US-Institute müssen weiteren Einbruch hinnehmen
Krise raubt Investmentbanken die Gewinne

Die Gewinne von Lehman Brothers gehen weiter zurück. Goldman Sachs konnte das schwache Investmentbanking-Geschäft dagegen durch gute Einnahmen beim Währungs- und Anleihe-Handel wettmachen. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung bleibt jedoch bestehen. Beobachter rechnen mit weiteren Entlassungen.

NEW YORK. Die amerikanischen Investmentbanken kommen nicht aus der Krise. Jetzt setzte die Lehman Brothers Holding, die Muttergesellschaft der gleichnamigen Investmentbank, den Reigen der schlechten Nachrichten fort. Lehman verzeichnete im dritten Quartal weitere Gewinneinbußen. Während die Goldman Sachs Group, die gleichzeitig Zahlen vorlegte, immerhin die Erwartungen der Analysten leicht übertreffen konnte, lag das Ergebnis von Lehman Brothers deutlich unter den Prognosen. Dennoch: Nach den Schreckensmeldungen der vergangenen Woche - Gewinnwarnungen von JP Morgan und Morgan Stanley - wirkte selbst das wie ein Lichtblick und die Aktien der beiden Banken legten in den frühen Handelsstunden zu.

Mit 194 Mill. $ Gewinn oder 70 Cents je Aktie lag Lehman Brothers 15 Cents je Aktie niedriger, als die Analysten erwartet hatten. Lehman Brothers hatte sich bisher gegenüber der Konkurrenz gut behaupten können. Doch im vergangenen Quartal, das Ende August endete, litt die Bank vor allem unter den schwachen Umsätzen an den Börsen, den rückläufigen Börsengängen und Ausgaben von Anleihen.

"Die Ergebnisse des dritten Quartals spiegeln die extrem schwierigen Marktbedingungen wider, mit der unsere Industrie weiter zu kämpfen hat", sagte Richard Fuld, Vorstandschef und Chairman von Lehman. Er verwies darauf, dass die Bank trotz des finanziellen Drucks ihren Marktanteil im Investmentbanking und im Bereich der Kapitalmärkte ausgebaut habe.

Wie der Konkurrenz macht auch Lehman Brothers das schwache Börsenumfeld zu schaffen. Den Investmentbanken bleiben vor allem die lukrativen Kommissionen für Börsengänge und Fusionen und Übernehmen derzeit weg. Denn bereits börsennotierte Unternehmen wollen mit ihren Aktien keine Zukäufe finanzieren, da ihre Wertpapiere im Moment nur wenig wert sind. Und für Unternehmen, die noch nicht notiert sind, ist ein Börsengang keine Option, da sie kaum auf einen guten Preis hoffen können. Hinzu kommt, dass sich die Banken um die wenigen Aufträge streiten und gegenseitig unterbieten. Das Investmentbanking-Geschäft, der Motor der Banken Ende der Neunziger Jahre, wird damit zum Problemfall bei vielen Anbietern.

Goldman Sachs konnte die Einbußen in diesem Geschäft durch gute Einkünfte im Anleihe-Geschäft und im Währungshandel teilweise wettmachen. Die Top-Investmentbank steigerte ihr Ergebnis im dritten Quartal gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres um zwölf Prozent auf 522 Mill. $. Der Umsatz blieb mit 3,65 Mrd. $ fast stabil.

Beim Investmentbanking von Goldman Sachs brach der Umsatz dramatisch um 41 Prozent auf 652 Mill. $ ein. Auch die Umsätze in der Finanzberatung fielen um mehr als die Hälfte auf 315 Mill. $. Aber bei der Vermögensverwaltung und dem Wertpapier-Dienstleistungen (Securities Services) konnte Goldman seinen Umsatz um 14 Prozent auf 1,5 Mrd. $ steigern. Und auch beim Handel mit festverzinslichen Papieren legte Goldman 19 Prozent auf 1,3 Mrd. $ zu.

Doch der Goldman Sachs-Vorstandsvorsitzende Henry Paulson bleibt vorsichtig: "Die generelle Wirtschafts-Aktivität wird weiterhin bedrückt bleiben, bis es nicht eine Besserung der wirtschaftlichen Bedingungen und einen höheren Grad an Vertrauen von Investoren und Unternehmen gibt", sagte Paulson. Brad Hintz, Analyst des Finanzhaus Sanford Bernstein, sagte: "Es sieht so aus, als arbeitet Goldman besser in der Welt der festverzinslichen Einkommen".

In der vergangenen Woche hatte bereits Morgan Stanley extrem schwache Ergebnisse vorgelegt und damit an den Börsen den gesamten Sektor nach unten gezogen. Auch die Investmentbank JP Morgan Chase & Co. hatte vor schwachen Ergebnissen gewarnt. JP Morgan machte für die schlechten Aussichten vor allem faule Kredite im Telekomsektor verantwortlich.

Beobachter halten wegen der anhaltenden Flaute eine dritte oder vierte Entlassungsrunde bei vielen Investmentbanken für wahrscheinlich. Seit Ende 2000 haben die Wall Street-Firmen nach Angaben der Industrievereinigung Securities Industry Association bereits 32 287 Menschen entlassen. Das entspricht neun Prozent der gesamten Mitarbeiter. Guy Moszkowski, Analyst der Investmentbank Salomon Smith Barney, prophezeit für seine Branche weitere fünf bis zehn Prozent Entlassungen.

Das Wall Street Journal hatte am Montag berichtet, dass Lehman Brothers eventuell fünf bis zehn Prozent seiner Beschäftigten entlassen werde. Das entspräche 600 bis 1200 Menschen. Lehman hat das bisher nicht bestätigt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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