Archiv
US-Gewinnwarnungen belasten deutsche Aktien

Gewinnwarnungen mehrerer US-Unternehmen sowie schlechte Marktstimmung bei Technologieaktien haben am Donnerstag Händlern zufolge den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Deutsche Aktienindex (DAX) verlor nach Eröffnung der Wall Street am Nachmittag mehr als zwei Prozent auf 6485 Punkte, am Neuen Markt fielen die größten Wachstumstitel im Schnitt sogar um 5,33 %.

Reuters FRANKFURT. Im Dax standen vor allem Kursverluste bei Infineon und Siemens im Mittelpunkt. Der Markt zeigte sich Händlern zufolge wenig beeindruckt von dem Sieg von George W. Bush bei der US-Präsidentenwahl. "Das Thema war schon eingepreist", sagte Hendrik Garz, Aktienstratege bei WestLB Panmure.

Am Mittwochabend (Ortszeit) hatte der Demokrat Al Gore nach einer Gerichtsentscheidung des Obersten Gerichtes offiziell seine Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl anerkannt und dem Republikaner George W. Bush zu seinem Sieg gratuliert. An der Wall Street verloren die maßgeblichen Indizes kurz nach Handelsbeginn an Boden. Der Dow Jones Index rutschte 1,05 % auf 10 681 Punkten, der Nasdaq-Composite-Index fiel um 0,5 % auf 2808 Zähler. US-Händler führten die schlechte Stimmung auf Gewinnwarnungen von Finanzunternehmen zurück.

Vor Eröffnung hatten die Fusionspartner Chase Manhattan Corp. und J.P Morgan & Co "auf Grund eines schwierigen Marktumfeldes" nach einer Reihe von Gewinnwarnungen in dieser Woche ebenfalls angekündigt, mit ihren Ergebnissen hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Beide Werte verloren kurz danach um je mehr als sechs Prozent.

"Jetzt mit den schlechten Erwartungen an der Wall Street dürfte das Gespenst eines "Hardlanding"-Szenarios noch nicht von der Bühne verschwunden sein", sagte Garz weiter. Es sei bis zum zweiten Quartal des kommenden Jahres mit einer Wachstumsdelle und weiteren Gewinnwarnungen zu rechnen. Mit den Begriffen Hard- und Softlanding bezeichnen Marktteilnehmer das abrupte oder sanfte Ende des Wirtschaftsbooms. Jüngste US-Konjunkturdaten deuten darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum in den USA nur langsam abschwächt und sich demzufolge ein "Softlanding"-Szenario einstellt.

Die Kursverlierer am deutschen Standardwertemarkt wurden von den Aktien des Halbleiterherstellers Infineon angeführt, die um 7,3 % auf 47,10 Euro fielen. Die Infineon-Mutter Siemens hatte am Morgen angekündigt, ihre Beteiligung an Infineon auch im Zuge ihres Aktienrückkaufprogramms weiter reduzieren zu wollen. Dies wirke sich negativ auf den Aktienkurs von Infineon aus, sagte ein Händler. Zudem belaste eine Herunterstufung durch die Investmentbank Lehman Brothers auf "Outperform" von "Buy" die Infineon-Aktie. Trotz der Bekanntgabe "ansehnlicher Ertragsziele" verloren Händlern zufolge aufgrund des schwachen Branchenumfeldes auch die Aktien des Mutterunternehmens und Index-Schwergewichtes Siemens an Wert. Das Papier notierte am Nachmittag 4,2 % tiefer bei 136,80 Euro.

Die Titel der Deutschen Bank gaben deutlich nach, was Händler auf eine Herabstufung der Aktien durch die Investmentbank Goldman Sachs auf "perform" von "outperform" zurückführten. Die Aktie verlor 5,3 %. Branchenmitstreiter Commerzbank und Dresdner Bank wurden im Sog der Deutsche-Aktie mit nach unten gezogen.

Auch am Neuen Markt berichteten Händler von einer gedämpften Stimmung. Bei geringen Umsätzen sorgten vor allem spekulative oder verunsicherte Käufer für tiefer tendierende Werte, sagte ein Händler. Ausreißer nach oben waren die Aktien der MatchNet AG, die Händlern zufolge auf Grund der Bekanntgabe eines neuen Werbekunden um knapp 30 % zulegten. Größter Kursgewinner waren die Titel von Buch.de mit einem Plus von 42 % auf 2,70 Euro. Händler sagten, die Abschaffung des Rabattgesetzes durch die Bundesregierung am Vortag beflügele den Wert.

Der Nebenwerte-Index MDax präsentierte sich behauptet und gewann 0,10 % auf 4758 Punkte.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%