US-Börsenaufsicht signalisiert Kompromissbereitschaft - Bilanzierungsregeln für europäische Unternehmen
Wall-Street-Notierung wird erleichtert

Die US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC hat den europäischen Unternehmen Kompromissbereitschaft bei der Zulassung der in Europa favorisierten Internationalen Bilanzierungsregeln (IAS) für ein Börsenlisting an der Wall Street signalisiert.

Reuters KÖLN. "Unser Ziel ist es, dass es 2005 keine Rolle mehr spielt, ob ein Unternehmen nach IAS oder US-GAAP bilanziert. Und ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können", sagte der leitende Bilanzfachmann der SEC, Robert Herdman, der Nachrichtenagentur Reuters am Rande einer Veranstaltung der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft am Donnerstag in Köln.

Nutznießer einer Vereinheitlichung des amerikanischen Bilanzierungsstandards US-GAAP und der IAS-Regeln wären die vielen deutschen und ausländischen Unternehmen, die an Börsen in Amerika und Europa zugleich notiert sein wollen. Sie sind derzeit gezwungen, mit hohen Kosten unterschiedliche und für Investoren und Analysten oft kaum vergleichbare Jahresabschlüsse zu erstellen. Herdmans Optimismus wurde in Köln von Deutsche Bank-Vorstand Clemens Börsig unterstützt. "Wir sind eindeutig in einem beschleunigten Prozess hin zu einem einheitlichen globalen Bilanzierungsstandard", sagte Börsig, der zugleich Präsident der Schmalenbach-Gesellschaft ist.

Herdman sagte Reuters, erstes Ziel der SEC sei, US-Investoren über einheitliche Bilanzierungsstandards den Vergleich amerikanischer und internationaler Unternehmen zu erleichtern. "Wir sind aber auch daran interessiert, die US-Börsen für viele europäische Unternehmen attraktiv zu machen und ihnen das Listing zu erleichtern", sagte der "Chief Accountant" der SEC.

Auch der IAS-Vorstand, der sich mit der Entwicklung der IAS-Regeln beschäftigt, zeigte Kompromissbereitschaft. "Wir sind bereit, in jedem Falle Regeln anderer Institutionen zu akzeptieren, wenn sie überzeugend sind, und beharren nicht darauf, unsere eigenen Vorschriften zu finden", sagte IAS-Vorstandsmitglied Hans-Georg Bruns.

Die Europäische Union (EU) verlangt von den kapitalmarktorientierten Unternehmen ihrer Region ab 2005 Konzernabschlüsse nach IAS. Unternehmen, die nur mit Schuldverschreibungen und nicht mit Aktien notiert sind, haben ebenso eine längere Frist bis 2007 wie Unternehmen, die in den USA notiert und damit zum Abschluss nach US-GAAP gezwungen sind. Davon sind in Deutschland zum Beispiel die Deutsche Bank, Siemens oder Allianz betroffen.

Zu den wesentlichen Unterschieden von IAS und US-GAAP gehören die unterschiedliche Bilanzierung von Steuern sowie von Goodwill-Abschreibungen. Goodwill entsteht, wenn der Käufer eines Unternehmens mehr bezahlt als das in der Bilanz ausgewiesene Kapital der Gesellschaft und damit schwer zu beziffernde immaterielle Werte wie Managementqualität oder Markenstärke honoriert.

Herdman vermied es in Köln, Mindestbedingungen für die Akzeptanz von IAS durch die SEC zu stellen. "Wichtig ist, dass die übergeordneten Prinzipien übereinstimmen und sich beide Seiten aufeinander zubewegen." Entscheidend sei für die SEC allerdings auch, dass IAS-Regeln letztlich auch bis zur Strafverfolgung in Europa durchgesetzt würden. "Die Europäer sollten erwägen, eine Wertpapieraufsicht nach dem Vorbild der SEC einzurichten", erklärte er.

Die Bundesregierung plant bis zur Wahl im September keine Umsetzung der EU-Richtlinien zu IAS. "Das wird erst in der neuen Legislaturperiode deutsches Recht", sagte der Bilanzierungsfachmann des Bundesjustizministeriums, Christoph Ernst. Noch sei nicht entschieden, ob die IAS-Rechnungslegung auch für die Einzelabschlüsse kapitalmarktorientierter Konzerne sowie für nicht notierte kleine und mittelständische GmbHs und Personengesellschaften vorgeschrieben werden soll. "Es spricht aber viel dafür, es vorerst beim Mittelstand im Wesentlichen bei den derzeit geltenden Regelungen zu belassen", erklärte Ernst.

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