US-Investmentgesellschaft hält viele Wall-Street-Titel für zu billig
Alger arbeitet am Comeback

Der jüngste Aufschwung bei Wachstumswerten kommt vor allem den Fondshäusern zugute, die sich auf dieses Segment spezialisiert haben. Ein gutes Beispiel dafür liefert Fred Alger Management.

FRANKFURT/M. Im Boxring würde man von Nehmerqualitäten sprechen, wenn ein Kämpfer trotz vieler Niederschläge immer wieder aufsteht. Ähnlich kämpfen muss die unabhängige US-Investmentgesellschaft Fred Alger Management. Auch sie gibt nicht auf - trotz der Schicksalsschläge in den vergangenen Jahren. Im Gegenteil: Im Zuge der erwarteten Konjunkturerholung und dem damit verbundenen Kursaufschwung an den Börsen plant sie ihr Comeback.

Alger gehört mit einem Fondsvermögen von rund 9 Mrd. $ in die Riege der kleinen Investmenthäuser. Die Firma fällt allerdings durch ihr - gemessen an diesem Volumen - starkes Engagement auf dem deutschen Markt aus dem Rahmen.

Den Startschuss für die Firma gab Fred Alger 1964. Damals hatte er 3 000 $ in einer Pappschachtel angespart. Die Verwaltung des Geldes nahm er in die eigenen Hände und gründete dafür eine Anlagefirma. Gelder anderer Anleger kamen hinzu. Mitte der 90er Jahre übergab der Gründer die Führung an seinen Bruder David. Der neue Chef profitierte von der Ausrichtung auf Wachstumswerte. In der Hausse stieg das verwaltete Vermögen auf 20 Mrd. $. Mit der vor drei Jahren einsetzenden Baisse geriet das Unternehmen dann allerdings in raue See.

Nach dem Terroranschlag vom 11. September stand sogar die Existenz auf dem Spiel. Die Firma hatte ihren Sitz in der 93. Etage des Nordtowers im World Trade Center. Sie verlor den Chef und viele Portfoliomanager. In dieser Situation packte Fred Alger, der in der Schweiz privatisierte, seine Koffer und stellte sich noch einmal auf die Kommandobrücke. Nach nur zwei Wochen hatte er eine Handvoll Schlüsselpositionen wieder mit alten Fahrensleuten besetzt. Eine Tradition seines Hauses kam ihm zugute: Alger bildet seine Analysten selbst aus, konnte deshalb an den Gemeinschaftsgeist appellieren - oft erfolgreich.

So war Dan Chung, ein Schwiegersohn von Fred Alger, als Chef-Anlagestratege schnell wieder an Bord. Vor einem Jahr holte der Gründer auch Zachari Karabell in die fünfköpfige Führungsriege. Der Ökonom und Zukunftsforscher ist übrigens ebenfalls mit einer Alger-Tocher liiert. Trotz seiner 68 Jahre ist Fred Alger Chairman und Chief Executive Officer geblieben. Er würde sich gern endgültig aus dem Geschäft zurückziehen. "Doch der Zeitpunkt ist offen und die Nachfolgefrage noch nicht geklärt", sagt James ("Jim") Connelly, der ebenfalls zur engeren Führungscrew zählt, in einem Handelsblatt-Gespräch. Ein Wechsel an der Spitze wird die Firma deutlich verjüngen. Chung und Connelly beispielsweise sind 40 Jahre alt. Karabell ist mit 36 Jahren der Benjamin.

Die Personalfrage wird allerdings vom Performance-Problem überlagert. "Weil wir nur in Wachstumswerten anlegen, war das vergangene Jahre das schwierigste in unserer Geschichte", sagt Connelly. Mit Blick auf die Wertentwicklung vieler Alger-Fonds sei er froh, dass nur wenige Kunden Gelder abgezogen hätten. Lars Kolbe, Leiter Fondsanalyse bei der Researchfirma Feri Trust, bestätigt die Bewertung aus deutscher Sicht: "Die Performance der hier zu Lande zugelassenen Aktienfonds war in den letzten Jahren unterdurchschnittlich, teilweise schlecht." Doch mit der Wende zum Besseren bei den Wachstumswerten läuft es jetzt auch bei den Fonds besser. "Sie liegen im laufenden Jahr in den gängigen Hitlisten wieder auf vorderen Plätzen", sagt Kolbe. Brian Portnoy, Analyst bei der renommierten Fondsresearchfirma Morningstar in Chicago, warnt dennoch vor einer Überinterpretation: "Nach einigen guten Monaten kann man noch nicht von einem Turnaround sprechen."

Karabell indes lässt seinem Optimismus freien Lauf. "Viele Firmen glänzen mit einem Gewinnwachstum von 10 bis 20 Prozent pro Jahr, aber ihre Aktien werden weit unter ihrem wahren Wert gehandelt" sagt er. Im Moment würden viele Anleger das aber nicht honorieren, insbesondere die deutschen - sie seien durch die Baisse einfach zu frustriert.

Daran will Alger etwas ändern. Die Top-Leute der Firma planen im Herbst eine Deutschlandtour. Außerdem ist zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte ein Fonds für nicht-amerikanische Wachstumswerte in der Pipeline. Er soll sich auf den chinesischen Zukunftsmarkt konzentrieren. Für Zachary ist die Volksrepublik der große Gewinner der Globalisierung: "Dieser Trend kann nicht gekippt werden, allen Unkenrufen zum Trotz."

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