US-Luftfahrt in "beispielloser Krise"
Nach Anschlägen droht Continental Airlines Konkurs

Ohne finanzielle Hilfe der Regierung sei es "weise", das US-Flugunternehmen gegen Ende Oktober unter Schutz eines Konkursgerichts neu zu strukturieren, teilte Continental Airlines am späten Samstagabend (MESZ) mit. Die fünftgrößte US-Fluggesellschaft plane die Streichung von 20% ihres Flugplans und die Entlassung von rund jedem fünften Mitarbeiter.

Reuters CHICAGO. Die verheerenden Terror-Anschläge in New York und Washington hatten den Flugverkehr in den USA für drei Tage komplett lahm gelegt und viele Amerikaner zur Zurückhaltung bei Flugreisen veranlasst. Zudem belasten die steigenden Kosten für die erheblich verschärften Sicherheitsanforderungen die Fluggesellschaften, die zuvor bereits unter der schwächelnden US-Konjunktur gelitten hatten.

Continental verbucht tägliche Verluste von etwa 30 Millionen Dollar

Continental Airlines verliert wegen der Anschläge nach Einschätzung ihres Vorstandsvorsitzenden Gordon Bethune pro Tag etwa 30 Mill. Dollar an Einnahmen. Die Fluggesellschaft rechne nunmehr mit einem Einbruch der Nachfrage nach Flugreisen um 50%. Continental kündigte zudem an, das eigene Flugangebot um ein Fünftel zu kürzen und 12000 ihrer aktuell 56000 Mitarbeiter zu entlassen. Das Angebot von Continental einschließlich Tochterunternehmen umfasste bisher rund 2500 Flüge am Tag.

Continental war vor den Attentaten eine von zwei US-Fluggesellschaften, für die Experten noch einen Gewinn für das Jahr 2001 prognostiziert hatten. Continental-Chef Bethune sagte weiter, sein Unternehmen habe nun eine 90-tägige Stabilisierungsphase angesetzt. Auf die Frage, ob Continental nun Gläubigerschutz beantragen werde, sagte Bethune: "Bei den prognostizierten aktuellen Verlusten und dem erwarteten Umsatzverlust von 50%, wäre es weise von uns, das Unternehmen irgendwann gegen Ende Oktober zu restrukturieren, bevor es wirklich zum Stillstand kommt."

"US-Luftfahrtbranche braucht sofortige Unterstützung vom Kongress"

Bethune zeichnete ein düsteres Bild für die gesamte US-Luftfahrtbranche. "Die US-Luftfahrtbranche befindet sich in einer beispiellosen finanziellen Krise", merkte Bethune an. "Unsere Branche braucht sofortige Unterstützung vom Kongress, wenn die nationale Luftfahrt überleben soll."

Die US-Fluggesellschaften machten zurzeit 300 Mill. Dollar Verlust pro Tag und könnten bis zu 100000 Mitarbeiter als Folge der Anschläge entlassen. Die Fluggesellschaften hätten durch die Flugausfälle nun eine Milliarde Dollar Verlust zusätzlich zu den bereits vor den Anschlägen verzeichneten, bedeutenden Verlusten gemacht, sagte Bethune. Der internationale Luftfahrt-Verband IATA hatte unterdessen geschätzt, dass die direkten Umsatzrückgänge und Zusatzausgaben die Branche weltweit rund 10 Mrd. Dollar kosten werde.

Auch andere amerikanische Fluggesellschaften kündigen Streichungen an

Als Konsequenz der Anschläge kündigten auch die viertgrößte US-Fluggesellschaft Northwest Airlines und die Nummer zwei in den USA, United Airlines, die Streichung jedes fünften ihrer geplanten Flüge an. Northwest teilte mit, man werde in der kommenden Woche die Zahl der benötigten Mitarbeiter überprüfen. Die weltweit größte Fluggesellschaft, American Airlines, überprüft eigenen Angaben zufolge derzeit ebenfalls die Zahl ihrer Mitarbeiter, auch die drittgrößte US-Fluggesellschaft Delta Air Lines kündigte Einsparungen von 20% des Personals an. Ohne finanzielle Hilfe der US-Regierung sei man zu Sparmaßnahme gezwungen, erklärte Delta-Chef Leo Mullin in einem Fernsehinterview. Bereits am Mittwoch hatte mit der seit längerem angeschlagenen Midway Airlines eine erste regional operierende US-Fluggesellschaft den Betrieb wegen der Anschläge eingestellt und 1700 Mitarbeiter entlassen.

Mehrere hochrangige Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses drängten mittlerweile auf die Verabschiedung eines Gesetzes, das 2,5 Mrd. Dollar an Beihilfen und 12,5 Mrd. Dollar Kreditgarantien zur Unterstützung aller US-Fluggesellschaften mit Verlusten infolge der Anschläge freigeben würde. Ein solches Hilfspaket würde nach Einschätzung der Befürworter auch den Finanzmärkten signalisieren, dass der Kongress versuchen wird, die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge aufzufangen. Das US-Präsidialamt unterstützt dieses Gesetz bisher noch nicht. Eine Sprecherin des US-Präsidialamtes teilte allerdings mit, US-Verkehrsminister Norman Mineta werde sich möglicherweise schon am Montag mit Spitzenvertretern der US-Fluggesellschaften treffen.

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