US-Investmentbank kauft TV-Kabelnetze der Deutschen Telekom
Goldman Sachs will Engagement in Deutschland verstärken

Die US-Bank Goldman Sachs hat sich beim Bietergefecht um die TV-Kabelnetze der Telekom durchgesetzt. Dabei spielte die Strukturierung des Fremdkapitalanteils eine wichtige Rolle.

FRANKFURT/M. Die Investmentbank Goldman Sachs sieht auch nach dem Kauf der TV-Kabelnetze der Deutschen Telekom noch reichlich Investitionschancen in Deutschland. "Das Jahr 2003 wird zwar nicht herausragend werden, dennoch ist mit einem stetigen Angebot an Konzernteilen oder großen Mittelständlern zu rechnen", sagte Stephen Trevor, Partner und Mitverantwortlich für Private Equity Investitionen von Goldman Sachs in Europa, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Außerdem sei zunehmend mit Situationen zu rechnen, bei denen an den öffentlichen Finanzmärkten notierte Unternehmen, die unter Buchwert gehandelt werden, über einen Rückzug von der Börse nachdenken ("Taking Private").

Der für außerbörsliche Beteiligungen reservierte Fonds GS Capital Partners 2000 mit einem Ursprungsvolumen von 5,5 Mrd. Euro sei nach der Übernahme des Kabelgeschäfts rund zur Hälfte investiert. "In unserer globalen Strategie bleibt Deutschland einer der wichtigsten Märkte", sagte Trevor. Im Portfolio von Goldman Sachs sind unter anderem die deutschen Unternehmen Wincor Nixdorf (Kassensysteme), Cognis (Spezialchemie) und Messer Griesheim (Industriegase).

Beim jüngsten Deal, dem Kauf des Kabelnetzes von der Telekom für 1,725 Mrd. Euro, waren die auf Kommunikationskonzerne spezialisierte Beteiligungsgesellschaft Providence Equity Partners Inc sowie der Finanzinvestor Apax Partners mit von der Partie.

Alexander Dibelius (41) als einer der Geschäftsführer von Goldman Sachs in Deutschland sieht in der jüngsten Transaktion einen Beweis für die Partnerschaftsfähigkeit der Investmentbank. "Keine der Investitionen machen wir alleine", sagt Dibelius, der die Renditeanforderungen für Private Equity-Fonds bei 20 bis 25 Prozent ansiedelt.

Das Konsortium um Goldman Sachs hat sich bei der Auktion des Kabelgeschäfts gegen starke Konkurrenz anderer Finanzinvestoren durchsetzen müssen. Dibelius deutet an, dass man beim Kabeldeal vor allem beim Fremdkapital neue Wege beschreitet. Schon die von Morgan Stanley und Goldman Sachs je zur Hälfte zur Verfügung gestellte Überbrückungsfinanzierung hat mit fünf Jahren eine ungewöhnlich lange Laufzeit. Das Volumen beträgt nach Branchenschätzungen 1,1 Mrd. und soll nach ein bis zwei Jahren über die Verbriefung von Forderungen und Bonds abgelöst werden. Dabei denke man daran, einen Bond mit dem künftigen Cash-flow zu unterlegen. Außerdem werde sich die Kabelgesellschaft einem Rating-Prozess durch Moody?s, Standard & Poor?s sowie Fitch unterziehen müssen. Das Unternehmen werde man in einem ersten Schritt aus eigener Kraft entwickeln, später seien auch Zukäufe denkbar, sagt Goldman Sachs-Experte Trevor. Das Management der Kabelfirma werde umgebaut und durch Branchenexpertise von außen ergänzt.

Dibelius geht davon aus, dass Private Equity angesichts des Niedergangs der Börsenkurse an Bedeutung gewinnen wird. "Die Fonds ziehen immer mehr Mittel an und werden tendenziell größer." Auch der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) sieht für den deutschen Markt Nachholbedarf. Das Buyout-Volumen habe im Jahr 2001 rund 7,4 Mrd. Euro entsprochen, in Großbritannien waren es dagegen gut 31 Mrd. Euro. Setze man den Buyout-Markt ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, rangiere Deutschland in Europa nur an zehnter Stelle.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%