US-Konzerne listen Einkünfte auf
Wall Street-Chefs verdienen weniger

Von Verzweiflung keine Spur. Zwar mussten die Vorstandschefs der großen Wall Street-Firmen im flauen Geschäftsjahr 2001 drastische Gehaltseinbußen hinnehmen. Doch die Einkünfte liegen immer noch in zweistelliger Millionenhöhe - in Dollar, versteht sich. "In solchen Gehaltsdimensionen tut?s nicht weh, sagt Personalberater Alan Johnson lapidar.

NEW YORK/FRANKFURT/M. Beispiele: Das Grundgehalt von Goldman Sachs-Chef Henry Paulson klingt mit 600 000 $ noch bescheiden. Doch inklusive Bonus von 11,5 Mill. $ in bar und 6,7 Mill. $ in Aktien-Kaufoptionen kommt er auf 19 Mill. $ - gerade mal 16 % weniger als im Vorjahr.

Morgan Stanley-Chef Philip Purcell hat mit 16,1 Mill. $ einen weit stärkeren Einschnitt um etwa 40 % hinnehmen müssen. Drastischen Einschnitte auch bei Merrill Lynch-Chef David Komansky: Er dürfte 53 % weniger als im Vorjahr verdient und "nur" noch 15 Mill. $ kassiert haben, schätzt die Personalberatung Johnson Associates aus New York. Das Brokerhaus hat außerdem die Bonuszahlungen in bar generell auf einen Höchstbetrag von 1 Mill. $ beschränkt. Der Rest wird in Aktien-Kauf-Optionen ausbezahlt.

"Die Vorstände haben häufig weit höhere Einschnitte hingenommen als ihre Untergebenen", stellt Johnson fest. Auch Analysten und Investmentbanker hätten deutliche Gehaltskürzungen hinnehmen müssen. Ein im Magazin Institutional Investor genannter Top-Analyst verdiene jetzt statt 1,5 Mill. $ nur noch eine Million. Ein Investmentbanker musste mit ebenfalls 1 Mill. $ gar eine Halbierung seines Gehalts hinnehmen. "Schließlich ist auch das Geschäft um 50 % zurückgegangen", erläutert Johnson diese Politik. Top-Banker im Anleihegeschäft hätten dagegen ein leichtes Plus von 10 % verzeichnet und verdienten jetzt etwas mehr als ihre Kollegen von der Aktien-Seite.

Bonuskürzungen statt Entlassungen - heißt die Devise. "Wenn das Geschäft nicht bald besser läuft, müssen die Investmentbanken trotzdem weiter Personal abbauen", glaubt der unabhängige Bankenberater Ray Soifer. Auch Bankenanalystin Amy Butte von der Investmentbank Bear Stearns rechnet mit weiteren Entlassungen in den nächsten Wochen. Mindestvoraussetzung für bessere Geschäfte ist eine Stabilisierung der Aktienmärkte. Besser wäre freilich eine Fortsetzung der jüngsten Kurs-Rally.

US-Bezüge sind immer noch deutlich höher als in Deutschland

Trotz der Gehaltskürzungen sind die US-Bezüge noch immer deutlich höher als in Deutschland. Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer hatte im Spitzenjahr 2000 ein Gesamtgehalt von 16,4 Mill. DM, schätzten verschiedene Wirtschaftsmagazine. Die Bezüge dürften 2001 deutlich niedriger ausgefallen sein. Auch die Boni der deutschen Investmentbanker sind stark zurückgegangen. Am stärksten betroffen ist laut dem Manager einer führenden Personalberatung das Geschäftsfeld Fusions- und Übernahmeberatung (M&A). Dort lägen die Boni 40 bis 50 % unter dem Vorjahr. Im Aktiengeschäft fielen die Boni rund 30 bis 40 % niedriger aus. Im Zinsgeschäft seien die erfolgsabhängigen Vergütungen hingegen nur um 10 bis 20 % gesunken. "Zwar war 2001 ein sehr gutes Jahr im Fixed-Income-Bereich, doch mussten die Zinsexperten vor allem das M&A-Geschäft quersubventionieren, um dort gute Leute halten zu können", so der Manager. Denn Top-Berater mit sehr guten Kundenkontakten wollen die Investmentbanken trotz der gegenwärtigen Marktflaute nicht verlieren.

Den Spagat, Gehaltskosten zu sparen und gleichzeitig Top-Leute zu halten, muss auch die Wall Street machen. "Schlüssel-Leute dürften kaum Einbußen hinnehmen", glaubt Bankenberater Soifer. "Denn die will keiner verlieren." Generell werde an der Wall Street besser bezahlt aber auch schneller gefeuert als in Europa, beobachtet Personalberater Johnson.

Deutsche Bank will die Vorstands-Gehälter offen legen

Einen deutlichen Unterschied zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gibt es in der Offenlegungspolitik. Die Bezüge der amerikanischen Vorstände sind kein Geheimnis, sie werden sogar genau nach Bonus, Grundgehalt und Aktien-Kaufoptionen aufgeschlüsselt. "Das mag daran liegen, dass unsere Vorstände sich einzig und allein gegenüber den Investoren verantworten müssen", vermutet Johnson. "In Deutschland dagegen reden auch Gewerkschaften und Politiker mit." In der Regel werden in Deutschland nur die Gesamtbezüge des Vorstandes im Geschäftsbericht veröffentlicht. Auch die in New York notierten Finanzkonzerne Deutsche Bank und Allianz haben bislang nicht die Bezüge einzelner Vorstände ausgewiesen.

Doch nun bewegt sich etwas: Deutsche-Bank-Chef Breuer bestätigte am Freitag, sein Haus werde ab dem Geschäftsbericht 2002 die Vorstands-Gehälter offen legen. Der Allianz-Konzern wolle bis spätestens zur Bilanz-Pressekonferenz am 18. April darüber entscheiden, sagte ein Sprecher am Freitag auf Anfrage. Commerzbank und Hypo-Vereinsbank hätten derzeit keine entsprechenden Pläne, sagten die Sprecher der Banken. Ein Experten-Gremium, Cromme-Kommission genannt, hatte in dem kürzlich vorgestellten Unternehmenskodex gefordert, die Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten detailliert offen zu legen.

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