US-Demokraten kämpfen mit allen Tricks
Der Kandidat trägt Turban

Nichts lässt die Kampagne von Hillary Clinton unversucht, um das Momentum von Barack Obama zu brechen. Doch alle Angriffe perlen an dem Teflon-Kandidaten ab. Altbewährte Tricks aus der Klamottenkiste greifen nicht – und der Spin der Clinton-Berater wird immer verzweifelter.

DÜSSELDORF. „Es reicht!“, beginnt die Erklärung von Clintons neuer Managerin Maggie Williams dramatisch. „Wenn Obamas Leute meinen, dass ein Foto von ihm in traditioneller somalischer Kleidung diskriminierend ist, dann sollten sie sich schämen.“

Williams leugnet gar nicht erst, dass es die eigene Kampagne war, die das Bild an den Klatsch-Onlinedienst Drudge Report gespielt hatte, sie geht gleich zum Angriff über. Das Foto zeigt Obama, ein wenig unbehaglich, im weißen Umhang, mit Stock und weißem Turban.

Die Geschichte dazu ist einfach: In Kenia hatte ihm der Dorfälteste diese Kleidung überreicht – und Obama hatte sie angezogen. Wie könne man sich darüber aufregen, fragt Clinton, auch sie zeige sich bei Auslandsaufenthalten doch in fremder Tracht.

Der Effekt ist offensichtlich: Die im Internet kursierenden Gerüchte erhalten neues Futter für die These, Obama sei ein Muslim. So oft sich der Afroamerikaner mit dem Mittelnamen Hussein, mit dem kenianischen Vater und ein paar Schuljahren in Indonesien auch zu seinem christlichen Glauben bekennt, diese Schmutzkampagne läuft und läuft.

Tatsächlich schaut eine ganze Menge Amerikaner mit einer Portion Unbehagen auf den charismatischen Redner aus Chicago. Seine politischen Gegner bei den Demokraten und Republikanern warnen immer wieder vor seiner „eleganten, aber inhaltsleeren Rhetorik“. Und doch eilt Obama bei den Vorwahlen der Demokraten von Sieg zu Sieg – zehn Staaten hat er allein seit dem Super Tuesday bereits gewonnen. Allmählich zweifelt selbst Bill Clinton, dass die „Brandmauer“ seiner Gattin hält, dass die großen Staaten Texas und Ohio, treu zur Familie stehen. Schon am nächsten Dienstag, so die wachsende Sorge der Clintons, könnte ihre einst so furchterregende politische Maschine am Ende sein.

Also wirft „Billary“ alles ins Rennen. Obama verdiene Schande, weil er sich mit Zitaten aus Reden eines Freundes bediene. Und noch immer habe der angebliche Saubermann nicht völlig aufgeklärt, wie seine Beziehungen zu dem „Slumlord“ Antoin Rezko waren, der gerade jetzt wegen Betrugs vor Gericht steht.

Doch nichts bleibt haften. Obamas Umfragewerte steigen – national, in Texas und selbst in Ohio. Clintons Kampagne, lästert die Washington Post, sei einfach „so von gestern“. Das zeige auch der ungeschickt lancierte Turban: „Dieses Foto wird auf seine Urheber zurückfallen.“

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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