US-Börsenaufsicht legt Pläne vor
US-Börsenaufsicht nimmt Prüfer hart ran

Die wachsende Zahl von Bilanzskandalen in den USA und die daraus resultierende Vertrauenskrise am Kapitalmarkt haben Präsident Bush und führende US-Manager auf den Plan gerufen.

tor/lü DÜSSELDORF/NEW YORK. In Washington traf sich der so genannte Business Round Table, die Vereinigung der wichtigsten Manager in den USA, um mit Präsident Bush und Vertretern des Kongresses über die aktuelle Vertrauenskrise zu beraten. Parallel dazu gründete sich unter dem Dach des Forschungsinstituts Conference Board eine hochrangig besetzte Arbeitsgruppe, um die Regeln für Manager-Gehälter, Aktienoptionen und Unternehmensführung zu überdenken.

Die Initiativen geschehen vor dem Hintergrund einer Initiative der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). Die Aufsicht will die Kontrolle der Wirtschaftsprüfer drastisch verschärfen. Dazu hat sie gestern ihren Plan vorgelegt (Handelsblatt vom 19. Juni 2002). So schlägt die SEC ein neunköpfiges Aufsichtsgremium, den Public Accountability Board (PAB) vor. Er soll weit reichende Vollmachten bekommen. Sechs der neun Mitglieder sollen unabhängig sein, nur drei dürfen von Wirtschaftsprüfern kommen. SEC-Chairman Harvey Pitt will das neue Aufsichtsgremium bis zum Jahresende installieren. Mit ihren Vorschlägen reagiert die Börsenaufsicht auf die jüngsten Bilanzskandale, in die auch Wirtschaftsprüfer verwickelt sind.

So ist Arthur Andersen kürzlich von einem Gericht der Behinderung der Justiz schuldig gesprochen worden. Die Gesellschaft soll bei der Bilanzprüfung des pleite gegangenen Energiekonzerns Enron Bilanzmanipulationen gedeckt haben. Die gesamte Branche leidet unter dramatischem Imageverlust, Arthur Andersen befindet sich in Auflösung. Erstmals installiert die SEC damit de eine unabhängiges Aufsichtsorgan. Bislang gab es nur ein brancheninternes Komitee. Im Gegensatz zu der Vorgängerinstanz soll der PAB die Vollmacht bekommen, Strafen zu verhängen.

SEC-Chef Pitt besteht darauf, dass die neue Aufsicht privat organisiert wird und nur der Börsenaufsicht verantwortlich ist. Pitt will damit einen Eingriff des Gesetzgebers verhindern. Ob ihm das gelingt, ist jedoch zweifelhaft. Hat doch der Bankenausschuss des Senats auf Drängen seines demokratischen Vorsitzenden Paul Sarbanes einen konkurrierenden Entwurf für eine neue Aufsicht der Wirtschaftsprüfer verabschiedet. Kern des Gesetzentwurfs ist ein fünfköpfiges, unabhängiges Kontrollgremium.

Im Gegensatz zum SEC-Vorschlag will Sarbanes jedoch die Unternehmensberatung durch Wirtschaftsprüfer weitgehend einschränken, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Dagegen läuft jedoch die Branche Sturm.

Auch in Deutschland wird die Frage nach einer Kontrollinstanz diskutiert. Allerdings ist umstritten, wie ein solches Gremium aussehen soll. So schlägt das Institut der Wirtschaftsprüfer ein "Review Panel" nach britischem Muster vor, das auf Antrag hin tätig wird und Jahresabschlüsse nach Fehlern untersucht. Werden Mängel festgestellt, kann die Kommission eine Änderung auch gerichtlich erzwingen. Der Bilanzexperte Karlheinz Küting hält diese Regelung für nicht schlagkräftig genug: Der Saarbrücker Betriebswirt fordert weiter reichende Kompetenzen. Das Aufsichtsgremium müsse nicht nur berufsunabhängig sein, sondern auch Sanktionen aussprechen können, die "ans Eingemachte gehen".

Auch Die EU-Kommission ist aktiv. Sie will mit einem Verhaltenskodex die Unabhängigkeit und Verlässlichkeit von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sicherstellen.

Quelle: Handelsblatt

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