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US-Industrie erholt sich langsamer

Die Erholung der US-Industrie hat sich einer Umfrage unter Einkaufsmanagern zufolge im April verlangsamt. Der an den Finanzmärkten viel beachtete ISM-Index fiel 53,9 Zähler unerwartet deutlich nach 55,6 Punkten im März, wie das Institute of Supply Management (ISM) am Mittwoch mitteilte.

Reuters NEW YORK. ISM-Konjunkturexperte Norbert Ore sprach von einem Zeichen für einen "guten Beginn" der US-Wirtschaft im zweiten Quartal. Analysten werteten die Daten als Bestätigung dafür, dass die gesamte US-Wirtschaft das hohe Wachstumstempo des ersten Vierteljahres wohl nicht fortsetzen werde. Die Aktienmärkte reagierten mit Kursabschlägen auf die Daten.

Volkswirte hatten nur einen Rückgang auf 55,2 Zähler prognostiziert, nachdem der Indikator im März mit 55,6 Punkten den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht hatte. Allerdings signalisierte der Index mit mehr als 50 Punkten, dass die US-Industrie weiter wächst. Erst ein Indexstand unter 50 Punkten zeigt ein Schrumpfen des Sektors an.

Erholung auf breiter Basis

Dem ISM-Bericht zufolge reagierten die US-Unternehmen auf einen erneuten Nachfrageanstieg mit einer Ausweitung der Produktion. Der Index für Neuaufträge ging allerdings im April auf 59,0 (Vormonat 65,3) Punkte zurück, während der Produktionsindex erneut auf 58,0 (57,8) Zähler zulegte. Die Erholung der US-Industrie ist aber noch nicht so weit fortgeschritten, dass die Unternehmen wieder mehr Personal einstellen. Der Beschäftigungsindex signalisierte im Gegenteil mit einem Rückgang auf 46,7 (47,5) Punkte einen wieder beschleunigten Beschäftigungsabbau.

Die Ausweitung der Geschäftstätigkeit stand nach Worten des ISM-Experten Ore im April auf einer breiten Basis. Die Erholung dürfte weiter an Fahrt gewinnen, da der Lagerabbau der Unternehmen abgeschlossen sei, sagte Ore. Auch die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe werde sich in den kommenden Monaten erholen. Einige Unternehmen stellten bereits wieder ein.

Weiter moderates Wachstum erwartet

Zusammen mit einer Reihe anderer Konjunkturdaten bestätigten die ISM-Zahlen nach Einschätzung von Analysten das Bild eines moderaten US-Wirtschaftswachstums in den kommenden Quartalen. "Sie zeigen, dass die Wirtschaft zu Beginn des zweiten Quartals weiter wächst, aber nicht unbedingt so schnell wie im ersten", sagte Gary Thayer von A.G. Edwards & Sons. Im ersten Quartal war die US-Wirtschaft nach vorläufigen Berechnungen schon wieder mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 5,8 Prozent gewachsen. Analysten hatten die hohe Rate vor allem auf die zuvor geräumten Lager zurückgeführt, die nun wieder gefüllt würden.

Auch der Rückgang der Bauausgaben um 0,9 Prozent im März sprach Analysten zufolge für eine abnehmende Wachstumsdynamik. Am Dienstag war bereits der Index zum US-Verbrauchervertrauen im April auf 108,8 Zähler von revidiert 110,7 Punkten im Vormonat zurückgegangen. Damit hatte der Wert aber noch über der Analystenprognose von 108,0 Punkten gelegen.

Die US-Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten auf die Daten. Der Blue-Chip-Index Dow Jones verlor knapp ein Prozent auf 9855 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-Index gab rund 2,2 Prozent auf 1655 Zähler nach. Die Daten seien kein Desaster für die Aktienmärkte, aber auch kein Grund zum Feiern, sagte Greg Anderson von Fleet Global Markets. Der Dollar gab zum Euro nach. In Europa waren die meisten Märkte wegen des Feiertages geschlossen.

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