US-Konzern Bechtel macht Subunternehmen Hoffnung
Chancen für deutsche Firmen im Irak-Geschäft

Der US-Konzern Bechtel geht aktiv auf deutsche Unternehmen zu, um sie am Wiederaufbau im Irak zu beteiligen. Das sagte der Nahost-Spezialist des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Jochen Münker, dem Handelsblatt.

fmd/kk/law BERLIN. Nach der deutschen Anti-Kriegshaltung galt es bislang als unwahrscheinlich, dass deutsche Unternehmen an der ersten Wiederaufbau-Phase partizipieren können. Eine Stellungnahme von Bechtel war nicht erhältlich.

Der kalifornische Baukonzern hatte von der US-Regierung den mit zunächst 680 Mill. $ dotierten Auftrag erhalten, die zivile Infrastruktur des Iraks binnen 18 Monaten notdürftig wieder aufzubauen. Rund 90 % davon sollen an Subunternehmer vergeben werden. Das gesamte Volumen des Wiederaufbaus wird für die nächsten fünf Jahre auf 50 bis 100 Mrd. $ geschätzt. Der US-Ölausrüster Halliburton hatte sich kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist aus dem Rennen für den Hauptauftrag zurückgezogen, sicherte sich aber den Auftrag für die Reparatur der Ölförderung. Der Wert ist unklar; Schätzungen reichen von 600 Mill. bis 7 Mrd. $.

Bechtel informiert derzeit interessierte Unternehmer über Beteiligungsmöglichkeiten. Interessierte Firmen können sich im Internet informieren und registrieren lassen. In London hatte Bechtel-Vertreter Tom Elkins gesagt, dass Unternehmen aus kriegsbeteiligten Ländern bevorzugt behandelt würden, Firmen aus Deutschland oder Frankreich würden aber nicht ausgeschlossen.

Nach Informationen des DIHK haben sich bereits mehrere deutsche Unternehmen bei Bechtel registrieren lassen. "Bechtel hat deutlich gemacht, dass die Aufträge sehr schnell vergeben werden können," sagte Münker. Die beauftragten Unternehmen sollen die Aufträge in eigener Regie schlüsselfertig ausführen. Namen nannte Münker nicht, doch hätten vor allem Firmen Chancen, die schon in den 80er-Jahren im Straßen-, Kraftwerks - und Anlagenbau, in der Wasserwirtschaft und Telekommunikation im Land aktiv waren oder sich im Öl-für-Lebensmittel-Programm engagierten. So wurde zum Beispiel der Flughafen in Basra mit deutscher Beteiligung gebaut. In Frage kommen die großen Anlagenbauer und Baukonzerne. Ein Siemens-Sprecher bestätigte: "Wir haben auf den Konferenzen von Bechtel in New York und London unser Interesse angemeldet." Im Vordergrund würden dabei die Medizintechnik sowie die Energieerzeugung und-verteilung stehen.

Allerdings hat die Bechtel-Offerte an deutsche Firmen einen Pferdefuß: In den Vertragsbedingungen wird eine Erklärung verlangt, die Geschäftsbeziehungen mit "Schurkenstaaten" wie Iran, Libyen oder Sudan untersagt. Dies zu akzeptieren wäre ein Verstoß gegen deutsches Außenwirtschaftsrecht; was interessierte Firmen aber umgehen können, indem sie neue Unternehmen gründen, die sich nur um diese speziellen Aufträge als Subunternehmer kümmern. Thyssen-Krupp hat kürzlich den Anteil des iranischen Staates am Grundkapital auf unter 5 % verringert, um drohende Restriktionen auf dem US-Markt abzuwenden.

Insgesamt hat sich das anfangs große Interesse an Wiederaufbau- Aufträgen abgekühlt, seitdem die Rahmendaten der Bechtel-Subkontrakte bekannt sind. Die Aufträge sollen im Schnitt nur ein Volumen von 500 000 $ haben und nur in wenigen Fällen 20 Mill. $ erreichen. Dennoch sollen die Subunternehmer selbst für ihre Sicherheit im Irak sorgen, sich knappen Fristen unterwerfen und weitgehend lokale Arbeitskräfte einsetzen. Bisher hat Bechtel 14 Aufträge an 9 Subunternehmen aus den USA, Großbritannien, Saudi-Arabien und Kuwait vergeben.

Quelle: Handelsblatt

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