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US-Inspekteur: Irak hatte keine Massenvernichtungswaffen

Der Irak besaß nach Feststellung des obersten US-Waffeninspekteurs entgegen der Behauptung amerikanischer Geheimdienste keine Massenvernichtungswaffen. Der Irak habe weder Lager mit chemischen und biologischen Kampfstoffen gehabt, noch ein ernst zu nehmendes Atomwaffenprogramm.

dpa WASHINGTON. Der Irak besaß nach Feststellung des obersten US-Waffeninspekteurs entgegen der Behauptung amerikanischer Geheimdienste keine Massenvernichtungswaffen. Der Irak habe weder Lager mit chemischen und biologischen Kampfstoffen gehabt, noch ein ernst zu nehmendes Atomwaffenprogramm.

Allerdings habe der irakische Machthaber Saddam Hussein den Ehrgeiz nie aufgegeben, die Waffenprogramme wieder aufzunehmen, sagte Charles Duelfer am Mittwoch vor dem Streitkräfteausschuss des Senats in Washington. "Das Leitmotiv war, die über Jahre erworbene intellektuelle Kapazität zu erhalten, und in möglichst kurzer Zeit wieder zu produzieren", heißt es in dem Bericht. So habe er Forschung und Entwicklung an Waffenprogrammen nur eingestellt, um die Vereinten Nationen dazu zu bringen, die Sanktionen aufzuheben. Er habe Atomwissenschaftlern die Ausreise verboten und sie in anderen Ministerien "geparkt", um sie später wieder zu aktivieren.

Unterdessen verteidigte Präsident George W. Bush den Krieg erneut. Die USA hätten nach den Terroranschlägen geprüft, wo Terroristen Massenvernichtungswaffen erlangen könnten. "Ein Regime tauchte immer wieder auf: die Diktatur von Saddam Hussein", sagte Bush bei einem Wahlkampfauftritt in Wildes-Barre (Pennsylvania).

"Der Bericht zeigt, dass Saddam Hussein eine Bedrohung war, die wir ernst nehmen mussten", sagte Präsidentensprecher Scott Mcclellan. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er die Produktion aufgenommen hätte. "In dem Bericht ist nichts, was unsere Schlussfolgerung in Frage stellt, dass Saddam (...) im Lichte der Terroranschläge vom 11. September 2001 eine nicht hinzunehmende Bedrohung für die USA darstellte und wir jedes Recht hatten, zu handeln", sagte Außenamtssprecher Adam Ereli.

Die US-Regierung hatte die vermeintlichen Massenvernichtungswaffen vor der Invasion im Frühjahr 2003 als Hauptgrund für den Krieg genannt. In den folgenden Monaten wurde aber immer klarer, dass die Geheimdiensterkenntnisse jeder Grundlage entbehrten. Duelfers Vorgänger David Kay hatte das bereits in einem Zwischenbericht im vergangenen Jahr festgehalten. Präsident Bush argumentiert seitdem, dass Saddam aber Pläne für Waffenprogramme hatte.

Unterdessen haben zwei Gewerkschaften, die zusammen mehr als 50 000 Mitarbeiter der Vereinten Nationen in aller Welt vertreten, UN-Generalsekretär Kofi Annan schriftlich zum Abzug ihrer Kollegen aus dem Irak aufgefordert. Als Grund führen sie ihre Sorge um die Sicherheit der rund 35 Wahlexperten an. Deren Aufgabe ist es, dem Irak bei der Vorbereitung landesweiter Wahlen im Januar 2005 zu helfen. In dem Schreiben, das am Mittwoch am UN-Hauptsitz in New York vorlag, heißt es: "Betrüblicherweise sind die Vereinten Nationen zur direkten Zielscheibe für unbarmherzige extremistische Terrororganisationen geworden."

Annans Sprecher, Fred Eckhard, erwiderte auf Anfragen, dass die Organisation nach Wegen suche, wie sie ihre Aufgabe im Irak erfüllen kann, ohne das Leben ihrer Mitarbeiter aufs Spiel zu setzen. Den wiederholten Aufrufen von Annan an alle Mitgliedstaaten, Soldaten zum Schutz der UN-Experten zur Verfügung zu stellen, sind bisher kaum mehr als eine Hand voll Länder gefolg

Im Irak reißt die Serie blutiger Selbstmordattentate nicht ab. Am Mittwoch sprengte sich ein unbekannter Autofahrer in der Stadt Ana, 250 Kilometer nordwestlich von Bagdad, in einem Auto in die Luft und riss nach arabischen Medienberichten mindestens zehn Menschen mit in den Tod.

Der Selbstmordanschlag wurde vor einer Kaserne der irakischen Nationalgarde in Ana verübt. Dort hatten viele junge Iraker angestanden, die sich um einen Posten bewerben wollten, berichteten Augenzeugen. Über 20 von ihnen hätten bei der Explosion des Autos teils schwere Verletzungen erlitten. Eine Autobombe explodierte außerdem in der Stadt Hit (140 Kilometer nordwestlich von Bagdad) und tötete einen Polizisten.

Rund 3 000 US-Soldaten und irakische Sicherheitskräfte begannen unterdessen eine groß angelegte Operation gegen Aufständische und Kriminelle südlich der Hauptstadt. Nach Angaben des US-Militärkommandos wurden bisher 30 mutmaßliche Aufständische festgenommen und ein Ausbildungslager der Rebellen entdeckt. Krankenhäuser in der Region berichteten auch von zivilen Opfern der Operation.

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