US-Investmentbank bringt Bezugsrechtsemission nicht am Markt unter
Merrill Lynch bleibt auf asiatischen Chip-Aktien sitzen

Ungewollt und unverhofft ist die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch zum Großaktionär des asiatischen Chiphersteller Chartered Semiconductors geworden.

mm LONDON. Merrill Lynch hatte die Aufgabe, eine Bezugsrechtsemission im Wert von umgerechnet 620 Mill. US-Dollar für den Konzern aus Singapur zu platzieren. Allerdings konnte die Investmentbank am Ende nur rund 65 % der Aktien bei den alten Chartered-Aktionären und am Markt unterbringen. Den Rest, 393 Mill. Anteile und damit umgerechnet 16 % an Chartered Semiconductor im Wert von umgerechnet 220 Mill. US-Dollar habe Merrill auf die eigenen Bücher genommen, bestätigte der Chiphersteller auf seiner Internetseite.

Merrill selbst, wollte die Emission nicht kommentieren. Für dieTransaktion dürfte die Investmentbank ein Honorar von etwa 2,5 Mill. Dollar kassiert haben, hieß es gestern in Londoner Bankenkreisen. Bei einer Bezugsrechtsemission verkaufen Unternehmen neue Aktien mit einem Abschlag an ihre alten Aktionäre. In den Boomjahren an der Börse war diese Form der Kapitalerhöhung zwar außer Mode gekommen, doch in der Krise erlebt sie eine Renaissance. "Für viele Unternehmen sind Bezugsrechte derzeit die einzige Möglichkeit, an dringend benötigtes Kapital zu kommen", meint James Renwick, Chef des Bereichs Aktienmärkte Europa bei UBS Warburg.

Um das Risiko, auf den Aktien sitzen zu bleiben, möglichst gering zu halten, locken die Banken die Aktionäre mit hohen Rabatten. Historisch liegen die Abschläge zwischen 10 und 30 %. Doch angesichts der miserablen Börsenlage reicht das derzeit nicht aus.

Die Aktien von Chartered Semiconductor wollte Merrill Lynch zum Preis von 1 Singapur-Dollar und damit mit einem Abschlag von rund 50 Prozent auf den aktuellen Kurs platzieren. Allerdings sackte der Börsenwert des Chipherstellers nach Bekanntgabe der Platzierungspläne am 2. September noch weiter ab. An neun der vergangenen elf Handelstage notierten die Anteile unter dem geplanten Emissionspreis. Gestern fiel die Aktie von Chartered Semiconductor noch einmal um mehr als 4 % auf ein Rekordtief. Ein britischer Investmentbanker wertete die fehlgeschlagene Emission von Chartered-Semiconductor als Zeichen dafür, dass Bezugsrechtsplatzierungen in der aktuellen Börsenkrise trotz hoher Abschläge keine Selbstgänger mehr seien. Die beteiligten Banken würden damit ein erhebliches Risiko übernehmen.

Auch in Europa bereiten zahlreiche Unternehmen Bezugsrechtsemissionen vor, um ihre leeren Kassen wieder aufzufüllen. Allen voran Versicherer und Telekomkonzerne. UBS-Warburg erwartet bis Ende des Jahres noch Bezugsrechtsemissionen im Wert von 30 Mrd. Euro.

Quelle: Handelsblatt

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