US-Konzern Johnson Controls steigt ein
Varta verkauft auch den Bereich Autobatterien

Der Batteriehersteller Varta AG, Hannover, hat innerhalb nur einer Woche seine beiden größten Arbeitsbereiche verkauft. Nach der Abgabe der Mehrheit an seiner Sparte Gerätebatterien an den amerikanischen Batteriehersteller Rayovac trennen sich die Hannoveraner jetzt von ihrer größten Sparte, den Autobatterien.

gil/hof DÜSSELDORF/FRANKFURT. Nach dem Vertrag wird der US-Konzern Johnson Controls Inc. aus Milwaukee diesen Unternehmensbereich zum Jahresende vollständig übernehmen. Lediglich eine Beteiligung von 20 % an der VB Autobatterie GmbH bleibt bei der Robert Bosch GmbH. Johnson zahlt für die Übernahme 312,5 Mill. Euro in bar, übernimmt dafür aber auch Verbindlichkeiten. Varta begründet den Verkauf wie in der vergangenen Woche mit der Notwendigkeit, starke globale Partner zu suchen, da das Geschäft immer internationaler werde.

Varta erzielte mit Autobatterien im vergangenen Jahr einen Umsatz von 590 Mill. Euro und ein Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) von 29 Mill. Euro. Damit ist Varta mit einem Marktanteil von rund 30 % sowohl in Deutschland als auch in Europa die Nr. 2 hinter Excite. Die Werke in Deutschland, Spanien, Frankreich, Österreich und Tschechien sowie die rund 3 100 Beschäftigten werden übernommen.

Ein Stellenabbau steht nach Angabe einer Varta-Sprecherin nicht an, da sich beide Unternehmen regional sehr gut ergänzen. Johnson Control ist als Autozulieferer vor allem in Nordamerika tätig und daneben noch in den Bereichen Regelungstechnik und Gebäudeautomation aktiv. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern einen Umsatz von 18,4 Mrd. $. In Europa übernahm Johnson im Oktober 2001 den deutschen Batterienhersteller Hoppecke mit zwei Werken. Varta und Johnson kooperieren bereits bei der Lieferung von Autobatterien an Ford in Europa und besitzen gemeinsame Batteriewerke in Mexiko, Kolumbien und Argentinien.

Für den Varta-Hauptaktionär DB Investor entpuppt sich die Übernahme als hervorragendes Geschäft. Die Deutsche-Bank-Tochter hatte Ende des Jahres 2000 für weniger als 300 Mill. Euro 92 % des Unternehmens übernommen. Der Rest ist an der Börse platziert, wird aber kaum gehandelt. An der Gopla GmbH, die die Varta-Beteiligung hält, sind die Deutsche Bank mit 39 % und die früheren Varta-Hauptaktionäre Sven Quandt und Sonja Quandt-Wolf mit 25,1 % beteiligt. Mit dem Verkauf der Mehrheit an der Gerätebatteriesparte in der vergangenen Woche und dem nun anstehenden Verkauf des Autobatteriebereichs werden zusammen 578 Mill. Euro erzielt. Über die Verwendung des Verkaufserlöses soll eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. September entscheiden.

Rolf Woller, auf die Branche spezialisierter Analyst der Hypo-Vereinsbank, sieht darin "ein wunderschönes Beispiel für die Unterbewertung der Automobil-Zulieferindustrie." Generell passe die Transaktion in das Bild einer Branche, die sich immer stärker verdichtet. "Am Ende des Tages werden die Automobilhersteller noch Geschäftsbeziehungen mit deutlich unter 500 Top-Zuliefern haben, in der Vergangenheit waren es vielleicht 3 000", sagt Woller. Die Schnittstellen für die Hersteller zu reduzieren, sei schließlich eine der Möglichkeiten, Kosten zu sparen.

Woller erwartet, dass Varta demnächst von den Eignern von der Börse genommen und in eine GmbH umgewandelt wird. Dazu ist allerdings die Zustimmung der Hauptversammlung nötig, die bei den klaren Mehrheitsverhältnissen kein Problem darstellen dürfte. Er geht davon aus, dass auch für den Bereich Mikrobatterien, der nun den Kern von Varta darstellt, ein Käufer gesucht wird. Diese Sparte, die Knopfzellen und Kleinstbatterien vor allem für Mobilfunkgeräte herstellt, setzt mit 1 700 Beschäftigten rund 130 Mill. Euro um. Hier arbeitet Varta in vielen Nischen und ist auf einigen Gebieten Weltmarktführer. Die Zukunft dieses Arbeitsgebietes dürfte nach Angaben aus Bankenkreisen entscheidend davon abhängen, wie die neue Technologie einschlägt, an der Varta arbeitet. Eine Pilotanlage zur Herstellung dieser Batterien soll bereits fertig sein.

Quelle: Handelsblatt

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