US-Investor Liberty verlangt kartellrechtliche Zusagen der Bundesregierung
Telekoms Kabelverkauf in Gefahr

Die Deutsche Telekom muss möglicherweise in diesem Jahr auf 5 Mrd. $ Einnahmen aus dem Verkauf ihres TV-Kabelnetzes verzichten. Käufer Liberty zögert mit der versprochenen Unterschrift.

BERLIN. Der Verkauf des Fernsehkabels der Deutschen Telekom an den US-Medienkonzern Liberty Media verzögert sich. Nach Informationen aus dem Umfeld des US-Konzerns will Liberty-Präsident John Malone vor Unterzeichnung der Kaufverträge Zusagen der Bundesregierung darüber bekommen, dass Liberty in Deutschland keine Probleme mit dem Bundeskartellamt bekommt und zusätzlich zu dem Telekom-Kabel weitere kleinere Netz-Anbieter aufkaufen kann. Dies wird Malone Mitte September in Berlin mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) besprechen. Malones Ziel sei die Zusicherung der Bundesregierung, im Falle eines Übernahmeverbots durch das Kartellamt eine Ministererlaubnis zu bekommen. Die Kreise berichten auch, dass Liberty mit einem Rückzug von dem verabredeten Kauf in Höhe von 5 Mrd. $ droht.

Für die Telekom, deren Kurs nach dem Verkauf von 44 Mill. Aktien durch die Deutsche Bank seit zwei Wochen auf immer neue Tiefstände sinkt, wäre das eine weitere schlechte Nachricht: Ihr Schuldenabbau, für den die Kabelmilliarden in diesem Jahr fest eingeplant sind, würde sich verzögern. Die Telekom-Aktie sank gestern zwischenzeitlich auf 16,60 Euro, den tiefsten Stand seit Februar 1998. Analysten sehen eine Kurserholung erst, wenn klar werde, wie viele Aktien in der nächsten Zeit abgestoßen werden.

Die Telekom hatte erstmals im Februar angekündigt, ihre restlichen sechs Kabel-Regionalgesellschaften, die etwa 40 % des deutschen Kabelmarktes ausmachen, an Liberty verkaufen zu wollen. Im Juni kündigte Telekom-Vorstand Gerd Tenzer die Unterzeichnung der Kaufverträge für Ende Juli an. Gestern sagte ein Telekom-Sprecher, dass die Verhandlungen "gut laufen und in den nächsten Wochen abgeschlossen" werden sollen, ähnlich äußert sich Liberty offiziell. Im Jahr 2000 hatte die Telekom bereits ihre nordrhein-westfälische Kabel-Tochter an den US-Investor Richard Callahan verkauft und ihm eine Verkaufsoption für das Kabel in Baden-Württemberg zugesichert. Das Hessen-Kabel ging an die britische Kabelgruppe NTL.

Das Bundeskartellamt wollte auf Anfrage nicht Stellung nehmen, weil der geplante Kabelverkauf noch nicht angemeldet sei. Zu erfahren war allerdings, dass es Bedenken gegen Liberty geben könnte, weil das Unternehmen nicht nur Kabelnetze betreibt, sondern gleichzeitig zahlreiche Beteiligungen an Mediengesellschaften wie der News Corp. des australischen Medienunternehmens Rupert Murdoch und Filmproduzenten in den USA hält. Diese Zusammenführung von Netz und Inhalten (so genannte vertikale Integration) wurde bisher in der EU von den Kartellbehörden stets abgelehnt.

Außerdem bereiten nach Handelsblatt-Informationen zahlreiche kleinere Kabelgesellschaften, die Übernahme-Ziel von Liberty werden könnten, Kartellbeschwerden vor. Diese Unternehmen, etwa Primacom, UPC, Telecolumbus oder Bosch, betreiben heute die "letzten Meter" des Fernsehkabels, zum Beispiel in Hausverteilanlagen. Sie beschweren sich darüber, dass Liberty das Kabel nicht für schnelle Internetdienste und Telefonie ausbauen, sondern lediglich neue Filmkanäle starten will. Wenn Liberty aber nicht ausbaut, können sie ebenfalls keine neuen Dienste anbieten, obwohl sie bereits in den Ausbau ihrer Netze investiert haben.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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