US-Investor beteiligt sich mit rund 5 %
Wyser-Pratte steigt bei Babcock ein

Der Oberhausener Babcock Borsig AG stehen turbulente Zeiten bevor. Der aggressive US-Investor Guy Wyser-Pratte hat sich mit rund 5 % an dem Konzern für Energietechnik und Schiffsbau beteiligt. Zu seinen Plänen schweigt er noch. Er dürfte es jedoch vor allem auf den Marineschiffsbau abgesehen haben.

DÜSSELDORF. Der US-Investor Guy Wyser-Pratte hat wieder zugeschlagen. Nach Informationen des Handelsblatts hat er ein Aktienpaket von 5,01 Prozent an der Babcock Borsig AG erworben. Gestern informierte er das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel in Frankfurt und den Vorstand des Oberhausener Maschinen-und Anlagenbauers mit dem Schwerpunkt Energietechnik und Schiffsbau über sein Engagement.

Ein Sprecher von Babcock-Borsig wollte die Beteiligung des Amerikaners gegenüber dem Handelsblatt weder bestätigen noch dementieren. Wyser-Pratte beteiligt sich weltweit an Firmen, die unterbewertet sind und in ihrer Bilanz ungehobene Schätze verborgen haben. Im vergangenen Jahr sorgte er mit seinem Einstieg beim Düsseldorfer Mischkonzern Rheinmetall für Aufsehen. Er konnte sich zwar nicht mit seiner Forderung durchsetzen, den Konzern auf das Rüstungsgeschäft zu konzentrieren. Der Investor, der sich gerne als "Rambo der Kapitalmärkte" sieht, schaffte es aber, dass sich der Kurs bis zu seinem Ausstieg verdoppelte.

Über die Hälfte der Babcock-Papiere ist in Steubesitz

"Wir investieren diesmal bewusst in ein Unternehmen, in dem wir auf Sicht freie Bahn haben", begründete Markus Elsässer, der deutsche Partner von Wyser-Pratte, die Entscheidung für das Investment beim M-Dax-Wert Babcock Borsig. Anders als bei Rheinmetall mit dem Großaktionär Röchling gibt es beim Oberhausener Konzern keinen dominierenden Anteilseigner. Preussag, das Londoner Investmenthaus Crédit Agricole Lazard Financial Products Bank und die WestLB besitzen zwar größere Aktienpakete. Aber über die Hälfte der Papiere ist in Steubesitz.

Offensichtlich spekuliert Wyser-Pratte darauf, dass sich der ein oder andere Großaktionär von seiner Beteiligung langfristig verabschieden will. Die Preussag hat ihren Anteil bereits von ursprünglich einem Drittel auf 19,8 % gesenkt. Das Investment passt wohl kaum noch in das Konzept eines Touristikkonzerns.

Vor allem der U-Boot-Bau ist hochprofitabel

Über die Pläne für das neue Engagement wollte sich Elsässer gestern nicht äußern. Dafür sei es noch zu früh. Er ließa aber keinen Zweifel daran, "dass wir bei Babcock Borsig weiter zukaufen werden".

Es dürfte aber keine Frage sein, dass die Investoren vor allem an der Schiffsbausparte des Konzerns interessiert sind. Babcock Borsig ist mit 50 % plus eine Aktie an der Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW) beteiligt. Vor allem das Marinegeschäft, das 80 % des Auftragsbestands und 90 % des Auftragseingangs ausmacht, ist mit seinem U-Boot-Bau hochprofitabel.

Das schwedische Unternehmen Celsius hatte im vergangenen Jahr seine Beteiligung von 25 % an HDW verkauft und dafür rund 181 Mill. Euro erhalten. Demnach hätte - hochgerechnet - HDW insgesamt einen Wert von 726 Mill. Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Babcock-Borsig-Konzern war gestern an der Börse nur rund 360 Mill. Euro Wert.

Vorstandschef Klaus Lederer weiß um die Diskrepanz zwischen Buch- und Börsenwert des Konzerns. Er bemüht sich seit Jahren, den angeschlagenen Konzern wieder auf eine tragfähige Basis zu stellen. Er trennte sich von vielen Beteiligungen wie dem Winkraftanlagenhersteller Nordex und versuchte, das Geschäft auf Energietechnik und Schiffbau zu konzentrieren. Im vergangenen November ließ er überraschend durchblicken, dass er sich langfristig sogar einen Rückzug aus der Energietechnik vorstellen könne.

Aktie notiert deutlich unter Höchststand

Aber Lederers Aufräumaktion gelang nicht immer. Vom Verkauf des Gebäudedienstleisters Krantz-TKT musste Lederer erst einmal Abstand nehmen. Und noch von einigen Beteiligungen muss er sich trennen. So entfällt nach wie vor ein Großteil des Konzernumsatzes von 4,34 Mrd. Euro (Vorjahr: 6 Mrd. Euro) auf Sparten außerhalb des Kerngeschäfts. Der Druck auf Lederer wächst. Die Aktionäre sind unzufrieden, weil die ihnen noch Anfang des Geschäftsjahres 2000/01 (30.9.) versprochene Dividende ins Wasser fiel. Auch für das laufende Jahr ist keine Ausschüttung zu erwarten. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sank im vergangenen Jahr auf minus 78 Mill. Euro. Und die Aktie rutschte von ihrem Höchststand im Januar 2001 von rund 22 Euro deutlich ab. Erst seit Oktober hat sich das Papier wieder leicht erholt. Gestern abend notierte es bei 9,85 Euro.

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