US-Investor bietet wieder zusammen mit TF 1 – Übernahme durch Bauer noch nicht sicher: Saban greift erneut nach Kirch Media

US-Investor bietet wieder zusammen mit TF 1 – Übernahme durch Bauer noch nicht sicher
Saban greift erneut nach Kirch Media

Der Hamburger Bauer Verlag ist bei der Übernahme der Kirch Media schon auf der Zielgerade. Nun versucht der US-Investor Haim Saban mit dem französischen TV-Konzern TF 1, doch noch den Zuschlag zu bekommen.

MÜNCHEN. Haim Saban ist in München ein alter Bekannter. Ende der neunziger Jahr war der US-amerikanische Medieninvestor bereits zu 50 % an der Merchandising-Firma von Thomas Haffa beteiligt. Lange vor dessen Börsengang und dem atemberaubenden Auf- und Abstieg von EM.TV verabschiedete sich Saban damals.

Jetzt will der 58-jährige, dessen Beteiligungsfirma Saban Capital Group in Los Angeles sitzt, wieder in München zum Zuge kommen: Er bietet wieder mit im Kampf um die Reste des Medienimperiums von Leo Kirch - die Mehrheitsbeteiligung am TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media AG und die Kirch-Filmbibliothek. Dazu hat er nach Angaben aus Branchenkreisen erneut den französischen Fernsehkonzern TF 1 als Partner ins Boot geholt. Saban und TF 1 haben den Informationen zufolge ein Konsortium gebildet, an dem beide mit je 50 % beteiligt sind.

Saban habe aber die Führung des Konsortiums übernommen. Die Franzosen wollen laut Branchenkreisen verhindern, dass ihre Beteiligung in die Öffentlichkeit kommt, denn sie fürchten negative Auswirkungen auf ihre Aktie. TF 1 - zum Konzern gehört auch der Spartensender Eurosport - ist mit einem Umsatz von 2,2 Mrd. Euro als profitabel. Größter Aktionär ist der französischen Mischkonzern Bouygues.

Seit Oktober verhandeln die Kirch-Media-Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems mit dem Hamburger Verlagshaus Bauer und dessen Juniorpartner Hypo-Vereinsbank (HVB) über einen Verkauf der Kirch-Reste - bisher ohne Ergebnis. Ein Abschluss verzögert sich immer wieder. Strittig ist vor allem die Bewertung der Kirch-Filmbibliothek. Hier sollen die Kirch-Banken - Hypo-Vereinsbank, Commerzbank, DZ-Bank und Bayern LB - mit ins Boot. Zudem ist als neue Variante wieder eine Beteiligung von Pro Sieben Sat 1 im Gespräch. Das Problem: Der mit einer Mrd. Euro verschuldete TV-Konzern hat nicht genügend Mittel dazu. Dass nun wieder neue Interessenten auftauchen, sieht man bei Bauer mit Gelassenheit. "Das kann uns nicht irritieren", sagt zumindest ein Verlagssprecher. "Die wichtigsten und größten Hürden sind überstiegen."

Saban und TF 1 hatten bereits im vergangenen Herbst ein Angebot abgegeben, kamen damals aber nicht zum Zuge. Jetzt verspricht Saban, dessen Leute inzwischen auch die Politik in Berlin und München eingeschaltet haben, nicht nur, dass der Sitz von Kirch Media in München bleibt. Er will bei Kirch Media nach Branchenangaben auch weniger Arbeitsplätze als im Sanierungskonzept von Bauer-Berater Roland Berger geplant streichen. So versucht er, die Kirch-Media-Arbeitnehmer auf seine Seite zu ziehen.

Die Kirch-Filmbibliothek will Saban mit frischem Kapital von 200 bis 300 Mill. Euro ausstatten und neue Ware einkaufen. So soll der Filmrechtehandel mittelfristig profitabel werden, um die Kredite der Kirch-Banken zurückzuzahlen. Zudem würde ein Einstieg Sabans, der bisher in Deutschland so gut wie nicht vertreten ist, nicht zu kartellrechtlichen Problemen führen. Das Kartellamt hat bereits angekündigt, einen Einstieg Bauers wegen dessen Beteiligung an RTL 2 und dessen starker Position bei TV-Programmzeitschriften intensiv zu prüfen.

Die "Due Diligence", also die genaue Prüfung der Kirch-Bücher durch Saban und TF 1, sei nahezu abgeschlossen, heißt es weiter. Die Aussichten des Konsortiums sehen Beobachter aber nach wie vor skeptisch: "Die müssen einen immensen Zeitvorsprung von Bauer einholen", heißt es in Verhandlungskreisen.

Quelle: Handelsblatt

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