US-Diplomaten zum dritten Mal bei der Besatzung
Im Flugzeugstreit bleiben Chinesen und Amerikaner hart

Im Streit um den Flugzeugzwischenfall über dem südchinesischen Meer bleiben Amerikaner und Chinesen hart. Während Peking auf einer Entschuldigung der USA beharrt und sein Recht auf eine gründliche Untersuchung des notgelandeten US-Spionageflugzeugs und seiner Besatzung betont, lehnte Washington am Sonntag eine Entschuldigung erneut ab. Trotzdem gab sich die Regierung von US-Präsident George W. Bush zuversichtlich, dass die 24 Besatzungsmitglieder bald freigelassen würden.

ap PEKING/WASHINGTON. Die US-Maschine war am 1. April bei einem Spionageflug mit einem chinesischen Abfangjäger zusammengestoßen und auf der Insel Hainan notgelandet. Das chinesische Jagdflugzeug stürzte ab, sein Pilot ist seither vermisst und vermutlich tot. US-Außenminister Colin Powell erklärte am Sonntag, Präsident Bush werde als Geste des guten Willens einen Brief an die Frau des chinesischen Piloten schicken und darin sein Bedauern über das Schicksal ihres Mannes ausdrücken. Eine förmliche Entschuldigung bei der chinesischen Regierung sei jedoch eine ganz andere Sache, sagte Powell. Damit würde man offiziell die Verantwortung für den Zwischenfall übernehmen, und das könnten und würden die USA nicht tun.

Verteidigungsminister Richard Cheney sagte indessen im US-Fernsehen, er rechne mit einer baldigen Rückkehr der Besatzung. Auch Powell sagte, es gebe intensive Verhandlungen zwischen Washington und Peking. Zwar wolle er keinen Zeitplan für eine Freilassung der 24-köpfigen Besatzung diktieren, mit jedem weiteren Tag stiegen aber die Risiken für das Langzeitverhältnis zwischen den USA und China.

US-Diplomaten trafen am Sonntag zum dritten Mal mit der Besatzung zusammen. Sie hätten dabei im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Treffen ungehinderten Zugang gehabt, sagte der Militärattache der Botschaft, Brigadegeneral Neal Sealock. Der Besatzung gehe es gut. Man habe darum gebeten, die Besatzung jetzt zwei Mal täglich treffen zu dürfen, sagte Sealock. Nach Angaben des US-Botschafters Joseph Prueher steht eine Antwort des chinesischen Außenministeriums noch aus.

Die Militärzeitung "Jiefangjun Bao" schrieb am Sonntag, Peking habe das Recht zu einer gründlichen Überprüfung der Besatzung und des Flugzeuges. In dem Artikel wird außerdem ein Ende der Überwachungsflüge in der Nähe der chinesischen Küste gefordert. Beobachter werten den Artikel als Hinweis darauf, dass das einflussreiche chinesische Militär mit seiner harten Linie gegen Washington und dem Festhalten der Flugzeugbesatzung einen Verzicht der USA auf die Spionageflüge erreichen will.

Der chinesische Vizepräsident Qian Qichen schrieb in einem Brief an die US-Regierung, man sei mit den bisherigen Stellungnahmen aus Washington sehr unzufrieden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die amerikanische Seite müsse sich den Fakten stellen und und sich entschuldigen.

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