US-Börsenaufsicht SEC genehmigt Engagement
IBM hält an Pricewaterhouse Coopers fest

Harsche Kritik von Investoren erntet der weltgrößte Computerkonzern IBM Corp. für die Entscheidung, seinen Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers LLP (PwC) nicht auszuwechseln.

NEW YORK. Die Anleger fragen: Kann eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein unabhängiges Urteil über die Bilanz eines Konzerns abgeben, der ihr gerade 2,7 Mrd. $ gezahlt hat?

IBM hatte vergangene Woche den Kauf der Beratungssparte von PwC für 2,7 Mrd. $ in bar bekannt gegeben. PwC verkauft die Tochter unter anderem, um Konflikte zu vermeiden, wenn Firmen sowohl Kunden der PwC-Berater als auch der PwC-Prüfer sind. "Die weitere Nutzung von Pricewaterhouse Coopers als Wirtschaftsprüfer weckt Zweifel über die Unabhängigkeit künftiger Prüfungen bei IBM", sagt nun Carl McCall, Schatzmeister des US-Bundesstaates New York und der Treuhänder des staatlichen Pensionsfonds. Der New York State Common Retirement Fund hält 5,6 Millionen IBM-Aktien, die derzeit für etwa 68 $ pro Stück gehandelt werden.

Die Verbindung von Wirtschaftsprüfung und Beratung war nach dem Bilanzskandalen bei US-Konzernen wie Enron und Worldcom wieder ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Viele Länder arbeiten jetzt an Regeln zur Trennung von Buchprüfung und Beratung. Wirtschaftsprüfungskonzerne sind bestrebt, sich von ihren Beratungssparten zu trennen. Der Enron-Prüfer Arthur Andersen war nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten zerfallen; in Deutschland etwa haben sich die Andersen-Berater der Deloitte Consulting GmbH angeschlossen, die inzwischen unter dem Namen Braxton firmiert. Auch KPMG hat das deutschsprachige Beratungsgeschäft der börsennotierten US-Gesellschaft KPMG Consulting Inc. verkauft, die britische und die niederländische Beratungstochter gingen an den IT-Dienstleister Atos Origin.

Die Entscheidung von IBM gibt der Diskussion nun neue Nahrung. PwC sagt, der Verkauf der Beratungssparte an IBM beeinträchtige die Unabhängigkeit seiner Prüfer nicht. Und die US-Börsenaufsicht SEC hat der Entscheidung des Computerkonzerns zugestimmt.

Aber institutionelle Investoren fordern, dass IBM sich einen neuen Wirtschaftsprüfer sucht. Fonds wie Calpers, der die Gelder der kalifornischen Staatsangestellten verwaltet, und TIAA-CREF Investment Management, die die Lehrerpensionen anlegen, verlangen bereits seit einigen Jahren den regelmäßigen Wechsel der Prüfer.

Vor zwei Jahren, als der Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) Co. die Beratungssparte von PwC für 18 Mill. $ kaufen wollte, hatte der damalige SEC-Chef Arthur Levitt noch geraten, HP solle sich von PwC als Auditor trennen. Jetzt hieß es von Seiten der Behörde, im Fall IBM gebe es Unterschiede. Vor allem erhielten die PwC-Partner keine Anteile an IBM - HP hatte den Kaufpreis teilweise mit Aktien zahlen wollen. Das übergeordnete Ziel der SEC sei es, sicherzustellen, dass die Prüfungsgesellschaften aus dem Beratungsgeschäft aussteigen. Die SEC habe alle relevanten Fakten beachtet, sagte deren Chefprüfer Sam Burke. "Dazu gehörten auch die Barzahlung und die Tatsache, dass während der Verhandlungsphase keinerlei Prüfungen stattfanden." Burke fügte hinzu: "Die Transaktion selbst, alle daraus folgenden Buchführungsaktivitäten und die Meldungen der nächsten drei Jahre an die SEC werden von anderen Wirtschaftsprüfern begutachtet."

IBM begründete die Entscheidung mit der Größe des Konzerns und der daraus folgenden Komplexität der Bücher. "PwC versteht unser Unternehmen, unser Geschäft und unsere Branche", hieß es. Den Investoren reicht das nicht: "Ich denke es war gut, dass die SEC ihnen bei den Verhandlungen über die Schulter gesehen hat", sagt Patrick McGurn, Top-Manager bei Institutional Shareholder Services, einem Berater für Großinvestoren. "Aber wenn die SEC-Leute nicht die Absicht haben, in den kommenden Jahren bei allen Treffen der Wirtschaftsprüfer dabei zu sein, werden es die meisten Investoren lieber sehen, wenn sich IBM einen neuen Prüfer sucht."

Quelle: Handelsblatt

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