US-Finanzminister besucht Brasilien, Uruguay und Argentinien
Brasilia hofft auf US-Hilfe bei IWF-Verhandlungen

Brasilien hofft nach dem gestrigen Besuch des US-Finanzministers Paul O?Neill, dass das zurzeit in Washington verhandelte Abkommen mit dem IWF schnell zu Stande kommt - schließlich kann nur noch in dieser Woche über neue Kredite von angeblich 10 bis 30 Mrd. $ verhandelt werden, weil dann für den Fonds die Sommerferien beginnen.

abu SAO PAULO. Zwar wollte Präsident Fernando Cardoso den Minister zunächst nicht empfangen wegen dessen polemischer Äußerungen, es sei sinnlos, Geld für Südamerika zu geben, wenn man es später womöglich auf Schweizer Bankkonten wiederfinde. Aber wegen des Verhandlungszeitdrucks besann er sich eines Besseren und traf doch mit O?Neill zusammen.

Denn auf die Unterstützung des US-Finanzministers beim Abkommen mit dem IWF sind die Brasilianer in dieser Woche dringend angewiesen. In der vergangenen Woche beruhigten sich die Märkte nach den Rekordabstürzen des Real, der Brady-Bonds und dem explodierenden Brasilienrisiko nur deshalb, weil schnelle Hilfe aus Washington als wahrscheinlich galt. Auch der Umstand, dass Uruguay einen vorgezogenen IWF-Kredit erhalten wird, den das US-Schatzamt bis zur Auszahlung in Höhe von 1,5 Mrd. $ zeitlich überbrückt, stabilisierte die Märkte. Uruguay und Argentinien bilden die nächsten Stationen von O?Neills Kurzbesuch.

Die Frage ist allerdings, ob der Schaden in Brasiliens Wirtschaft nach den chaotischen letzten Wochen auf den Finanzmärkten überhaupt zu reparieren ist. Denn trotz der letzten acht Jahre mit niedrigen Inflationsraten und halbwegs stabilem Wachstum - Brasiliens Unternehmer reagieren blitzschnell auf abrupte Kurswechsel der Regierung. So haben die offiziellen Überweisungen der Brasilianer ins Ausland im Juli sprunghaft zugenommen. Der Grund: Plötzlich kursierten Gerüchte, dass die Regierung den Devisenmarkt kontrollieren wolle. Diese Absicht weist Zentralbankchef Armínio Fraga zwar weit von sich, aber ein Vertrauensverlust ist an den Märkten bereits eingetreten: Branchenverbände - von Getreideimporteuren bis zur Elektronikindustrie - wollten die Preise erhöhen, weil die importierten Vorprodukte teurer geworden seien.

In den letzten zwölf Monaten be-lief sich die Inflationsrate bei den Großhandelspreisen bereits auf knapp 10 %. In einem Land wie Brasilien mit einer Jahrzehnte langen Inflationserfahrung sind Ankündigungen von massenhaften Preiserhöhungen in jedem Fall ein Spiel mit dem Feuer. Deshalb halten sich auch die Investmentbanken mit ihren Prognosen zu Brasilien derzeit äußerst zurück. "Ich traue mir derzeit einfach keine Vorhersagen zu", sagt beispielsweise Arturo Porzecanski von ABN Amro, immerhin einer der führenden Lateinamerika-Experten in New York.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%