US-Justizminister warnt vor weiteren Terroranschlägen
Uno-Sicherheitsrat fordert Auslieferung bin Ladens

Der Uno-Sicherheitsrat hat die Taliban-Regierung Afghanistans aufgefordert, den Islamisten Osama bin Laden "unverzüglich und ohne Bedingungen" auszuliefern. Der Rat verlange von den Taliban, die entsprechenden Uno-Resolutionen umzusetzen, sagte Ratspräsident Jean-David Levitte in der Nacht zum Mittwoch (MESZ) in New York.

rtr/vwd/afp/dpa NEW YORK. Die USA sehen in Bin Laden den Hauptverdächtigen für die Anschläge in New York und Washington. Ein Rat moslemischer Geistlicher sollte am Mittwoch in Kabul über das Schicksal Bin Ladens beraten. Als erster Staatsgast nach den Anschlägen besuchte Frankreichs Präsident Jacques Chirac Washington und sicherte den USA Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus Unterstützung zu. Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer traf zu Gesprächen mit der US-Regierung ein.

Bereits im Dezember hatte der Sicherheitsrat unter anderem ein Waffenembargo gegen die Taliban-Regierung verhängt, um die Auslieferung Bin Ladens im Zusammenhang mit den Anschlägen auf zwei USA-Botschaften 1998 in Ostafrika zu erwirken.

Rat der Geistlichen berät über bin Ladens Auslieferung

Taliban-Außenminister Wakil Ahmad Muttawakil bestätigte, dass der Rat der Geistlichen am Mittwoch in Kabul zusammenkommen werde. Das Treffen in Kabul war ursprünglich bereits für Dienstag angesetzt gewesen. Am selben Tag hatte die afghanische Taliban-Regierung erstmals eine Verantwortung bin Ladens nicht mehr ausgeschlossen, vor einer Auslieferung jedoch Beweise gefordert. Gleichzeitig drohte die Taliban-Regierung den USA mit einem Heiligen Kampf, falls sie Afghanistan angreifen sollten.

Unklar blieb, ob die Geistlichen die Befugnis haben, eine Entscheidung über eine Auslieferung Bin Ladens zu treffen. Es wurde nicht erwartet, dass auch der Chef der Taliban, Mullah Muhammad Omar, an dem Treffen teilnimmt. Das Gremium soll auch über den Ruf Omars nach einem Heiligen Kampf beraten, den dieser gegen die USA und die sie unterstützenden Länder führen will, wenn diese Afghanistan angreifen sollten. "Wer auch immer für diese Angriffe verantwortlich ist, Osama oder nicht, wir werden nicht seine Partei ergreifen", sagte Taliban-Informationsminister Kudrutullah Dschamal am Dienstag. Allerdings müssten die USA Beweise gegen Bin Laden vorlegen, bevor dieser ausgeliefert werden könne.

Die Vorlage von Beweisen lehnen die USA jedoch vorerst ab. Das von den Taliban geforderte Beweismaterial umfasse zahlreiche geheime Informationen, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Dienstag in Washington zur Begründung. Die Offenlegung könne Informanten in Gefahr bringen. Die USA würden aber auch weiterhin versuchen, die Taliban zur Auslieferung Bin Ladens zu bewegen. Rumsfeld deutete ferner an, dass ein oder mehrere Länder die Attentäter unterstützt haben. Nähere Einzelheiten nannte Rumsfeld nicht.

Zahlreiche Staaten mahnen zur Zurückhaltung

Eine pakistanische Delegation reiste nach Gesprächen mit den Taliban über eine Auslieferung Bin Ladens nach Hause zurück. Die amtliche pakistanische Nachrichtenagentur APP meldete, die Delegation habe der Taliban-Führung "in klaren Worten den Ernst der Lage" dargestellt und deutlich gemacht, welche Schritte die Welt von ihr erwarte. Im staatlichen Rundfunk wurde angekündigt, Pakistans Präsident General Pervez Musharraf werde am Mittwoch eine Rede an die Nation halten. Pakistan hat den USA Hilfe zugesagt.

Während die USA weiter einen Vergeltungsschlag und die Kampagne gegen den Terrorismus vorbereiteten, mehrten sich die Stimmen, die zur Zurückhaltung mahnten. China erklärte, ein Schlag gegen den Terrorismus müsse auf konkreten Beweisen basieren und dürfe keine unschuldigen Menschen in Mitleidenschaft ziehen. Ägyptens Präsident Husni Mubarak sagte, die USA sollten es sich zweimal überlegen, bevor sie Aktionen starteten, bei denen Zivilisten getötet würden.

US-Justizminister warnt vor neuen Terroranschlägen

Auch die Nato-Verbündeten haben die USA um eine sorgfältige Abwägung ihrer Reaktion gebeten. Die britische Regierung erklärte, die Zusage der Nato-Partner zur Unterstützung der USA sei "kein Blankoscheck". Gleichzeitig vermied es der französische Präsident Chirac bei seinen Gesprächen mit Bush im Zusammenhang mit den Anschlägen von Krieg zu sprechen. Bundesaußenminister Fischer, der bei seiner USA-Reise ebenfalls Bush treffen wollte, sagte, mit militärischen Mitteln allein lasse sich der internationale Terrorismus nicht eindämmen. Der britische Premierminister Tony Blair wird am Donnerstag in Washington erwartet.

Der amerikanische Justizminister John Ashcroft warnte die Amerikaner indes vor neuen Terroranschlägen. Sie sollten besonders vorsichtig sein, die Gefahr sei weiterhin sehr groß, sagte Ashcroft in einem Interview des Nachrichtensenders CNN. Er ordnete an, dass zusätzliche bewaffnete Spezialbeamte US-Flugzeuge schützen. Die US- Regierung rief alle Amerikaner auf, Pakistan möglichst schnell zu verlassen.

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