US-Hedge-Funds kaufen Schuldtitel von Pleitefirmen: Geier-Investoren sind wieder salonfähig

US-Hedge-Funds kaufen Schuldtitel von Pleitefirmen
Geier-Investoren sind wieder salonfähig

Die US-Konkursstatistiken erreichen neue Rekorde. Hochsaison für Investoren, die systematisch nach Schnäppchen unter den gescheiterten Firmen suchen. Doch den winkenden Renditen stehen hohe Risiken gegenüber. Denn Konkurs-Anwälte, Investmentbanker und Rechnungsprüfer verdienen kräftig mit.

NEW YORK. Brad Scheler muss es wissen: "Private Finanziers von Pleitefirmen sind weitaus besser als ihr Ruf", postuliert der auf Konkurse spezialisierte Rechtsanwalt von der angesehen Kanzlei Fried, Frank, Harris, Shriver & Jacobson. Scheler, der in einem großzügigen Eckbüro mit Panorama-Blick auf die Freiheitsstatue und den New Yorker Stadtteil Brooklyn residiert, hat täglich mit Personen zu tun, die den unappetitlichen Titel "Vulture capitalists", zu deutsch Geier-Investoren, tragen - in letzter Zeit mehr denn je.

Der Rechtsanwalt hilft seinen Konkurskandidaten nicht nur in rechtlichen Fragen, er spürt für seine Kunden vor allem auch neue Kapitalgeber auf. Diese Geldgeber der letzten Instanz klauben Schuldtitel zu Spottpreisen auf, in der Hoffnung, dass die gestrandete Firma die Wende schafft und mit Gewinn wieder verkauft werden kann.

Derzeit herrscht in der Branche Hochkonjunktur. Denn die Anzahl der Konkurse ist seit dem Platzen der Technologie-Blase und der Rezession sprunghaft angestiegen. Titel im Wert von 115 Mrd. $ sind im Jahr 2001 zu notleidenden Krediten geworden, im Jahr 2000 waren es nur 42 Mrd. $. In steigendem Umfang greifen die "vulture capitalists" zu. Notleidende Bonds im Wert von knapp 30 Mrd. $ haben im vergangenen Jahr den Besitzer gewechselt, schätzt Finanz-Analyst Bram Rosenfeld von der Loan Pricing Corp, einem Institut, das die Kurse der Ramsch-Titel registriert. Die Summe hat sich seit 1999 verdreifacht.

Begehrt sind vor allem Unternehmen, die über Vermögensposten verfügen. Ihre Titel werden zu 50 oder 60 % des Nennwerts gehandelt. Fluggesellschaften wie America West oder die Hotelkette Wyndham gehören dazu. "Enron-Titel bringen allenfalls noch 20 % ihres Nennwerts", prognostiziert Rosenfeld. Der pleite gegangene Energiehandels-Konzern verfüge kaum über handfesten Besitz.

Käufer der Titel sind Hedge-Funds, Vermögensverwalter und einzelne Investoren wie etwa die legendären Investoren Carl Icahn oder Henry Kravis. Die Bay Harbour Management Vermögensverwaltung zum Beispiel hat die in Konkurs gegangene Bekleidungskette Barneys gekauft. Ebenso ist sie bei der Mobilfunkfirma NextWave eingestiegen. "Besonders beliebt waren im vergangenen Jahr Kinoketten", sagt Bram Rosenfeld. Dort habe es einen großen Konzentrationsprozess gegeben. So übernimmt auch jetzt die Investmentfirma Oaktree Capital Management gemeinsam mit der kanadischen Kinokette Onex die pleite gegangene Loew?s-Kinokette.

"Insgesamt wartet derzeit privates Kapital von etwa 45 Mrd. $ auf Schnäppchen", schätzt Konkurs-Experte Prof. Edward Altman von der New York Universität. HedgeFunds-Manager, die die Szene kennen, unterscheiden zwischen Firmen, welche die Papiere möglichst rasch wieder losschlagen wollen, und privaten Investoren, die am Neu-Aufbau des Unternehmens mitwirken. Diese privaten Investoren - so genannte Barone wie etwa Douglas Teitelbaum oder Philip Anschutz - halten sich gerne im Hintergrund. Sie kaufen Firmen auf und päppeln sie hoch, bis sie wieder gesund sind. "Das dauert heute länger als noch vor ein paar Jahren", beobachtet Rechtsanwalt Scheler.

Der Markt für Geier-Investoren ist in den USA weitaus entwickelter als in Europa. Den entscheidenden Grund hierfür sieht Konkurs-Experte Scheler in den Vorteilen des amerikanischen Insolvenzrechts. "Es erlaubt, ohne Rücksicht auf Eigentümer und Aufsichtsräte Entscheidungen zu treffen", erläutert er. Denn die neuen Gläubiger hätten Vorrang vor allen anderen Kapitalgebern. Das schafft Anreize.

Neben den Baronen gibt es jenen Typ Investor, der einen schnellen Dollar machen will. Er kauft die Ramschanleihen bankrott gegangener Firmen auf und hofft, dass sie die Anteile rasch Gewinn bringend verkaufen können. Dabei beschränkt er sein Engagement in den einzelnen Firmen, um ihr Risiko breiter zu streuen. Die Firma Oaktree beispielsweise, die 20 Mrd. $ verwaltet, investiert in kein Unternehmen mehr als 5 % ihres Kapitals. Sobald es mit einem Unternehmen wieder aufwärts geht, verkauft sie die Anleihen. Im vergangenen Jahr erzielte Oaktree mit der Methode eine zweistellige Rendite. Zum Vergleich: Der Standard & Poors 500 Index im gleichen Zeitraum 13 % verloren.

Der Vorteil bei Pleitefirmen ist, dass die privaten Geldleiher hohe Zinsen und Gebühren kassieren können. "So lange ein Unternehmen noch über Geldmittel verfügt, ist es ein sehr profitables Geschäft", sagt Scheler. Die ursprünglichen Kreditgeber dagegen müssen hohe Abstriche machen.

Wenn die Konkurswelle rollt, sind die Geier-Investoren, die früher Corporate Raider genannt wurden, unverzichtbar, glauben Experten. Die Rettung kann allerdings teuer werden. Konkurs-Anwälte kassieren für ihre Dienste bis zu 1 Mill. $ pro Monat, dazu kommen die Kosten der Rechnungsprüfer und die Provisionen der Investmentbanker. Bis die neue Kapitalgeber-Struktur unter Dach und Fach ist kommen so schnell 7 bis 10 Mill. $ zusammen.

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