US-Delegation nach Hainan gereist
Nach Luftzwischenfall haben jetzt die Diplomaten das Wort

Nach dem Zusammenstoß eines chinesischen Kampfflugzeugs mit einem amerikanischen Aufklärungsflugzeug über dem Südchinesischen Meer wächst besonders im Fernen Osten die Sorge um eine neue Eiszeit im Verhältnis zwischen Peking und Washington.

ap PEKING. Unterdessen verlagerte sich das Geschehen am Montag vorerst auf die diplomatische Ebene. Eine Delegation von US-Diplomaten reiste auf die Insel Hainan, wo das US-Flugzeug am Sonntag nach dem Zwischenfall notgelandet ist.

Die amerikanische Botschaft in Peking erklärte, die Delegation bestehe aus Konsulats- und Botschaftsangehörigen, äußerte sich aber nicht dazu, ob man erwarte, mit der 24-köpfigen Mannschaft der notgelandeten EP-3 zusammenzutreffen. Ein Sprecher der Botschaft sagte lediglich, man erwarte, dass die chinesischen Behörden die Integrität des Flugzeugs respektieren und die Mannschaft gut behandeln werde. Die USA haben die chinesische Regierung gebeten, die notwendigen Reparaturen an der Maschine durchzuführen und Flugzeug nebst Mannschaft danach wieder frei zu geben.

Das EP-3-Aufklärungsflugzeug, eine relativ langsame Propellermaschine, war am Sonntagmorgen mit einem chinesischen Kampfflugzeug leicht zusammengestoßen. Die chinesische Maschine stürzte ab, der Pilot wurde am Montag noch vermisst. Die EP-3 war von dem US-Stützpunkt auf der japanischen Insel Okinawa gestartet und befand sich nach amerikanischen Angaben in internationalem Luftraum. Das Aufklärungsflugzeug habe sich auf einem Routineeinsatz befunden, als es von zwei chinesischen Jets abgefangen wurde, sagte Oberst John Bratton vom US-Pazifikkommando in Hawaii.

Beide Seiten wiesen sich gegenseitig die Schuld an dem Zwischenfall zu. Der Chef des US-Pazifikkommandos, Dennis Blair, sprach von "einem Muster von zunehmend gefährlichem Verhalten" der chinesischen Flugzeuge. Das Abfangen von Flugzeugen sei zunehmend aggressiv gewesen, sagte Blair am Sonntag in Honolulu. Die US-Streitkräfte hätten deshalb bereits vor dem Zusammenstoß in China protestiert. Das chinesische Außenministerium wies hingegen die Verantwortung den USA zu. Das US-Flugzeug habe plötzlich seinen Kurs geändert und sei mit einem der beiden Jets zusammengestoßen.

Japan forderte beide Seiten am Montag eindringlich auf, wegen des Vorfalls keine Verschlechterung der Beziehungen zuzulassen und die Stabilität der Region nicht zu gefährden. Der japanische Kabinettschef Yasuo Fukuda sagte, seine Regierung hoffe, dass die Angelegenheit schnell und reibungslos beilegt werde. In der fernöstlichen Presse nahm der Vorfall den ersten Platz auf den Titelseiten ein. Auch hier wurde Sorge über die ohnehin seit der Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten George W. Bush abgekühlten Beziehungen zu Peking laut.

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