US-Börsen reagieren auf Firmenskandale
NYSE und Nasdaq wollen strengere Regeln

Die beiden größten US-Börsen NYSE und Nasdaq wollen strengere Anforderungen an das interne Kontrollsystem der bei ihnen gelisteten Firmen stellen. Damit reagieren sie auf den Fall Enron und eine Reihe weiterer Firmenskandale.

hus NEW YORK. In unabhängig voneinander vorgelegten Entwürfen verlangen die Börsen, dass der Aufsichts-und Verwaltungsrat (Board) eines börsennotierten Unternehmens mehrheitlich aus firmenunabhängigen Vertretern besteht. Außerdem soll die Vergabe von Kaufoptionen auf Aktien an Beschäftigte und Vorstandsmitglieder strenger beaufsichtigt werden. Die vorgesehenen Regelungen müssen von der Wertpapieraufsicht SEC abgesegnet werden.

Die Vorschläge der NYSE und der Nasdaq unterscheiden sich in Details. So will die NYSE verlangen, dass sämtliche Aktienoptionspakete an Beschäftigte von den Aktionären eines Unternehmens bewilligt werden. Die Nasdaq will die Zustimmung der Aktionäre bis jetzt nur bei den Optionen der Vorstände verlangen. Damit soll verhindert werden, dass diese sich auf Kosten des Unternehmens bereichern und dass reichlich ausgeteilte Kaufoptionen den Aktienkurs verwässern. Die Forderung, dass Aufsichträte künftig mehrheitlich von außen besetzt werden, würde etwa 25 % aller an der NYSE gelisteten Firmen betreffen. Sie müssten die Zusammensetzung ihrer Boards bis 2004 ändern.

Das stößt nicht überall auf Zustimmung: "Nach meiner Erfahrung kommt der beste Rat stets von den internen Mitgliedern", meinte Thomas James vom an der NYSE gelisteten Brokerhaus Raymond James Financial. Jim Kennedy vom ebenfalls betroffenen Investmenthaus American Financial sagte: "Damit geht jetzt eine fieberhafte Suche nach geeigneten Aufsichtsräten los". Auch der Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs Henry Paulson glaubt: "Es gibt nicht genügend erfahrene und kompetente Leute, die das machen können." Die Nasdaq erwägt noch, ob sie eine ähnliche Regel für ihre Mitgliedsfirmen aufstellen will.

Die beiden Börsen reagieren auf eine Serie von Skandalen in US-Unternehmen. Der Konkurs des Energiekonzerns Enron hatte unsaubere Praktiken in den Konzernen offenbart. Schulden wurden versteckt, Umsatzzahlen fingiert und Bilanzen geschönt. Erst Anfang der Woche musste der Vorstandschef des Mischkonzerns Tyco, Dennis Kozlowski, wegen undurchsichtiger Manöver und privater Steuerhinterziehung zurücktreten. "Noch nie in meinem Leben haben US-Konzerne so unter öffentlicher Kritik gestanden", sagte Paulson in einer Rede, "ganz ehrlich: ich glaube das ist verdient."

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