US-Konzern muss neues Programme zur Kostensenkung auflegen – Fehlende Flexibilität
Ford verfehlt seine Sparziele

Der US-Konzern Ford kommt aus der Krise nicht heraus: Weil der Automobilriese die ursprünglich angesetzten Sparziele nicht erreicht, sucht das Unternehmen nun überall nach neuen Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die düsteren Aussichten auf dem US-Automarkt könnten die Situation noch verschärfen.

zel DÜSSELDORF. Der US-Automobilriese Ford beschließt ein Sparprogramm nach dem anderen. Jetzt soll im internationalen Geschäft außerhalb von Nordamerika aufgeräumt werden: Am Freitag gab Ford bekannt, dass der frühere Europa-Chef David Thursfield die Verantwortung für den Konzern außerhalb der USA übernimmt. "Thursfield soll dafür sorgen, dass die Synergien im internationalen Geschäft optimiert werden", begründete Konzernchef Bill Ford. Über alle Marken und über alle Länder hinweg sieht das Unternehmen noch erhebliche Sparmöglichkeiten, vor allem im Einkauf. Die Berufung von Thursfield könnte pro Jahr mehrere 100 Mill. $ bringen.

Das Ford-Management ist massiv unter Druck: Im vergangenen Jahr stand ein Verlust von fast 5,5 Mrd. $ in den Büchern, der Konzern ist in eine tiefe Krise geraten. Im Januar hatte das Unternehmen einen "Revitalisierungsplan" verkündet, mit dem bis zum Jahr 2005 jährlich 9 Mrd. $ herausgeholt werden sollten. Weil Ford die Sparziele jedoch nicht schnell genug erreichen konnte, verkündete der Konzern Ende Oktober das nächste Sparprogramm - im kommenden Jahr sollen zusätzlich 1 Mrd. $ bei den Verwaltungsausgaben gekürzt werden. Vor gut einer Woche folgte wieder eine Sparrunde: Ford will 1,5 bis 2 Mrd. $ durch mehr Flexibilität in der Fertigung herausholen.

Auch von außen wächst der Druck. Ende Oktober hat die Ratingagentur Standard & Poor?s die Kreditwürdigkeit des US-Konzerns heruntergesetzt - fast in die Nähe von Schrottanleihen (Junk-Bonds). Auf dem wichtigsten Absatzmarkt - den USA - sind die Verkaufszahlen zwar noch einigermaßen zufriedenstellend. Doch wie die Konkurrenten General Motors (GM) und Chrysler zahlt Ford mit extremen Rabatten und Nachlässen einen hohen Preis auf der Ertragsseite. In Börsen- und Finanzkreisen hat der zweitgrößte US-Autohersteller nicht mehr den allerbesten Ruf. "Im Vergleich mit GM und Chrysler hält Ford im Moment die rote Laterne", sagt Georg Stürzer, Automobilanalyst der Hypo-Vereinsbank.

Im Unterschied zu den US-Konkurrenten hat Ford noch erheblichen Nachholbedarf in der Produktion. Die Fabriken des Konzerns sind in Nordamerika nicht flexibel genug und können in der Regel nur eine einzige Modellreihe von den Bändern laufen lassen. Kommt es zu Nachfrage-Schwankungen, können Lücken nicht durch ein zweites Modell ausgeglichen werden. Ford setzt auf das nächste Jahr: Dann soll in den ersten US-Fabriken das neue "Flexible Produktions-System" gestartet werden.

Auch intern wird bei Ford kein Hehl daraus gemacht, dass die Umsetzung der Sparpläne viel zu langsam vorangeht. Der Ruck, der mit dem im Januar verkündeten "Revitalisierungsplan" und dem Sparziel von 9 Mrd. $ durch den gesamten Konzern gehen sollte, ist an vielen Stellen ausgeblieben.

Völlig gegen die Erwartungen entwickelt sich das Geschäft bei der Luxussparte PAG ("Premier Automotive Group"). Nur die Ford-Tochter Volvo schreibt in diesem Jahr schwarze Zahlen, alle anderen PAG-Marken machen Verluste. Besonders problematisch ist die Lage bei Jaguar: Bei der britischen Tochter wird in diesem Jahr mit einem Verlust von 500 Mill. $ gerechnet. Eigentlich sollte sich die PAG zu einem wichtigen Ertragsbringer bei Ford entwickeln und die Probleme im US-Kerngeschäft ausgleichen.

Die Aussichten auf dem amerikanischen Automarkt sind zudem alles andere als rosig. Die meisten Branchenexperten rechnen für das nächste Jahr mit einem Absatzrückgang - im Durchschnitt zwischen 3 und 4 %.

In den Autofabriken könnte sich die Lage noch verschärfen. "2003 wird die Produktion deutlich stärker fallen als der Absatz, weil die Läger zurzeit sehr gut gefüllt sind", sagt Lars Ziehn, Automobilanalyst bei der Deutschen Bank. Sein Kollege John Casesa von der Investmentbank Merrill Lynch hat dabei in erster Linie den Ford-Konzern im Visier: Die Lagerbestände des Unternehmens seien im Moment "größer als normal".

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