US-Geheimdienst warnte schon lange vor Terrorangriff
Biowaffenmaterial wie Milzbrand relativ leicht zu besorgen

Die Milzbrand-Angriffe der letzten Zeit haben die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in den USA und anderswo auf einen Umstand gelenkt, der sich als Achillesferse im Kampf gegen den Terrorismus erweisen könnte: die relativ leichte Verfügbarkeit von biologischem Material für die Produktion von B-Waffen.

ap WASHINGTON. Darauf geht auch ein amerikanischer Geheimdienstbericht ein, der bereits Anfang Januar erschien und schon damals vor der Möglichkeit eines Angriffs mit biologischen Waffen noch in diesem Jahr warnte.

In dem als nicht geheim eingestuften Bericht des Nationalen Geheimdienstrates wird auf die relativ leichte Beschaffbarkeit von Krankheitserregerkulturen und waffenfähige Technologie durch potenzielle Feindstaaten hingewiesen. Diesem Umstand seien sich der größte Teil der Öffentlichkeit und auch einige Sicherheitsexperten nicht bewusst. Sowohl einheimische als auch ausländische Terroristen könnten solche Waffen leicht handhaben und unauffällig ohne Hinweis auf den Absender befördern.

Zwar könne der Gebrauch biologischer Waffen durch einen nichtstaatlichen Akteur wie Osama bin Laden und sein Terrornetzwerk möglicherweise nicht so viel Schaden anrichten wie der Angriff eines Staates, doch die Angst und der Schrecken, der dadurch in der Bevölkerung entstehe, wäre trotzdem beträchtlich.

Bislang hat die US-Regierung noch keinen Beweis dafür, dass ein Feindstaat oder eine Terrorgruppe hinter den jüngsten Anthrax-Fällen steht, doch ermitteln Behörden und Geheimdienste weiterhin in dieser Richtung. Dabei ist es nach den Worten eines Beamten denkbar, dass es sich bei der Quelle für die Milzbrand-Attacken um einen einheinischen Terroristen handelt, so etwas wie einen biologischen Una-Bomber. Der so genannte Una-Bomber Ted Kaczynski, ein maschinenstürmender Mathematiker, hatte über Jahre hinweg die USA mit Briefbomben terrorisiert, durch die drei Menschen ums Leben kamen und 23 verletzt wurden.

In der Tat deutet nach US-Behördenangaben vieles darauf hin, dass es sich bei dem oder den Anthrax-Terroristen um einheimische Täter handelt. Erste Tests legten den Verdacht nahe, das die Art und Verarbeitung des Materials in den USA gebräuchlich sei. Außerdem wurden die Empfänger, zum Beispiel der Journalist Tom Brokaw und der Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, vor dem Inhalt der Briefe mit dem verdächtigen weißen Pulver gewarnt. Das sei ein ungewöhnliches Vorgehen für Terroristen, die meist darauf aus sind, viele Menschen zu töten. Ein solches Vorgehen ist beispielsweise von Bin Laden nicht bekannt, obwohl seine Organisation vermutlich über Milzbrand-Kulturen verfügt.

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