US-Börsenaufsicht ermittelt wegen Tauschgeschäftes
Fragwürdiger AOL-Umsatz möglicherweise von Worldcom

Der größte Teil der 49 Millionen Dollar, um die möglicherweise die Bilanzen von AOL Time Warner aufgebläht wurden, soll vom skandalumwitterten Telekom-Unternehmen Worldcom stammen, heißt es aus Kreisen der US-Börsenaufsicht SEC. Das berichtet das Wall Street Journal am Freitag.

wsj NEW YORK. Das Geld stamme aus der engen Verbindung zwischen America Online und Worldcom, die sich in den vergangenen Jahren angebahnt hat, als AOL sich zum größten Worldcom-Kunden entwickelte. Der Medienriese zahlte dem Telekommunikationskonzern mindestens 900 Mill. $ im Jahr für die Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs seines Internetverkehrs. Im Juli 2001 einigten sich die beiden Unternehmen auf ein gewaltiges Geschäft. Worldcom willigte ein, Werbebanner bei AOL für mehr als 200 Mill. $ zu kaufen. Im Gegenzug wickelte America Online weiterhin seine Netzwerkgeschäfte über Worldcom ab.

US-Börsenaufsicht auf der Suche nach Dokumenten

Insider ließen verlauten, dass die aktuellste Transaktion zwischen David Colburn, Topmanager von AOL, der vor zwei Wochen seinen Stuhl räumen musste, und Scott Sullivan, dem ehemaligen Finanzchef von Worldcom, zustande kam. Sullivan wurde verhaftet, nachdem das Telekom-Unternehmen eine Summe von 7,2 Mrd. $ aufgedeckt hatte, die nicht sauber verbucht worden war.

Nun ist die US-Börsenaufsicht auf der Suche nach Dokumenten, die Informationen über Transaktionen enthalten sollen, in die David Colburn verwickelt war. Bei der weitreichenden SEC-Untersuchung von AOL werden die Ermittler auch prüfen, was es unter anderem mit Aktienkäufen von Führungskräften auf sich hat.

Vergangene Woche enthüllte AOL erstmals, dass ein Betrag von 49 Mill. $ aus drei Transaktionen eventuell fälschlicherweise als Einkommen aus Anzeigen- und Handelsgeschäften ausgewiesen worden sei.

Gegen Worldcom laufen momentan zivilrechtliche Untersuchungen, die den größten Fall von Bilanzfälschungen aufdecken sollen, den es jemals gegeben hat.

Während Sullivan und Colburn das angebliche Geschäft abstreiten, bleibt es unklar, ob sich die laufende Untersuchung nicht auch noch auf andere Führungskräfte konzentriert. Steve Case, Vorstandschef von AOL Time Warner, gehörte für ein Jahr zum Worldcom-Vorstand und hatte lange Zeit enge Kontakte zu John Sidgmore, dem derzeitigen Worldcom-Chef. Sidgmore stand ursprünglich im Zentrum des Kontaktes mit AOL, obwohl er abstritt, an den aktuellen Geschäften beteiligt gewesen zu sein.

Worldcom verteidigt eigene Geschäftspraxis

AOL weigerte sich, die Namen der Firmen, die in die drei betroffenen Transaktionen verwickelt sind, zu nennen. Aber aus Unternehmenskreisen heißt es, dass Worldcom eine von ihnen sei. Ein Ermittler sagte, AOL hätte einen Teilsumme aus der Transaktion mit Worldcom als Einkommen, die andere als Ausgabe gebucht. Dies sollte den Eindruck erwecken, dass es sich um zwei separate Geschäfte handle. Tatsächlich sei es aber nur eine einzige Transaktion gewesen. Ein sogenannter Tauschhandel wäre aber nach amerikanischem Recht unzulässig.

Führungskräfte von Worldcom verteidigten ihre Geschäftspraxis mit AOL: "Das waren absolut legale Transaktionen." In einer E-Mail von AOL-Chef Richard Parsons an seine Mitarbeiter hieß es vergangene Woche: Bei AOL wäre kein Platz für unethisches Verhalten. Er sagte, das Unternehmen halte bereits Pläne für neue Kontrollen und Umstrukturierungen bereit.

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