US-Geheimdienst beobachtet zunehmende Finanzaktivitäten
Das Geld der El Kaida fließt wieder

Die finanziellen Aktivitäten der Terrororganisation haben nach Angaben von Ermittlern wieder deutlich zugenommen. Auch die Kommunikation soll sich verstärkt haben.

ap WASHINGTON. Dutzende Millionen Dollar mutmaßlichen Terrorgelds haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nach den Anschlägen vom 11. September eingefroren. Und doch ist das Finanznetzwerk der Organisation El Kaida noch lange nicht am Ende, betonen die Experten in Washington. Im Gegenteil: In den vergangenen Wochen nahmen die finanziellen Aktivitäten nach Angaben aus Ermittlerkreisen wieder deutlich zu.

"Es gibt viele Anzeichen, dass die El Kaida sich wieder neu aufbaut", erklärt der ehemalige Leiter der Antiterrorabteilung beim Geheimdienst CIA, Vince Cannistraro. "Die Internet-Kommunikation hat enorm zugenommen. Das Geld fließt. Es gibt einige Beweise, dass die Führung aktiv ist."

Die Bewegungen lassen nach Ansicht von Beobachtern in Washington befürchten, dass einige Anführer der Organisation derzeit die El Kaida neu festigen. Das Ziel könnte sein, neue Anschläge gegen US-Einrichtungen zu finanzieren, betont ein Ermittler. Die verstärkte Kommunikation der vergangenen Wochen sei vom US-Geheimdienst zwischen versprengten Gruppen von El-Kaida-Kämpfern und einigen Taliban-Verbündeten vor allem im Nordwesten Pakistans nahe der afghanischen Grenze registriert worden.

Wer hinter den neuen Aktivitäten stecken könnte, ist nicht bekannt. Von den obersten Führern der El Kaida hat sich jede Spur verloren. Osama bin Laden schweigt seit Monaten. Nicht einmal, ob er noch am Leben ist, weiß man. Allerdings heißt es in US-Geheimdienstkreisen, es gebe Anhaltspunkte, dass er sich in der Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan aufhalte. Möglicherweise sei er verwundet worden und erhole sich noch von seinen Verletzungen, erklärten Agenten in geheimen Berichten an den US-Kongress. Beweise dafür könne man aber nicht vorlegen.

Erst in der vergangenen Woche sagte US-Präsident George W. Bush, Bin Laden spiele keine so große Rolle mehr. Cannistraro aber erklärt, den Extremistenführer zu finden sei nach wie vor eines der wichtigsten Ziele. "Es ist ziemlich klar, dass sie nicht wissen, wo er ist. Deshalb spielen sie seine Bedeutung herunter", kritisiert er.

Eine Liste möglicher Drahtzieher

Neben Bin Laden werden immer wieder Aiman el Sawahri und Abu Subajdah als mögliche Drahtzieher von Anschlägen genannt. Auch die beiden Vertrauten Bin Ladens sind untergetaucht und werden von den USA gesucht. El Sawahri gilt als wahrscheinlichster Nachfolger an der Spitze der El Kaida, sollte Bin Laden ums Leben kommen oder von den amerikanischen Streitkräften gefasst werden.

Der 50-Jährige war Chef des Ägyptischen Islamischen Dschihads, einer Gruppe, die 1998 in der El Kaida aufging. Sie wird für zahlreiche terroristische Aktivitäten verantwortlich gemacht, darunter die Ermordung des damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat in den 80er Jahren. El Sawahri wurde auf mehreren Videobändern in der Nähe von Bin Laden gesehen. Seine Familie kam bei Bombenangriffen der US-Streitkräfte in Afghanistan ums Leben.

Für die Ausführung von Angriffen soll schließlich Subajdah verantwortlich sein. "Sie bestimmen, er führt aus", beschrieb ein US-Regierungsvertreter die Beziehung zwischen Bin Laden, Sawahri und Subajdah. Er gilt als wichtigster Kontakt- und Verbindungsmann der El Kaida zu Terrorzellen in der ganzen Welt. Als Finanzchef schließlich soll Mustafa Ahmed el Hisawi fungiert haben, der im September aus den Arabischen Emiraten nach Pakistan floh. Seitdem ist auch sein Aufenthaltsort unbekannt.

Zwar habe das Einfrieren verdächtiger Konten die El-Kaida-Finanzstrukturen behindert, erklären die US-Ermittler. Mehr als 150 Länder schlossen sich der Anti-Terror-Maßnahme der USA an. Abgeschnitten seien die Kapitalströme aber nach wie vor nicht. Angesichts der jüngsten Erkenntnisse des Geheimdiensts wird dies mit umso größerer Sorge beobachtet.

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