US-Einkaufsmanager-Index sinkt unter Wachstumsschwelle
Industrie droht Absturz in die Rezession

Aktuelle Umfragen belegen: Die Angst vor einem Irak-Krieg und vor steigenden Energiepreisen lähmt die Wirtschaft. Besonderes deutlich haben sich die Beschäftigungsperspektiven verschlechtert.

pbs DÜSSELDORF. Die Reihe schlechter Nachrichten reißt nicht ab. Der Industrie-Sektor droht in die Rezession abzurutschen - dies und jenseits des Atlantiks. Darauf deuten die Umfragen unter Einkaufsleitern der Branche hin. Sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone und in Europa sind die Einkaufsmanager-Indizes unter die wichtige Marke von 50 Punkten gerutscht. Damit signalisieren sie einen Rückgang der Produktion in den kommenden Monaten. Der US-Einkaufs- manager-Index (ISM) ist im September auf 49,5 von 50,5 Punkten im August gefallen und notiert damit zum ersten Mal seit Januar unter der 50-Punkte- Marke.

Besonders deutlich haben sich in den USA die Beschäftigungserspektiven verschlechtert. Immerhin konnten sich die Teilindizes zu Auftragslage und Produktion über der Wachstumsschwelle behaupten. "Es hätte schlimmer kommen können", kommentiert Ian Morris von der Bank HSBC. "Die Industriebranche ist zum Stillstand gekommen", meint indes Joseph LaVorgna, Volkswirt bei Deutsche Bank Securities in New York. Die Bank rechnet noch vor Jahresende mit einer Leitzinssenkung. Bisher habe unter der Ägide von Notenbank-Chef Alan Greenspan die Regel gegolten, dass die Leitzinsen innerhalb von drei Monaten gesenkt werden, wenn der ISM-Index unter 50 Punkte fällt.

Im August hatte die US-Industrie im Monatsvergleich zum ersten Mal seit sieben Monaten weniger produziert. Sorge bereitet den befragten Unternehmen ein möglicher Krieg im Irak sowie die Entwicklung der Energiepreise. Die meisten Volkswirte rechnen für das dritte Quartal mit einem Wachstum von 3,5 % auf Jahresrate hochgerechnet und mit 2,5 % im Schlussquartal, geht aus einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg hervor.

Für die deutsche Industrie haben sich die Aussichten so stark wie nie zuvor seit Beginn der Datenerhebung im Februar 1996 verschlechtert. Die Industrieproduktion dürfte daher im Durchschnitt dieses Jahres um 1,8 % sinken, erwartet die Ökonomen von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auch in Frankreich, Italien und Großbritannien haben sich die Aussichten verschlechtert, allerdings notieren die Indizes noch über der Wachstumsschwelle.

In Euro-Land haben sich insbesondere die Auftragslage und die Beschäftigungsperspektiven deutlich verschlechtert. Schuld daran sind aus Sicht der Ökonomen der Commerzbank Vertrauensstörungen als Folge der massiven Kurseinbrüche an den Aktienmärkten. Aber auch die Verteuerung von Rohöl und die Aufwertung des Euros habe Spuren hinterlassen.

Unternehmer werden sich in den kommenden Monaten sowohl bei den Investitionen als auch bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze zurück halten, prognostizieren die Commerz- bank-Volkswirte und senkten ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone auf 0,8 % in diesem und 1,5 % im kommenden Jahr - für Deutschland erwarten sie 0,3 %, bzw. 1,3 %.

Gewohnt optimistisch gab sich dagegen der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, bei einem einem Abendessen am Montag Abend mit Börsen-Händlern in New York. Er sieht gute Chancen für ein verstärktes Wachstum in der Euro-Zone im kommenden Jahr. Sein Optimismus werde durch das erwartete starke Anziehen der Binnen-Nachfrage genährt, sagte Issing.

Zumindest in Deutschland, der größten Volkswirtschaft in Euro-Land, fehlen dafür aber bisher jegliche Hinweise. Hier zu Lande hätten gerade die schwache Binnennachfrage und auch die nachlassende Nachfrage nach Exporten die Stimmung belastet, meint Edward Teather, Volkswirt bei UBS Warburg.

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