US-Konvois unterwegs
Truppen rücken Richtung irakische Grenze vor

Kurz vor Ablauf des Ultimatums an Iraks Präsidenten Saddam Hussein hat sich die von den USA geführte Invasionsstreitmacht nach Angaben aus kuwaitischen Kreisen an der Grenze zu Irak postiert. Die Soldaten seien am Morgen auf die kuwaitische Seite der entmilitarisierten Zone an der Grenze zu Irak eingerückt, hieß es am Mittwoch in Sicherheitskreisen. Ein US-Kommandeur sagte, ein Angriff auf Irak in den nächsten Tagen sei sehr wahrscheinlich.

Reuters KUWAIT-STADT. Saudi-Arabien drängte Saddam, dem Ultimatum der USA nachzukommen und ins Exil zu gehen. Die von den USA gesetzte Frist für ihn und seine Söhne läuft in der Nacht zum Donnerstag ab. An den Finanzmärkten sprangen die Aktienkurse als Reaktion auf Meldungen über das Vorrücken der Truppen in Grenznähe in die Höhe, während die Kurse der als sichere Anlage in Krisenzeiten geltenden Staatsanleihen nachgaben. Händler sagten, der Krieg gegen Irak stehe offenbar kurz bevor, und damit verschwinde an den Märkten die Unsicherheit über dessen Beginn.

Es blieb zunächst unklar, wie weit die von den USA geführten Streitkräfte vorrückten. Ein Sprecher der US-Armee dementierte den Bericht über das Vorrücken der Streitkräfte in die entmilitarisierte Zone. Die britischen Streitkräfte erklärten, Soldaten hätten "vordere Kampfpositionen" eingenommen. Die entmilitarisierte Zone umfasst einen fünf Kilometer breiten Streifen auf kuwaitischer und einen zehn Kilometer breiten Streifen auf irakischer Seite. Die für die Überwachung der Zone zuständigen Beobachter der Vereinten Nationen hatten diese bereits am Montag verlassen. Kleine Einheiten von Pionieren der Streitkräfte hatten in der vergangenen Woche Tore in die Grenzzäune geschnitten. Nun seien dort Kampfeinheiten, hieß es in den kuwaitischen Kreisen.

Die Aktienmärkte reagierten mit Zuwächsen auf die Nachricht. Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg um rund zwei Prozent. Ein Händler sagte: "Dieser Vorstoß der US-geführten Streitkräfte zeigt, dass Krieg in wenigen Stunden beginnt und die Unsicherheit über den Beginn des Konflikts aus den Märkten nimmt." Zahlreiche Akteure an den Märkten spekulieren darauf, dass ein Krieg gegen Irak schnell zu Ende geht, was bereits in den vergangenen Tagen zu anziehenden Aktienkursen geführt hatte.

Die USA und ihr wichtigster Verbündeter Großbritannien haben in der Golfregion rund 280 000 Soldaten zusammengezogen. In US-Regierungskreisen sind für den Auftakt eines Krieges heftige Bombenangriffe angekündigt worden. Mehr als 3 000 satellitengesteuerte Bomben und Marschflugkörper sollen von See und aus der Luft abgefeuert werden. Diese als "Shock and awe" (Schockieren und Ehrfurcht einflößen) bezeichnete Strategie soll Saddam und seine Umgebung isolieren und das irakische Militär lahm legen. Nach den anfänglichen Bombenangriffen sollen voraussichtlich Bodentruppen die irakischen Ölfelder sichern und Anhänger Saddams davon abhalten, Ölfelder in Brand zu setzen, wie sie es im Golfkrieg 1991 in Kuwait getan hatten.

Der Kommandeur der fünften US-Flotte, Vizeadmiral Timothy Keating, sagte vor Soldaten, ein Krieg binnen weniger Tage sei sehr wahrscheinlich. Er kündigte an, die US-Militärstrategie sei neu und revolutionär: "große Geschwindigkeit, atemberaubende Geschwindigkeit, Beweglichkeit, Präzision und Ausdauer." Iraks Informationsminister Mohammed Saeed el Sahaf sagte in Bagdad, die Invasion werde fehlschlagen. Er sagte mit Blick auf die alliierten Soldaten: "Sie erwartet der sichere Tod."

In Teilen der Wüste Kuwaits behinderte ein heftiger Sandsturm zeitweise die Vorbereitungen der dort operierenden Truppen. Ein US-Militärsprecher sagte aber: "Der Sturm wird keinen Einfluss haben, außer dass er jeden schmutzig macht und unwohl fühlen lässt."

Das türkische Parlament sollte noch am Mittwoch nach dem Willen der Regierung den USA Überflugrechte für eine Invasion Iraks einräumen. So könnte die erwartete Front im Süden entlastet werden. Damit scheint aber gleichzeitig die von den USA ursprünglich angestrebte Stationierung von rund 62 000 Soldaten an der türkischen Grenze zu Nordirak zumindest vorläufig vom Tisch zu sein.

Bei einer neuerlichen Sitzung des Uno-Sicherheitsrats am Nachmittag wollten die Außenminister der Kriegsgegner nach den Worten von Bundesaußenminister Joschka Fischer "allerletzte Optionen erkunden". Da die Uno-Waffeninspektoren bereits am Vortag aus Irak abgereist waren, verglich der US-Botschafter bei der Uno, John Negroponte, die Sitzung jedoch mit einem "Umstellen der Stühle auf dem Deck der (sinkenden) Titanic". Neben Fischer haben auch der französische Außenminister Dominique de Villepin und sein russischer Kollege Igor Iwanow ihr Kommen angekündigt. US-Außenminister Powell wird nach Angaben aus US-Regierungskreisen nicht teilnehmen.

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