US-Luftfahrtbehörde will alle Airbus A-300 untersuchen lassen
Unglücksairbus erhielt schweren Stoß von der Seite

Ein möglicher Defekt am Seitenleitwerk des New Yorker Unglücks-Airbus hat die US-Behörden zur Überprüfung aller Airbus-Maschinen vom Typ A300 veranlasst. Eine Auswertung des Flugdatenschreibers hatte ergeben, dass Sekunden vor dem Absturz das Leitwerk keine brauchbaren Daten mehr gesendet hat.

dpa NEW YORK. Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN geriet der Airbus der American Airlines kurz vor der Katastrophe zwei Mal in Turbulenzen eines vorausfliegenden Jumbo-Jets. Dann brachen das Leitwerk sowie die beiden Triebwerke ab, und der Flieger stürzte vom Himmel. Die Experten der US- Luftfahrtbehörde FAA wollten noch am Freitag (Ortszeit) einen Zeitplan und technische Anweisungen für die Inspektionen vorlegen.

In den letzten acht aufgezeichneten Sekunden hätten die Piloten offensichtlich noch versucht gegenzusteuern. Anschließend wurden vom Leitwerk keine brauchbaren Daten mehr übermittelt. Dies war wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt, als die Piloten die Kontrolle über die Maschine verloren. Der Airbus A300-600 mit der Flugnummer AA 587 riss bei dem Unglück vom Montag alle 260 Menschen an Bord in den Tod; im betroffenen Stadtteil Queens kamen vermutlich fünf Menschen ums Leben. Die Ermittler hatten wiederholt betont, dass es keinen Hinweis auf Sabotage gebe.

FAA-Sprecher Les Dorr sagte: "Wir arbeiten eng mit Airbus, den französischen Behörden und den Betreibern von A300-Maschinen in den USA zusammen, um präzise zu ermitteln, welche Inspektionsverfahren wir anwenden müssen." Die FAA erwägt laut CNN auch, alle Jets vom Typ A310 überprüfen zu lassen. Airbus selbst sieht nach Angaben einer Sprecherin derzeit keine Veranlassung, den Fluggesellschaften grundsätzlich die Überprüfung ihrer A300-600 zu empfehlen.

Das Luftfahrtbundesamt (LBA) in Braunschweig wollte keine offizielle Stellungnahme abgeben, ob auch die 14 in Deutschland zugelassenen A300 überprüft werden. "Wir sammeln noch die notwendigen Informationen und stehen im engen Kontakt mit dem Hersteller und der US-Luftfahrtbehörde FAA", sagte die LBA- Sprecherin Cornelia Eichhorn.

Der FAA zufolge sind in den USA insgesamt noch knapp 90 Flugzeuge vom Typ Airbus A300 im Einsatz. American Airlines habe bereits eine Überprüfung ihrer verbliebenen 34 A300-Maschinen angeordnet. Einem Bericht des Nachrichtensenders CNN zufolge war das jetzt abgestürzte Flugzeug 1994 über der Karibikinsel Martinique schon einmal in schwere Turbulenzen geraten. Dabei habe es 47 Verletzte gegeben. Experten schlössen nicht aus, dass eine gewisse Materialschwäche von diesem Vorfall zurückgeblieben sein könnte.

In der Geschichte der Luftfahrt ist laut NTSB bisher nur ein einziger Fall bekannt, in dem sich das Seitenleitwerk vom Rumpf löste. In den 60er Jahren habe eine B52 der US Airforce beim Testflug die Heckflosse verloren. Bei jenem Flug war das Verhalten der Maschine unter dem Einfluss extremer Turbulenzen geprüft worden.

Was man bislang über den Unglücksflug wisse, gebe ein sehr konfuses Bild, es sei ein sehr turbulenter Flug gewesen, sagte der NTSB-Vorsitzende Jim Hall in CNN. Man wolle herausfinden, warum das Leitwerk riss. Nach Angaben der Behörden waren sowohl der Pilot als auch der Co-Pilot der Unglücksmaschine darin trainiert worden, ein Flugzeug bei ungewöhnlichen Turbulenzen zu stabilisieren.

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