US-Kartellbehörde fordert zusätzliche Informationen an
FAG-Übernahme verzögert sich

Der Kauf des Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer durch den Konkurrenten INA ist überraschend ins Stocken geraten. Die amerikanischen Kartellbehörden haben offenbar wettbewerbsrechtliche Bedenken und wollen in die tiefere Prüfung des Falls einsteigen. Der bisherige Zeitplan ist dadurch gefährdet.

jojo/mm MÜNCHEN/FRANKFURT. Die Übernahme des Schweinfurter Konzerns FAG Kugelfischer AG durch den fränkischen Wettbewerber INA Holding Schaeffler KG ist auch kurz vor Ablauf der Umtauschfrist der FAG-Aktien heute um 12 Uhr noch nicht in trockenen Tüchern. Für neue Probleme sorgt die US-Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC). Die amerikanischen Wettbewerbshüter haben am Wochenende in Washington zur weiteren Klärung eine Verlängerung der kartellrechtlichen Wartefrist (second request) verhängt.

Durch die Bedenken der FTC sei die Übernahme erst einmal blockiert, hieß es aus Kreisen der beiden Unternehmen. Die FAG-Anteile, die von den Aktionären zum Umtausch an die INA eingereicht werden, seien damit eingefroren. Die Anleger könnten über diese Papiere für die Dauer der erneuten Überprüfung - die wenige Tage aber auch mehrere Monate dauern könnte - nicht verfügen. Wann INA den Kaufpreis an die Aktionäre zahlen werde, hänge ganz vom Verlauf das kartellrechtlichen Prüfverfahrens ab, hieß es. Ein komplettes Verbot der Übernahme befürchten die beiden Unternehmen aber offenbar nicht - sie rechnen allenfalls mit Auflagen für die Genehmigung.

"Dies ist ein ganz normaler Prozess", betonte gestern ein INA-Sprecher, der allerdings einräumen musste, dass die Prüfung den bisherigen Zeitplan gefährden könnte. Bislang wollte INA den FAG-Aktionären am 29. Oktober 12 Euro je Aktie auszahlen. Ziel von INA ist es, FAG komplett zu übernehmen, mindestens aber 75 % der Aktien zu bekommen. Dazu machte das Unternehmen aus Herzogenaurach den Aktionären ein Kauf-Angebot, das heute ausläuft.

Wie viele Aktionäre ihre Anteile INA bereits angedient haben, wollte das Unternehmen gestern nicht sagen. Die tauschwilligen Aktionäre könnten für die Dauer der weiteren Untersuchung aber nur eingeschränkt über ihre Papiere verfügen, hieß es. Derzeit prüfe man rechtliche Möglichkeiten, die angebotenen Aktien wie geplant zu erwerben und den Kaufpreis am 29. Oktober zu zahlen. Details wollte INA am Sonntag nicht bekannt geben.

Wettbewerbsbehörde der EU hat keine Bedenken

Im Gegensatz zu den US-Kartellwächtern hatte die Wettbewerbskommission der Europäischen Union keine Bedenken gegen die Übernahme. Klappt der Kauf wie geplant, entstünde der weltweit zweitgrößte Wälzlagerproduzent mit rund 52 000 Mitarbeitern und 6,5 Mrd. Euro Umsatz.

INA bietet erst seit einer Woche zwölf Euro je FAG-Aktie, nachdem sich beide Unternehmen auf eine einvernehmliche Übernahme geeinigt hatten. Zuvor hatte FAG-Chef Uwe Loos die Offerte strikt abgelehnt, weil er den ursprünglich gebotenen Preis von elf Euro für zu niedrig hielt. Das neue Angebot entspricht einer Prämie von 65 % gegenüber dem Kurs vor Beginn des Übernahmekampfes.

"Wir erwarten nicht, dass Aktionäre ihre uns angebotenen Aktien wieder zurück ziehen", sieht INA den Deal durch die verlängerte Prüfungsfrist nicht gefährdet. Sollten die Herzogenauracher die angestrebten 75 % der Aktien nicht erreichen, können sie sich von der Offerte zurück treten. Sollte INA tatsächlich an dieser Hürde scheitern, werde man versuchen, die noch notwendigen Aktien am Markt zuzukaufen, kündigte ein Sprecher des Unternehmens an. Eine Verlängerung des Angebots schloss er aus.

Über die Börse hat sich INA bereits rund 23 % der FAG-Anteile gesichert. Mindestens weitere 5 % hält die INA-Inhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler. Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, ob INA ihr Tauschziel wirklich erreichen könne, da vor allem viele Privatanleger dem Tauschangebot skeptisch gegenüberstünden. Kleinaktionäre halten derzeit etwa 68 % der FAG-Anteile. Wie viele Aktionäre die Offerte angenommen haben, wird frühestens morgen bekannt gegeben.

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