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US-Börsen machen Boden gut

Ab Mittag ging?s aufwärts an der Wall Street. Obwohl die Indizes am Morgen im Minus eröffnet hatten, strichen beide - Dow Jones und Nasdaq - bis Handelsschluss satte Gewinne ein. Das Börsenbarometer der dreißig US-Standardwerte legte um 173 Punkte oder 1,9 Prozent zu und ging bei einem Stand von 9123,78 Punkten aus dem Handel. Damit hat der Index innerhalb von acht Handelstagen über 1000 Punkte gut gemacht und notiert noch weniger als 500 Punkte unter der Marke vom 10. September - dem Tag vor den Terror-Attacken auf World Trade Center und Pentagon. Der technologielastige Nasdaq Index schloss auf einem Niveau von 1580,8 Punkten, nachdem das Barometer 88,47 Punkte oder fast sechs Prozent zugelegt hatte.

NEW YORK. Dabei war die Nachrichtenlage zu Handelsbeginn nicht gerade rosig: Reihenweise hatten Firmen ihre Prognosen für die nächsten Monate reduziert. Doch dann gab es gute Nachrichten aus Washington: "Uncle Sam" schnürt ein weiteres Care-Paket, um der gebeutelten US-Konjunktur unter die Arme zu greifen. US-Präsident George W. Bush plant für das Fiskaljahr 2002 ein Hilfsprogramm von bis zu 75 Milliarden Dollar. In Verbindung mit den bereits bewilligten 55 Milliarden Dollar, würden diese Maßnahmen das Konjunkturwachstum um voraussichtlich ein Prozent steigern, sagte Finanzminister Paul O?Neill.

Auch vom Netzwerk-Giganten Cisco kamen am Nachmittag gute Nachrichten. Unternehmenschef Chambers teilte mit, das Unternehmen werde die Erwartungen für das erste Quartal, das noch bis Ende Oktober läuft, erfüllen können. Angepeilt waren ein Umsatz von 4,16 Milliarden Dollar und ein Gewinn von zwei Cents pro Aktie. Das Papier von Cisco kletterte am Mittwoch um 21,5 Prozent auf 13,91 Dollar. Den Konkurrenten in der Netzwerk-Branche gab der Cisco-Effekt Auftrieb: Anteile Juniper, PMC, Applied Micro und Broadcom konnten Gewinne einfahren. Im Durchschnitt zog der Sektor um zehn Prozent an.

Auch die Halbleiter-Titel standen am Mittwoch auf der Gewinnerseite. Elf Prozent machte der zuletzt schwache Sektor gut. Hard- und Software-Werte gewannen um die zehn Prozent. Siebel konnte um 16 Prozent zulegen, nachdem der Hersteller von Internet-Business-Software eine Kooperation mit dem Branchenprimus Microsoft bekannt gemacht hatte. Microsoft selbst machte sechs Prozent an Wert gut.

Weniger Grund zur Freude hatte hingegen das Pharmaunternehmen Eli Lilly. Das Management hat seine Gewinnschätzungen für die Fiskaljahre 2001 und 2002 drastisch gekürzt. Nachdem Anfang August der Patentschutz für das Antidepressivum Prozac ausgelaufen ist und Konkurrenz-Präparate auf den Markt gekommen sind, gingen die Prozac-Verkäufe drastisch zurück. Die Deutsche Bank Alex Brown stützte Eli Lilly zwar mit einer "Kaufempfehlung". Doch im Handelsverlauf verliert der Titel fast fünf Prozent an Wert.

Zu den Gewinnern durften sich am Abend die Finanztitel zählen. Merrill Lynch hatte den Sektor wohlwollend bewertet; die Analysten sehen bei Banken und Brokern gute Einstiegsmöglichkeiten. Unterbewertet seien vor allem die Aktien von Citigroup, Mellon Financial, Bank of New York und J.P. Morgan.

Doch nicht nur Kurssprünge konnten die Finanztitel am Mittwoch begrüßen, sondern auch einen neuen Mitbewerber. Die Deutsche Bank feierte am Tag der Deutschen Einheit ihren Börsengang an der New York Stock Exchange. Die Aktien der Deutschen Bank, die an der NYSE unter dem Tickerkürzel DB gehandelt werden, legten zur Premiere vier Prozent zu und notierten bei Handelsschluss auf 54,80 Dollar. Am ersten Handelstag haben rund 250.000 Deutsche Bank Aktien ihren Besitzer gewechselt. Im Vergleich dazu wurden von Blue Chip J.P. Morgan über fünf Millionen Aktien gehandelt. Der Finanzkonzern hofft, sich durch den New York-Auftritt auf dem US-Markt besser zu profilieren. Die Notierung am Welt-Finanzplatz Nummer Eins bringt aber nicht nur der Deutschen Bank Vorteile. Das Listing macht Vergleiche mit US-Konkurrenten wie Goldman Sachs und Merrill Lynch einfacher für den Anleger.

New Yorks Bürgermeister Rudy Giuliani hatte DB-Vorstandssprecher Rolf Breuer am Morgen an der Wall Street begrüßt und den Schritt an den Welt-Finanzplatz Nummer Eins gelobt. "Es ist sehr wichtig, dass die Deutsche Bank jetzt Vertrauen in New York demonstriert", sagte er. Das Unternehmen bringt New York allerdings nicht nur Vertrauen entgegen, sondern auch einen dicken Scheck. Mit neun Millionen Dollar unterstützt die Deutsche Bank den Wiederaufbau der Stadt nach den Terror-Attacken des 11. September.

© Wall Street Correspondents Inc.

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