US-Investmentbank setzt härtere Regeln für Analysten durch
Salomon folgt dem Beispiel Merrill Lynchs

Nach der Einigung der US-Investmentbank Merrill Lynch und der New Yorker Staatsanwaltschaft im Streit um bewusste Irreführung von Investoren will die Investmentbank Salomon Smith Barney das Maßnahmenpaket des Wettbewerbers weitgehend übernehmen.

wsj/Bloomberg NEW YORK. Auch die zur Citigroup gehörende Bank wird nun die strenge Trennung von Unternehmensanalyse vom Investmentbanking vornehmen und die Bezüge der Analysten von deren Leistungen für das Investmentbanking abkoppeln. Nach Merrill-Vorlage wird Salomon ein Aufsichtsgremium einrichten, das die Empfehlungen der Analysten auf ihre Objektivität hin prüfen soll. In einem Mitarbeiterschreiben pries Salomon-Chef Michael Carpenter die Einigung als "wegweisendes Regelwerk", das zusammen mit den kürzlich entwickelten Regeln der US-Börsenaufsicht SEC "einen neuen Branchenstandard festschreibt.

Branchenbeobachter bleiben allerdings skeptisch, ob die Maßnahmen das eigentliche Problem - den Interessenkonflikt im Research-Bereich - lösen werden. "Ich glaube, nicht, dass es in der Branche zu großen Veränderungen kommt", zweifelt Tim Leach, Fondsmanager bei Wells Fargo Private Client Services in San Francisco.

Grund für den Zweifel ist, dass der Beitrag der Analysten im Investmentbanking nach wie vor unentbehrlich ist. Die Bedeutung der Analysten zeigte sich beispielsweise bei der Aktienemission des US-Backwarenkonzerns Interstate Bakeries: Damals hatte Analyst Leonard Teitelbaum maßgeblich dazu beigetragen, dass Merrill Lynch von Interstate den Zuschlag für die 176-Mill. $-Emission bekam. Fünf Tage nachdem sich der Aktionär Nestlé sich von den Aktien trennte, brachte der Analyst seine erste Studie über Interstate heraus und empfahl die Aktie zum Kauf. "In unseren Augen ist es jedes Mal positiv, wenn ein Analyst über uns schreibt und die Aktie verfolgt", erklärt Finanzvorstand Frank Coffey. Interstate und Nestlé "waren bei der Transaktion involviert, daher können sie ihrer Verkaufsmannschaft dabei helfen, sich ein Bild von unserer Geschäftslage und den Perspektiven zu machen", so Coffey.

Research für Investmentbanking nützlich

Tom Brown, Vorstandsvorsitzender des Hedge-Fonds Second Curve Capital, kritisiert, dass Staatsanwalt Spitzer nur eine seiner fünf Forderungen - nämlich die Trennung von Research und Investmentbanking - durchsetzen konnte. Der ehemalige Analyst war 1998 von Donaldson, Lufkin & Jenrette wegen kritischer Äußerungen zu Investmentbanking-Kunden entlassen worden. "Merrill hat einem Vergleich und einigen wichtigen Änderungen zugestimmt. Aber dem Staatsanwalt wurde ein fetter Brocken praktisch auf dem Silbertablett serviert, und er hat nur ein paar Krümel herausgepickt", so Brown.

Merrill Lynch ist nicht die einzige Bank, die ihr Research für Investmentbanking-Aktivitäten nutzt. "Research ist für Investmentbanking wirklich sehr nützlich", bestätigt Robert Steel, Vice Chairman bei Goldman Sachs Group. "Manchmal erhalten wir den Zuschlag für den Börsengang, weil der Analyst Verbindungen zum Unternehmen hat. Manchmal lehnen wir eine Transaktion ab, weil die Analysten sagen, dass es keine gute Gesellschaft sei."

Den Glauben an Analysten hat Warren Buffets, den seine erfolgreichen Investments in sechs Jahrzehnten zum reichsten Mann der Welt machten, schon lange verloren: "Ich kaufe Aktien seit meinem zwölften Lebensjahr", erzählt der 71-Jährige. "Vielleicht habe ich im zarten Alter von elf oder zwölf auf die Analysen der Wall Street gehört, aber seitdem nicht mehr."

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%