US-Büroartikelhändler kauft französische Versandfirma
Staples will den europäischen Markt für Bürobedarf aufrollen

Guilbert ist eine Tochter des Einzelhandelskonzerns Pinault-Printemps-Redoute (PPR) und macht sein Geschäft mit dem Versandhandel von Bürobedarf.

DÜSSELDORF. Mit dem Kauf des französischen Unternehmens baut Staples seine Position auf dem europäischen Büroartikel-Markt stark aus. "Das ist eine strategische Plattform für Wachstum", sagte Staples-Chef Ron Sargent anlässlich der Übernahme.

Bislang ist das Unternehmen auf dem europäischen Markt in Deutschland, England, Portugal und den Niederlanden vertreten. Durch den Zukauf von Guilbert kommen jetzt vier Länder hinzu: Frankreich, Italien, Spanien und Belgien. Im Geschäftsjahr 2001 hat Staples europaweit 796 Mill. $ umgesetzt, der Gewinn betrug 10 Mill. $. Im laufenden Jahr soll der Gewinn in Europa doppelt so hoch ausfallen.

Staples ist nicht das einzige Unternehmen der Branche, das sich zurzeit in Europa breit macht. Auch US-Konzerne wie Office Depot oder Corporate Express erobern immer größere Marktanteile. "Die Strategie der großen Anbieter ist eindeutig europaweit angelegt", bestätigt Ulrich Hoffmann von der Kölner BBE, Betriebswirtschaftliche Beratung für den Einzelhandel. Der Markt wachse über die Grenzen hinweg zusammen

.

Das geschieht allerdings auf Kosten der kleinen Fachhändler für Papier, Bürobedarf und Schreibwaren (PBS). Seitdem die internationalen Unternehmen begonnen haben, den PBS-Markt zu erobern, geraten die kleinen Fachhändler unter Druck. Vor zehn Jahren war die Branche noch von mittelständischen Händlern geprägt. Heute bestimmen die globalen Konzerne das Geschäft. "Der Preiswettbewerb ist immer härter geworden. Die großen Unternehmen haben schon viele kleine Händler aufgekauft", sagt Hoffmann.

Durch diese Strategie hat auch Staples Deutschland seinen Umsatz im Jahr 2000 um 86 % auf 295 Mill. DM (150,8 Mill. Euro) gesteigert. Möglich machte den Zuwachs vor allem die Übernahme der 13 ehemaligen Sigma-Büroartikel-Märkte des Metro-Konzerns im Jahr 2000. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz um 9 % auf 164 Mill. Euro zu.

Dabei bewegen sich die Amerikaner, wie alle PBS-Händler, auf einem stagnierenden Markt. In Zeiten von Rationalisierung und Massenentlassungen werden immer weniger Schreibutensilien und Bürobedarf benötigt. "Zwischen den Anbietern ist ein reiner Verdrängungswettbewerb im Gange", sagt Volker Wessels vom Bundesverband Bürowirtschaft (BBW). In dieser Situation setzen die großen PBS-Händler auf mehrere Vertriebskanäle, um möglichst viele Kunden anzusprechen. Neben seinem Katalog-Geschäft und dem vor drei Monaten gestarteten Online-Shop für gewerbliche Kunden versucht Staples dies hier zu Lande vor allem über die 57 Filialen. Auf durchschnittlich 1 500 Quadratmeter Fläche finden die Kunden rund 7 000 Artikel vom Bleistift bis zum Chefsessel. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 1 600 Mitarbeiter.

Staples Deutschland-Chef Reinhard Rolf ist zuversichtlich, was das Wachstum des Unternehmens angeht: "Wir werden 2002 schwarze Zahlen schreiben." Im Vorjahr hat der seit 1992 in Deutschland tätige Händler erstmals einen "kleinen Gewinn" erzielt. Rolf ist daher vorsichtig: Mittelfristig wolle Staples weitere Filialen in Deutschland eröffnen, sagte er, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Denn die Bedingungen für eine Expansion stehen schlecht: In der ersten Jahreshälfte machte die Branche nach BBE-Angaben ein Minus von 4 %. Im zweiten Halbjahr sieht es nicht viel besser aus.

Und von der US-Mutter kann die deutsche Tochter wohl kaum große Hilfe erwarten. Nach der Übernahme von Guilbert ist die Unternehmenskasse leer. Analysten von "Fitch Ratings" warnen vor der hohen Verschuldung des US-Konzerns.

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