US-Journalist bei Schießerei verletzt
Palästinenser lynchen acht „Kollaborateure“

In einer Serie von Lynchmorden an mutmaßlichen Kollaborateuren wurden im Westjordanland seit Sonntagabend elf Palästinenser getötet. Die Extremisten befürchten, Kollaborateure könnten der israelische Armee auf der Suche nach bewaffneten Palästinensern helfen und den Soldaten deren Verstecke zeigen.

dpa/rtr TULKAREM. Israelische Soldaten waren in der Nacht zu Monatg in Gebiete um die Städte Tulkarem und Bethlehem eingedrungen und hatten Haus für Haus nach mutmaßlichen Extremisten durchsucht. In vielen der betroffenen Regionen kam es danach zu Lynchmorden an Palästinensern, die angeblich mit Israel zusammengearbeitet haben.

In Tulkarem drangen Vermummte in ein Gefängnis ein, das Polizisten zuvor aus Furcht vor israelischen Angriffen verlassen hatten. Nachdem die Extremisten acht Gefangene "hingerichtet" hatten, zerrten sie die Leichen auf die Straße, wo Hunderte Palästinenser zusammen gekommen waren. Viele riefen "Gott ist groß". "Dies ist das Schicksal eines jeden, der sein Heimatland verrät", sagte einer der Zuschauer. Doch andere fürchteten einen Zerfall des Rechtssystems. "Sie hätten vor Gericht gestellt werden sollen, denn bislang gab es keinen Beweis, dass sie mit Spionage in Verbindung standen", sagte ein anderer Zuschauer.

Ähnliche Vorfälle bereits in Bethlehem und Kalkilia

Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen waren die acht Männer wegen des Vorwurfs der Kollaboration angeklagt, aber nicht verurteilt. Sie seien in einem nicht öffentlichen Gebäude festgehalten worden, weil das Gefängnis der Stadt bei israelischen Luftangriffen zerstört worden sei.

Wie am Montag bekannt wurde, hatten Vermummte bereits am Vorabend in Bethlehem einen mutmaßlichen Kollaborateur auf ähnliche Weise getötet. Auch in Kalkilia wurden die Leicher zweier angeblicher Helfer Israels gefunden.

Seit Beginn des palästinensischen Aufstandes gegen die israelische Besatzung im September 2000 haben Palästinenser mehrere Landsleute getötet, die angeblich Israel geholfen hatten, militante Palästinenser aufzuspüren und zu töten. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat seit Beginn des Aufstandes mehrere Kollaborateure zum Tode verurteilt. Bei zweien wurde Anfang des Jahres das Urteil vollstreckt.

US-Reporter durch Schüsse in Ramallah verletzt

Opfer der Kämpfe zwischen irelischen Soldaten und Palästinensern wurde auch ein US-Journalist. Er wurde am Sonntag bei einem Schusswechsel zwischen den beiden Parteien in Ramallah verletzt. Wie der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtete, wurde Anthony Shadid, ein Reporter der Zeitung "The Boston Globe", in der Nähe des Hauptquartiers von Palästinenserpräsident Jassir Arafat von einer Kugel im Rücken getroffen. Er werde im Krankenhaus von Ramallah behandelt.

Unklar sei, wer den Schuss abgegeben habe. In einem Telefoninterview sagte Shadid, er habe eine Weste getragen, die ihn eindeutig als Journalist zu erkennen gegeben habe. Er kündigte an, sobald wie möglich in die USA zurück zu kehren.

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