US-Handelsplatz schafft sich drittes Standbein in Europa
Nasdaq greift in Europa an

Die US-Technologiebörse Nasdaq will wie erwartet im Zuge ihrer europäischen Expansionspläne die Mehrheit an der Brüsseler Wachstumsbörse Easdaq erwerben. Die Nasdaq werde dabei 58 % der Easdaq übernehmen, teilte die weltweit zweitgrößten Börse am Dienstag mit. Hintergrund: Die Märkte werden der Sonne folgen

FRANKFURT/M. Die US-Technologiebörse Nasdaq will die paneuropäische Wachstumsbörse Easdaq mit Sitz in Brüssel übernehmen. Sie plant, 70 Mill. Euro in den Erwerb eines Anteils von 58 % an der Easdaq und den Aufbau eines neuen Handelssystems zu investieren. Die Easdaq soll in "Nasdaq Europe" umbenannt werden. Ziel sei es, die Nasdaq Europe als Markt für Börsengänge zu etablieren und den Anteil am grenzüberschreitenden Handel mit Wertpapieren auszuweiten, erklärte Nasdaq-Chef Frank Zarb in London. Damit tritt die US-Börse in direkte Konkurrenz zu europäischen Wachstumsmärkten wie dem Neuen Markt in Deutschland.

Analysten beurteilen die Erfolgsaussichten der Nasdaq zurückhaltend. Die Wachstumsbörse verfüge zwar über einen guten Namen, Know-how und eine gute Kapitalausstattung, urteilt Joachim Müller von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Doch gebe es bisher keinen europäischen Markt für Wachstumsaktien. "Es wird hart für die Nasdaq", meint auch James Alexander von Commerzbank Securities. Die Nasdaq habe zwar viele Ressourcen, aber die europäischen Wachstumsfirmen seien relativ klein und richteten sich bislang an den nationalen Märkten aus. Zudem sei das Umfeld wegen der Kurseinbrüche bei Technologietiteln derzeit ungünstig.

Für die Deutsche Börse bedeutet der Schritt der Amerikaner nach Europa nach Einschätzung von Müller, "dass die Möglichkeit einer Kooperation mit der Nasdaq jetzt erst einmal vom Tisch ist". Auf kurze Sicht sei die Nasdaq Europe keine Bedrohung für den Neuen Markt, der derzeit die mit Abstand größte Wachstumsbörse in Europa darstellt. Mittelfristig könne sich dies aber ändern.

Easdaq ist kein erfolgreicher Handelsplatz

Die Nasdaq, die außer in den USA auch in Japan Aktienhandel betreibt, war in Europa schon seit langem auf Partnersuche. Kontakte mit der Deutschen Börse und der London Stock Exchange blieben aber ohne Ergebnis. Nach Ansicht von Beobachtern standen die Amerikaner zuletzt unter Zugzwang, ihren Ankündigungen zum Aufbau einer europäischen Wachstumsbörse Taten folgen zu lassen. Allerdings bezeichnet die Nasdaq selbst die Easdaq-Übernahme nur als "ersten Schritt" im Hinblick auf das Ziel, bei der weiteren Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft eine führende Rolle zu spielen. Die Gespräche mit anderen Börsen würden fortgesetzt. Bei der Deutschen Börse hieß es hierzu, man spreche mit der Nasdaq genauso wie mit anderen Börsen.

Mit der Easdaq übernimmt die Nasdaq einen wenig erfolgreichen Handelsplatz. Die Easdaq konnte sich gegen die Konkurrenz nicht durchsetzen. Derzeit notieren nur 62 Firmen an der Easdaq. Auch das Handelsvolumen beträgt nur einen Bruchteil dessen, was am Neuen Markt üblich ist.

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