US-Konzerne ernennen immer häufiger Chief Security Officers
Terror alarmiert Chefetagen

In jüngster Zeit haben sich zahlreiche US-Manager ein neues Kürzel auf die Visitenkarte drucken lassen: CSO - Chief Security Officer. Experten vermuten, dahinter stecke mehr als nur eine Modeerscheinung. Denn: Die Angst vor Terroranschlägen und vor Computerhackern sitzt den Konzernen im Nacken.

SAN FRANCISCO. "Security Officer", das ist längst nicht mehr nur der uniformierte Muskelprotz, der die Tiefgarage bewacht. Immer mehr Großkonzerne bestellen "Chief Security Officers", Topangestellte für Sicherheitsangelegenheiten. Einer von ihnen ist Whitfield Diffie. Ihn sollte jeder kennen, der schon mal im Internet eingekauft hat. Nicht persönlich, natürlich - aber zumindst die Ergebnisse seiner Arbeit. Diffie ist einer der Vordenker für Verschlüsselungstechniken im World Wide Web, die das sichere Einkaufen mit Kreditkarte im Netz ermöglichen.

Unter Sicherheitsexperten ist Diffie bestens bekannt - bei Internet-Nutzern dagegen weniger. Das dürfte sich ändern: Seit kurzem ist Diffie CSO beim Serverhersteller Sun der Topmann für die Sicherheit. "Die Aufgabe gibt ihm ein sichtbareres Profil", sagt Laura Koetzle, Analystin beim Marktforscher Forrester Research.

In den vergangenen Wochen haben sich eine Reihe von hoch bezahlten Managern neue Visitenkarten mit dem Titel "Chief Security Officer" drucken lassen dürfen. Dutzende von Weltunternehmen haben den Posten neu geschaffen oder neu besetzt. Microsoft, AOL Time Warner, Sun und Oracle sind nur einige von denen, die der Sicherheit durch einen neuen Spitzenposten oder prominente Besetzung Aufmerksamkeit verschaffen wollen. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton bei 72 Firmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 2 Mrd. $ ergab, dass in den vergangenen zwei Jahren bereits 54 % der Unternehmen einen Sicherheits-Chef ernannt haben. Auch Headhunter spüren das Interesse: John DeRegt von der Personalberatung Heidrick & Struggles International Inc. sagt, dass er in diesem Jahr rund 125 oberste Sicherheitsposten zu füllen habe. In den beiden zuvor seien es nur je 75 gewesen.

Der neue Fokus auf Sicherheit kommt nicht von ungefähr: Zum einen haben Hacker-Attacken und Virenangriffe im vergangenen Jahr Schäden in Höhe von rund 12,3 Mrd. $ angerichtet, belegen Berechnungen des Marktbeobachters Computer Economics. Zudem hat der 11. September den USA ihre Verwundbarkeit vor Augen geführt. So erklärte Microsoft-Gründer Bill Gates, dass Sicherheit künftig Vorrang vor anderen Softwarefragen habe.

"Das ist ein echter Wandel", meint Analystin Koetzle. Larry Ellison, Chef des Datenbankspezialisten Oracle, verkündete, dass seine Datenbanken künftig unzerstörbar seien - eine Herausforderung für die neue Chef-Sicherheitsbeauftrage Mary Ann Davidson. Und John Chambers, Chef des Netzwerkausrüsters Cisco, sagt, dass er Sicherheitsausrüstung nicht mehr als Extra sondern als absolute Notwendigkeit ansieht - selbst wenn Cisco noch keinen CSO ernannt hat. Die Marktforschungsgesellschaft Forrester rechnet nun damit, dass die Ausgaben für Sicherheit in den USA von 2002 bis 2004 um 55 % wachsen. Früher ein eher lästiges technisches Randthema, wird Sicherheit zunehmend zum Verkaufsargument. Die These, dass die Ernennung der Sicherheits-Chefs, die je nach Unternehmen zwischen 90 000 $ und 400 000 $ Jahresgehalt einstreichen, reine Imagepflege ist, weisen Analysten zurück.

"Natürlich spielt die Kommunikation bei einer grundlegenden Neuorientierung eine wichtige Rolle", meint Steve Hunt, Analyst beim Marktforscher Giga Information. Doch für ihn ist der Posten des Chief Security Officers keineswegs eine Frage von PR: "Sicherheit muss als Geschäftsprozess verstanden werden, der von hochrangigen Kräften innerhalb des Unternehmens gemanagt wird." Schließlich müsse Sicherheit alle Geschäftsbereiche durchdringen. Der neue Sun-CSO Diffie stimmt zu: "Sicherheit hatte bei uns immer einen hohen Rang, doch es mangelte an Koordination."

Quelle: Handelsblatt

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