 54 % der befragten Briten für eine Unterbrechung der Angriffe aus, damit Hilfsgüter zu den Not leidenden Afghanen gebracht werden können.

Zustimmung zu Luftangriffen sinkt

Die Zustimmung zu den Luftangriffen sei in den vergangenen zwei Wochen von 74 % auf 62 % der Befragten gesunken. UNO-Generalsekretär Kofi Annan äußerte die Hoffnung, dass die Angriffe auf Afghanistan so schnell wie möglich beendet werden. Vor dem Winter müssten so viel Nahrungsmittel wie möglich nach Afghanistan gebracht werden. Bereits vor Beginn der Militäraktion am 7. Oktober war UNO-Angaben zufolge rund ein Viertel der 20 Mill. Afghanen auf internationale Hilfe angewiesen.

Nach den Worten von US-Justizminister John Ashcroft gibt es "glaubwürdige Informationen" darüber, dass in den kommenden Tagen mit neuen Anschlägen gerechnet werden muss. Auf welche Informationen sich die Warnungen stützen, sagte er nicht. Aus Regierungskreisen verlautete lediglich, die Informationen deuteten auf Bin Ladens El Kaida hin. Die USA machen Bin Laden und El Kaida für die Anschläge am 11. September in New York und bei Washington verantwortlich, bei denen nach neuesten Angaben vermutlich rund 4800 Menschen ums Leben gekommen sind.

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