US-Börsen wegen Labour Day geschlossen
Kriegsgefahr beschäftigt die Börsianer

Die Politik dominiert derzeit die Kurse. Die Analysten versuchen, den Einfluss eines neuen Golfkriegs abzuschätzen. Außerdem rückt der 11. September näher, und damit wächst die Zurückhaltung der Anleger.

FRANKFURT. Was tun, wenn die Kanonen donnern? Die Auswirkungen eines möglichen neuen Golfkriegs beschäftigen die Analysten derzeit am meisten. Mit Blick auf die Irak-Krise bleibe die Volatilität an den Aktienmärkten zunächst hoch, deshalb sei eine "grundsätzliche Defensiv-Orientierung" anzuraten, meint etwa die Bank Vontobel. Zwar erhöht der Konflikt zwischen Washington und Bagdad die Unsicherheit an den Märkten, allerdings weisen die Experten auch auf gravierende Unterschiede gegenüber der Invasion Kuwaits durch die Iraker vor rund zwölf Jahren hin.

Dieses Mal würden die Börsen nicht überrascht werden, das "Risiko Nahost" sei schon größtenteils in die Kursfindung der vergangenen Wochen eingegangen. Ein Ölpreisschock sei eher unwahrscheinlich, heißt es bei Oppenheim Research. Beim aktuellen Barrel-Preis von rund 27 Dollar sei schon ein "Kriegs-Aufgeld" von zwei bis drei Dollar eingebaut, wobei die Saudis signalisierten, notfalls ihre Förderung auszudehnen. Zur Erinnerung: Als Folge des irakischen Überfalls im August 1990 verdoppelte sich der Ölpreis zeitweise von 20 auf 40 Dollar.

Problematisch für die Märkte kann aber die Finanzierung der Kriegskosten werden, denn wenn sich die Europäer zurückhalten, müssten die USA den Großteil selbst bezahlen, mit dann voraussichtlich negativen Auswirkungen für das Budget und den Wechselkurs des Dollars. 1991 bezahlten die Verbündeten fast 90 % der Ausgaben von insgesamt 61 Mrd. Dollar, entsprechend einem Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts, rechnet Oppenheim Research vor.

Abgesehen vom Irak beschäftigen diese Woche auch die Veränderungen innerhalb der Stoxx-Indizes die europäischen Aktien. Wenn morgen die Umstellungen bekannt gegeben werden, gilt der Chemieriese BASF als Aufstiegskandidat für den Stoxx 50 Index. Am vergangenen Freitag hatte die Aktie in Vorfreude schon um gut drei Prozent zulegen können. Im enger gefassten Euro Stoxx 50 könnte der Einzelhandelswert Pinault Printemps für Lafarge Platz machen, auch der Telekomausrüster Alcatel gilt als abstiegsgefährdet. Neben dem Prestigegewinn bringt ein Aufstieg meist Kursgewinne mit sich, weil Fondsmanager, die sich an diesen Marktbarometern orientieren, die Titel kaufen müssen.

Von der Konjunkturseite her herrscht am Montag wegen des Feiertags in den USA (Labour Day) erst einmal Ruhe, bevor dann am Dienstag der Index der Einkaufsmanager veröffentlicht wird, im Wochenverlauf kommen auch neue US-Arbeitsmarktdaten. Per saldo rechnen die Aktienstrategen nicht mit nachhaltigen Impulsen für die Börse, die DZ Bank sieht den S&P-500 Index in einer Handelsspanne zwischen 900 und 980 Punkten nach 916 am Freitag. Größeren Indexgewinnen könnten auch die US-Aktienfonds im Wege stehen, die laut Commerzbank Securities im September aus steuerlichen Überlegungen zu Abgaben neigen. Schon der Wonnemonat August war für die US-Papiere nicht berauschend, der DJIA verlor unter dem Strich 0,8 % auf 8663 Punkte. Für den Deutschen Aktienindex Dax, der zum Wochenschluss um 52 Punkte auf 3712 Zähler kletterte, sehen die Analysten das Rückschlagspotenzial auf rund 200 Punkte begrenzt, technisch bestehe sogar eher Spielraum nach oben.

Unter den Einzeltiteln verdienen diese Woche Telecom Italia und Zurich Financial Services Beachtung, von denen am Donnerstag bei Präsentation der Halbjahresbilanzen jeweils Ausblicke für das Gesamtjahr erwartet werden. France Télécom zieht ebenfalls ihre Halbzeitbilanz und berichtet dann auch über die Situation bei der deutschen Tochter Mobilcom. Gerüchte über einen angeblichen Zahlungsstopp der Mutter - die sich später als falsch herausstellten - ließen die Mobilcom-Aktie am Freitag einbrechen.

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