US-Konzern hat seinen Gewinn zuletzt um 30 Prozent gesteigert
Tyco lebt von knallharter Zukauf-Strategie

Tyco International gilt als Shooting Star der vergangenen Jahre. Dank einer ausgefeilten Zukauf-Strategie steigert der Mischkonzern seine Gewinne auch in Krisenzeiten. Vorstandschef Dennis Kozlowski hat sich hohe Renditeziele gesetzt, doch sein Vorgehen ist nicht unumstritten.

NEW YORK. Den Verkauf von Steckern, Windeln und Alarmanlagen stufen Investoren gemeinhin nicht als "sexy Business" ein. Im Fall der Tyco International Ltd. spielt das aber keine Rolle: Viele Analysten und Anleger schwärmen von dem US-Mischkonzern und verhalfen ihm zu einer Börsenbewertung von 115 Mrd. $. Der Grund ist einfach: Tyco hat Erfolg. Im vorigen Geschäftsjahr steigerte der Konzern seinen Gewinn um mehr als 30 %.

Verantwortlich dafür ist Tyco - Chef Dennis Kozlowski, den US-Medien gern als aggressivsten Chief Executive Officer (CEO) betiteln. Seit der Sohn eines Detektivs aus Newark 1992 die Führung übernahm, hat er aus einem Hersteller von Alarmanlagen mit 3 Mrd. $ Umsatz einen Mischkonzern mit mehr als 35 Mrd. $ Umsatz geformt.

Das gelang ihm vor allem durch Übernahmen, für die er nach eigenen Angaben in den vergangenen sieben Jahren 60 Mrd. $ ausgegeben hat - die Hälfte davon allein in den letzten zwei Jahren. Heute ist der Konzern in vier Geschäftsbereichen aktiv: Feuerschutz und Sicherheitsdienste, Gesundheit, Elektronik und Finanzdienste. In den Finanzsektor ist Tyco erst im Sommer vorigen Jahres mit der 9 Mrd. $ teuren Übernahme von CIT vorgestoßen.

Kozlowski steht für die aggressive und ausgefeilte Übernahmestrategie Tycos. Der Konzern prüft jedes Jahr Hunderte von Übernahmekandidaten. Dabei verlässt er sich nicht auf Experten von außen, sondern prüft selbst die Bücher der Kaufkandidaten. Nach dem Kauf integriert Tyco die Unternehmen schnellstmöglich und kürzt die Kosten drastisch. Töchter, die nicht die erhofften Wachstumsraten bringen, werden gnadenlos abgestoßen.

Der kräftig gebaute Kozlowski liebt feste Regeln: "Damit wir ein Unternehmen kaufen, muss es in einem Bereich tätig sein, in dem wir schon aktiv sind. Außerdem muss die Übernahme im ersten Jahr eine Akquisitionsrendite von 15 bis 20 % bringen und im zweiten Jahr 20 bis 25 %."

Feindliche Übernahmen lehnt er strikt ab: "Zukäufe sind schon in einem freundlichen Umfeld schwierig genug. Wenn Sie das in feindlichem Umfeld machen, haben Sie die Leute gegen sich und verlieren gute Manager." Zudem habe man keine Chance, die Bücher selber zu prüfen. Analysten loben die Strategie: "Es ist besser, wenn Manager bereit sind, Teil von Tyco zu werden", sagt Michael Jaffe von der Ratingagentur Standard & Poor?s.

Die eigenen Bücher haben dem Konzern, der seinen Sitz aus steuerlichen Gründen nach Bermuda verlegt hat, schon erhebliche Probleme bereitet. Ende 1999 hatte der Bilanz-Analyst David W. Tice von David W. Tice & Associates dem Konzern vorgeworfen, seine Ergebnisse durch Bilanztricks manipuliert zu haben. Das führte zu einer Untersuchung durch die US-Börsenaufsicht SEC. Ein schwerer Schlag für den Konzern: Der Aktienkurs brach um die Hälfte ein. Doch im Juli stellte die SEC die Untersuchung ein, ohne Tyco zu bestrafen.

Für manche Finanzexperten ist der Fall aber noch nicht erledigt. Sie nahmen den Zusammenbruch des Energieriesen Enron zum Anlass, um neue Zweifel an Tyco zu äußern. Enron hatte einen ähnlich atemberaubenden Aufstieg hinter sich wie Tyco. Kritiker fragen, wie solide Tyco ist, dessen Marktwert viermal so hoch ist wie der von General Motors. Analyst Jaffe sieht jedoch keine Parallelen zu dem insolventen Energiehändler. "Bei Enron handelte es sich um Betrug. Tyco ist tausendmal angeklagt worden, und nie haben sie etwas gefunden", sagt Jaffe. Der hohe Cash-Flow zeige, dass Tyco echtes Geld verdiene.

Das einzige Problem, dass Jaffe für den Mischkonzern sieht, ist die Erwartungshaltung vieler Investoren. Bei einem Umsatz von 35 Mrd. $ wird es seiner Ansicht nach für Tyco schwer werden, weiterhin hohe Wachstumsraten zu erzielen. Bilanzkritiker Tice, der skeptisch gegenüber Tyco bleibt, kritisiert, dass das erstaunliche Wachstum zu stark auf Übernahmen basiere.

Kozlowski stimmt dieser Kritik nicht zu. "Im Moment liegt unser internes Umsatzwachstum bei 10 % und das interne Gewinnwachstum bei 20 %, weitere 10 % kommen durch Zukäufe hinzu", sagt er. Die Grenze habe Tyco noch nicht erreicht: Die Kapitalrendite werde von 16 % vor Steuern in den nächsten zwei Jahren auf 20 % steigen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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