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US-Geldpolitik: Kein erhöhter Druck zu vorzeitiger Zinssenkung

Nach Ansicht der Fed-Watcher haben die am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturdaten den Druck auf die US-Notenbank nicht erhöht, die Zinsen vorzeitig zu senken.

vwd WASHINGTON. Wenngleich die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen mit einem monatlichen Rückgang von 0,2 % für den März schwächer als erwartet ausgefallen sind und auf eine anhaltende Konsumzurückhaltung der US-Verbraucher hindeuten, müssten sich die Märkte bis zur nächsten offiziellen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der Federal Reserve am 15. Mai gedulden, meinten die meisten Experten, auch mit Blick auf den zurzeit robusten US-Aktienmarkt. Dann allerdings werde es einen weiteren Schnitt um 50 Basispunkte geben.

So wird unter anderem darauf verwiesen, bereits die sehr schwachen Arbeitsmarktdaten in der vergangenen Woche hätten keine Bereitschaft zu einer vorzeitigen Fed-Zinssenkung ausgelöst. Einige Beobachter sind zudem der Ansicht, dass die bisherigen drei Zinsschritte seit Anfang Januar - mit einer Reduzierung der Fed Funds Rate um 150 Basispunkte auf nunmehr 5,00 % - bisher einen großzügigen monetären Impuls zur Stabilisierung der Wirtschaft geliefert haben. Außerdem müsse die Fed den längerfristigen inflationären Effekt einer zu schnellen und insgesamt zu starken Lockerung der Geldpolitik berücksichtigen, heißt es in diesem Lager.

Daten passen ins Bild der abkühlenden US-Ökonomie

Neben den Einzelhandelsumsätzen wurden am Donnerstag weitere Daten veröffentlicht, die sich gut in das Bild der abkühlenden US-Ökonomie einpassen: der Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche auf das höchste Niveau seit fünf Jahren, der Rückgang des Uni Michigan Index zur Verbraucherstimmung auf den niedrigsten Stand seit 1992 sowie als Indiz für eine sich zementierende Entwarnung an der Inflationsfront, das Minus bei den März-Erzeugerpreisen um 0,1 % im Monatsvergleich. Doch auch die Ergebnisse dieser Daten seien nicht ausreichend, um einen "Intermeeting-Zinsschritt" zu begründen, hieß es zumeist.

In der kommenden Woche werden die Spekulationen um eine zweite vorzeitige Zinssenkung in diesem Jahr durch die dann zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten neue Nahrung erhalten. So dürfte der Blick vor allem am Dienstag auf die Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung im Monat März gerichtet sein, wo die Konsensprognosen bei minus 0,2 % im Monatsvergleich (Industrieproduktion) und 79,1 % (Kapazitätsauslastung) liegen.

Der gleichzeitig erfolgende Ausweis der Verbraucherpreise März - vor einem Jahr noch Anlass für Zinserhöhungsängste - wird die Investoren dagegen eher kalt lassen. Die Prognosen liegen hier bei Zunahmen von 0,1 % in der Gesamt- und 0,2 % in der Kernrate. Da die starken Energiepreiserhöhungen des Vorjahres auf Grund eines Basiseffektes nun wegfallen, wird nach Einschätzung der Analysten die Jahresrate für den Verbraucherpreisanstieg auf drei Prozent von 3,5 % im Februar fallen, eine Entwicklung, die vor einem Jahr noch Euphorie ausgelöst hätte.

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