US-Investoren dominieren in Zukunft den deutschen Markt
Telekom ebnet Weg für Verkauf sämtlicher Kabelnetze

Nach jahrelangen Verhandlungen trennt sich die Deutsche Telekom vom Kabelnetz. Hans-Ulrich Wenige, Geschäftsführer der Kabel Deutschland GmbH, sagte auf der Fachmesse Anga Cable Convention in Köln, eine entsprechende Absichtserklärung mit Klesch/Liberty Media sei unterzeichnet. Damit wird der Weg frei für einen flächendeckenden Ausbau der Kapazitäten, um interaktives Fernsehen und eine Vielzahl neuer Programme zu ermöglichen.

HB KÖLN. Franz Arnold, der im Auftrag des Telekom-Vorstandes den Verkauf der Netze organisiert hat, sagte auf der Anga Cable Convention, einer Fachmesse der privaten Netzbetreiber, er rechne mit einer raschen Einigung. Zum 1. Juli werde der US-Investor Callahan das Netz in Baden-Württemberg mehrheitlich übernehmen; die Finanzierung sei gesichert. In Nordrhein-Westfalen hat Callahan bereits im vergangenen Jahr die Mehrheit übernommen und betreibt die Netze im bevölkerungsreichsten Bundesland gemeinsam mit der Telekom, die noch 45 Prozent der Anteile hält, unter dem Namen Kabel NRW. In Hessen wurden die Netze vom Londoner Investorenkonsortium Klesch &Company mehrheitlich übernommen. In allen anderen Bundesländern sind laut Wenige die Investoren Klesch und das Kabel- und Medienunternehmen Liberty Media bereit, die Mehrheit an den Netzen zu übernehmen. Eine Absichtserklärung (Letter of Intent) sei bereits unterzeichnet.

Der Verband der privaten Netzbetreiber sprach von einem Schritt in die richtige Richtung. Anga-Präsident Thomas Braun sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com, Multimedia-Dienste setzten mehr Bandbreite voraus; nun komme es darauf an, faire Geschäftsmodelle für die Partner auf allen vier Netzebenen zu ermöglichen. Ähnlich wie im Mobilfunk oder beim Internet sind auch im Kabelmarkt Versorger aktiv, die kein eigenes Netz betreiben, aber die Dienste an Kunden vermarkten. Sie fordern einen Anteil an den Erlösen, die durch zusätzliche Dienste erwirtschaftet werden.

Kabelbetreiber drängen ins Inhaltegeschäft

Der Telekom-Beauftragte Arnold sagte, er rechne mit einer ganz neuen Wettbewerbskonstellation. Seiner Auffassung nach werden sich die neuen Netzbetreiber auch im Inhaltegeschäft engagieren. Die Telekom habe darauf freiwillig verzichtet, aber "die Kabelnetzbetreiber können nicht umhin, sich bei Inhalten zu engagieren". Für Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), sind die Folgen schon absehbar. Der Vorstand für Medienpolitik und Regulierung bei Prosiebensat1 Media warnte, es sei durchaus denkbar, dass sie sich auch als Programmanbieter profilierten, wie das Liberty Media bereits vorgemacht habe.

Die Erfolgschancen der Kabelnetzbetreiber beurteilten Doetz und Arnold dennoch eher skeptisch. Arnold sagte, die Einführung breitbandiger Dienste werde viel mehr Zeit benötigen als der Start der ISDN-Telefonie oder der Übermittlung von Dokumenten durch das Fax. Seiner Einschätzung nach hat noch kein Kabelnetzbetreiber "eine klare Idee, mit welchem Marktmodell die Dienste eingeführt werden sollen". Doetz ging im Gespräch mit Handelsblatt.com sogar einen Schritt weiter: "Ich sehe noch kein Wirtschaftsmodell, das funktioniert."

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